Logo IKM
OeML Schriftzug
Logo OeML
Logo Verlag

Jakesch Jakesch true (Jakisch, Jaksch), Familie
Wiener Klaviermacher

Johann: * ca. 1753/55 Malostowitz/Mähren, † 25.3.1840 Wien. Es ist unbekannt, wo und wann er gelernt hat. Aus dem Konskriptionsbogen seines Hauses auf der Wieden (Wien IV) Nr. 78 geht hervor, dass er ab 1786 in Wien ansässig war. Den Bürgereid leistete er am 17.5.1793 und ab 1796 ist er als Klaviermacher in den Verzeichnissen an unterschiedlichen Adressen nachweisbar. Ab 1794 sind seine Abgaben in den Steuerbüchern belegt, wobei seine Steuerleistung auf einen Betrieb mittlerer Größe schließen lässt. Am 3.7.1811 verstarb seine erste Frau (* 1762 als Anna Karas) an Nervenfieber. Bei Durchsicht der Verlassenschaftsabhandlung wird deutlich, dass das Ehepaar ein beträchtliches Vermögen aufgebaut hatte. Allein die beiden Häuser auf der Wieden Nr. 52 und 53 (Wohllebengasse) repräsentierten einen Wert von 9.306 fl., wobei Anna J. je eine Haushälfte besaß. Johann J. war Universalerbe, der Sohn Georg Jakob erbte 4.000 Gulden. J. dürfte sich bereits kurz darauf wieder verheiratet haben. Seine zweite Frau (* 1761 als Elisabeth Fingerl) erkrankte jedoch bald danach und zog 1814 zu ihrer Schwester in die Leopoldstadt, die sie pflegte. Als sie am 24.3.1815 an Schlagfluss starb, lebte das Paar in Scheidung. Im Testament vom 26.2.1813 ist die Schwester als Universalerbin eingesetzt. J. weigerte sich, das Schätzgutachten zu unterschreiben, und der folgende Rechtsstreit wurde erst nach dem Tod des Klaviermachers beigelegt. J. legte 1817 sein Gewerbe zurück, das daraufhin ausgeschrieben wurde. Er starb 1840 im Alter von 87 Jahren, wohnhaft auf der Wieden, Waaggasse 275, an Entkräftung. Sein Vermögen wurde auf 23.269 fl. geschätzt. Eine Hälfte erbte der Sohn Georg, die andere dessen Kinder. Die erhaltenen Instrumente weisen J. als guten Klaviermacher aus. Aus einem Brief L. v. Beethovens an Nicolaus von Zmeskall geht hervor, dass der Komponist im November 1802 einen Flügel von J. in seiner Wohnung hatte. Gleichzeitig ist allerdings herauszulesen, dass er einen Flügel von A. Walter bevorzugte. Sein Sohn aus erster Ehe

Georg Jakob: * 1791 Wien, erwähnt bis 1846. Suchte 1817 um ein Gewerbe an und erhielt am 15.6.1821 das Bürgerrecht zugesprochen. Da er bereits 1819 im Gewerbsschematismus eingetragen ist, dürfte er spätestens 1818 eine Befugnis erhalten haben. In den Adressenverzeichnissen ist er bis 1846 erwähnt. G. J. J. war verheiratet mit Theresia Scheibenreiter (* 1792) und hatte drei Kinder. Joh. J.s Neffe

Mathias: * ca. 1783 Lösch/Brünn (Líšeň/CZ), † 14.7.1828 Wien. Aus dem Konskriptionsbogen von Joh. J.s Haus auf der Wieden 78 geht hervor, dass dieser seine Neffen Mathias, Ignaz und Franz J. als Ziehsöhne angenommen hatte. Sie haben vermutlich auch bei ihm den Klavierbau gelernt. Nachdem am 8.2.1810 der Klaviermacher Franz Hubert verstorben war, bewarb sich M. J. um dessen oder die Zuerkennung eines neuen Gewerbes. Ein solches wurde ihm zusammen mit dem Meisterrecht im selben Jahr verliehen. Ab 1812 scheint er in den Steuerlisten auf. J. hinterließ seine Witwe Walburga (geb. Kreb [Krepp]) und fünf minderjährige Kinder. Als deren Vormund wurde der Klaviermacher C. Graf vorgeschlagen. Es ist bemerkenswert, dass M. J. ein Jahr vor seinem Tod in jenes Haus auf der Wieden Nr. 182 (Paulanergasse) gezogen ist, in dem bis 1827 auch C. Graf gewohnt hat. M. J. hatte kein Testament abgefasst, es lag aber ein Ehevertrag vom 22.10.1811 vor. Aktiva in Höhe von 825 fl. standen Passiva und Schulden in Höhe von 1.371 fl. gegenüber. Die Schätzung des Werkstättenbestandes ergab einen Wert von 490 fl. Es waren vier Hobelbänke nebst einigen zusätzlichen Werkzeugen und ein geringer Vorrat an Holz vorhanden. Ein Flügel war an einen Kunden verliehen und ein weiterer fertiggestellt. Weiters befanden sich in der Werkstätte ein Flügel und zwei Tafelklaviere in unfertigem Zustand. Fünf Flügel-Korpusse, 2 für Tafelklaviere und drei Klaviaturen vervollständigten den kleinen Bestand. Der Klaviermachergeselle Franz J. wohnte im Haushalt des Bruders, er hat vermutlich auch bei ihm gearbeitet. Die Witwe führte den Betrieb weiter. An unterschiedlichen Standorten ist die Werkstätte bis 1839 in den Adressenverzeichnissen zu finden. Dessen Brüder

Ignaz: * 1785 Lösch, † 18.2.1816 Wien. Alle ihn betreffenden Angaben sind der Verlassenschaftsabhandlung nach seinem Tod entnommen. Er wohnte 1816 als Klaviermachergeselle bei seinem Onkel Joh. J. Vermutlich hat er in dessen Werkstätte gearbeitet. I. J. hinterließ kein Vermögen, seine Besitztümer verblieben bei den Barmherzigen Brüdern (Wien II), in deren Krankenhaus er an Schwindsucht gestorben war.

Franz: * 1803 Lösch, † ?. Ist 1816 als Tischlerlehrling in Wien nachgewiesen, 1828 war er Klaviermachergeselle und erhielt am 24.8.1837 eine Befugnis. 1828 scheint er in den Archivalien auf, da ihm seine Tochter Carolina an Wasserschlag verstorben ist. F. J. dürfte zwei Mal verheiratet gewesen sein, da im Konskriptionsbogen des Hauses Wieden Nr. 78, das seinem Onkel Joh. J. gehörte, eine Ehefrau Antonia (* 1816) eingetragen ist.

Georg Jakob: * 1819 Wien, † ?. Er war der Sohn von Mathias und Walburga J. Von ihm ist nur bekannt, dass er befugter Klaviermacher war und am 16.10.1840 in der Karlskirche eine Anna Brenner (* 1813) geheiratet hat. Trauzeugen waren der Klaviersaitenmacher Mathias Dietz und der Klaviermacher Andreas Heller.

Joseph: erwähnt 1811. Über ihn ist nur bekannt, dass er Klaviermacher war und am 10.10.1811, wohnhaft in der Stadt Nr. 62, den Bürgereid leistete. Das Verwandtschaftsverhältnis zur übrigen Familie konnte nicht geklärt werden (2002).


Literatur
M. N. Clinkscale, Makers of the Piano 1700–1820, 1993; H. Haupt in StMw 24 (1960), 147; Hopfner 1999; Ottner 1977; F. Prelinger (Hg.), Ludwig van Beethovens sämtliche Briefe und Aufzeichnungen 1 (1907), 99; Archivalien: WStLA, Unbehaustes Catastrum 1794–1812; Konskriptionsbogen Wieden Nr. 78; Bürgerbuch 1809–1835, fol. 318v.; Hauptregistratur Bd. 101/1810, fol. 120v (Fasz. 12, 529/1810 [Akt ist nicht mehr vorhanden]); Fasz.2 4819/1811 (Verlassenschaftsabhandlung Anna J.); Fasz.2 3601/1815 (Verlassenschaftsabhandlung Elisabeth J.); Fasz. 2 1638/1816 (Verlassenschaftsabhandlung Ignaz J.); Fasz. 2 1624/1828 (Verlassenschaftsabhandlung Mathias J.); Fasz. 2 3401/1840, (Verlassenschaftsabhandlung Johann J.).

Autor(en)
Rudolf Hopfner
Empfohlene Zitierweise
Rudolf Hopfner, Art. „Jakesch (Jakisch, Jaksch), Familie‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().