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Vincent Vincent true (eig. Winzenhörlein), Heinrich Josef
* 1819 -02-2323.2.1819 Teilheim bei Würzburg/D, 1901 -05-1919.5.1901 Wien. Sänger, Komponist. Studierte Theologie und Jus, war dann aber Opernsänger (Heldentenor) an verschiedenen Bühnen (Wien, Halle a. d. Saale/D, Würzburg/D, Schwerin/D), ab 1872 Gesangslehrer und Vereinsdirigent in Czernowitz (Čérnivci/UA), lebte ab 1878 in Wien. Sein größtes Anliegen war eine Reform der Musiktheorie und der Notenschrift (Notation). Zu diesen Themen verfasste er die anonym erschienene Schrift Kein Generalbass mehr (1860) und eine Reihe weiterer musiktheoretischer Aufsätze. Er ging dabei von der Vorstellung aus, dass die Zählung der Stufen einer Tonskala nicht mit der Zahl 1 beginnen dürfe, sondern, wie jede Skala, mit Null. Dabei müssten alle Stufen der chromatischen Tonleiter gezählt werden, nicht nur die Stammtöne (Skala auf c also: c = 0, cis = 1, d = 2 usw.). Ideen zu einer Reform-Notenschrift veröffentlichte V. erstmals 1884 in der Zeitschrift Zitherfreund, Kaschau (Košice/SK). Er verzichtete auf die Unterscheidung von Stammtönen und abgeleiteten Tönen und notierte die sechs mit geraden Zahlen bezeichneten Töne, also die Töne der Ganztonreihe c, d, e, fis, gis, ais mit dem Notenhals nach unten, die dazwischen liegenden Töne (ungerade Zahlen) mit dem Hals nach oben. In einer späteren Version (Eine neue Tonschrift, 1900) verwendete er für die beiden Reihen gewöhnliche Notenköpfe bzw. kleine, nach oben oder unten offene Bögen. Auf einer Gliederung des chromatischen Systems in zwei Ganztonreihen beruhten auch Pläne für eine „Neuklaviatur“, in der diese beiden Reihen in zwei übereinander liegenden Tastenreihen angeordnet werden, eine Idee, die von P. v. Jankó aufgegriffen und weiterentwickelt wurde.

V. wollte für seine Theorien, von denen er sich eine „Erleichterung und Vereinfachung unseres ganzen Musikbetriebes“ erhoffte, auch Rich. Wagner gewinnen und überreichte ihm bei dessen Besuch in Wien 1863 ein Exemplar seiner Arbeit Die Einheit in der Tonwelt (Leipzig 1862), doch brachte Wagner diesen Ideen nur wenig Interesse entgegen.


Werke
Oper (König Murat), Operetten (Die Bettlerin, 1866 in Halle, 1870 in Würzburg aufgeführt, die am Theater an der Wien eingereichte Partitur ging verloren), Kirchenmusik und Lieder., Kirchenmusik, Lieder, Kammermusik. – Nachlass (Oper, Lieder, Werke f. Kl., Git. u. 23 theoretische Aufsätze in Hs., wohl für die Veröffentlichung in versch. Zss. bestimmt) seit 1934 in A-Wn (darunter Die Zwölfzahl in der Tonwelt in 7 Abschriften, eine Suppè-Biographie, eine fragmentarische autobiographische Skizze sowie Verbesserungsvorschläge f. die Ballade Der Erlkönig von Fr. Schubert).
Literatur
Conversations-Lex. der Tonkunst, hg. als Beilage der Neuen Musik-Ztg. Köln o. J.]; Riemann 1929 u. 1967 [Chromatisches Tonsystem]; K. Schnürl in MusAu 18 (1999).

Autor(en)
Karl Schnürl †
Empfohlene Zitierweise
Karl Schnürl †, Art. „Vincent (eig. Winzenhörlein), Heinrich Josef‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 06/05/2001]

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