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Blaschke, Blaschke, Paul Wilhelm Brüder
Paul Wilhelm (Pavel): * 1885-05-2424.5.1885 Hultschin/Österreichisch-Schlesien (Hlučín/CZ), † 1969-03-1010. [oder 11.] 3.1969 Anholt (Isselburg/D). Domkapellmeister, Komponist, Pädagoge, Priester. Der Sohn von insgesamt zwölf Kindern eines Schuhmachermeisters zeigte sein musikalisches Interesse bereits in jungen Jahren und war 1898/99 Singknabe des Breslauer (Wrocław/PL) Domchors unter Max Finke (1855–1911). 1905–09 studierte er Philosophie und Theologie an der Univ. Breslau und erhielt Unterricht in Orgelspiel und Tonsatz bei Emil Bohn (1839–1909) sowie Unterricht in Violine bei Walter Hennrichs (ca. 1874–nach 1927). Am 17.6.1909 zum Priester geweiht, absolvierte er seine ersten Kaplansjahre an der Breslauer Pfarre St. Mauritius und in Striegau (Strzegom/PL). Im selben Jahr wurde er stellvertretender Domvikar zu Breslau. Am Ersten Weltkrieg nahm er als Divisionspfarrer einer schlesischen Landwehr teil. 1919 wurde er offiziell zum Domvikar ernannt. Ab ca. 1920 widmete er sich gregorianischen Choralstudien, denen er ab 1922 an der Erzabtei St. Martin zu Beuron/D bei P. Dominikus (Franz Xaver) Johner (1874–1955) nachging. Anschließend erhielt er privaten Klavier- und Kompositionsunterricht bei Siegfried Cichy (1865–1925) und studierte Musikwissenschaft bei Max Schneider (1875–1967) an der Breslauer Univ. (Dr. phil. 1925). 1925–46 wirkte er als Nachfolger von S. Cichy als Domkapellmeister in Breslau, zu dessen Aufgabe auch die Lehre des gregorianischen Chorals am Priesterseminar zählte. Zw. 1930/33 arbeitete er mit dem Schlesischen Rundfunk zusammen, in dessen Rahmen er musikhistorische Vorträge hielt und mit dem Domchor auftrat. Neben Werken u. a. von M. Filke, S. Cichy, T. Stoltzer, O. d. Lasso, H. L. Haßler und A. Bruckner führte er bei Domgottesdiensten seine eigenen Kompositionen auf. Spätestens ab 1931–45 unterrichtete er Kirchenmusikpraxis am Akademischen Institut für Kirchenmusik (Kirchenmusikschulen) und Musikwissenschaft an der philosophischen Fakultät der Univ. Breslau. Nach der Vertreibung aus Schlesien 1946 kam er vorübergehend in Patschkau (Paczków/PL) und endgültig in Oldenburg/D unter. Dort wirkte er bis 1956 an der Pfarre St. Peter als Hilfsgeistlicher v. a. für Heimatvertriebene und leitete den Kirchenchor. 1956–68 war er Hausgeistlicher am Schloss Darfeld (Rosendahl/D) und 1968/69 am St. Augusta-Krankenhaus in Anholt. B. wird als letzter deutscher Vertreter der sog. Breslauer Schule rezipiert. Darüber hinaus setzte er sich für die Bewahrung der Aufführungsverzeichnisse der Breslauer Dommusik ein.
Ehrungen
Geistlicher Rat 1937; Päpstlicher Geheimkämmerer 1953.
Schriften
Der Choral in Heinrich Isaaks Choralis Constantinus, Diss. 1926; mehrere Aufsätze in Ztg.en und Zss. u. a. in der Schlesischen Volksztg. 1926, Musica Sacra 1935 u. im Archiv f. schlesische Kirchenmusik 1969.
Werke
Messen (u. a. Missa in honorem Sctae Hedwigis 1943); Motette (In pace 1955); Graduale; Offertorien; 1 Requiem; Leichnamsgesänge f. d. Jahr 1943; gemischte und Frauenchöre (u. a. Crux fidelis! 1955, Maria, du reine 1955, Maria, du schönste 1955).
Literatur
SchlMl 2001; DBE; MGG 15 (1973); J. Gröger et al. (Hg.), Schlesische Kirche in Lebensbildern 1992; H. Moser in Archiv f. Musikforschung; Nordwest Ztg. Oldenburger Nachrichten 13.6.1953, 13, 12.3.1969, 3; Sonntagspost 11.3.1979, 12; Radio Wien 7.2.1930, 56, 11.4.1930, 55, 12.6.1931, 57, 20.5.1932, 64, 2.12.1932, 61; Zs. f. Musikwissenschaft 1931, H. 1, 41, 1932, H. 1, 38, H. 7, 376, 1933, H. 7, 325, 1934, H. 1, 45, H. 5, 311, 1934, H. 7, 377, 1935, H. 1, 49; Der Wr. Tag 9.12.1932, 4, 1939, H. 2, 143; Badischer Beobachter 15.12.1933, 9; Aachener Ztg. 26.11.1938, 277, 24.12.1938, 301; Sächsische Volksztg. 26.8.1926, 1; Taufbuch der Pfarre Hultschin 1860–1891, fol. 401; https://kulturstiftung.org/biographien/blaschke-paul-2 (5/2022); www.rathay-biographien.de (5/2022); https://kulturstiftung.org/biographien/cichy-siegfried-2 (5/2022); Mitt. Bistumsarchiv Münster (5/2022); eigene Recherchen (Vorlesungs- und Personal-Verzeichnis der Schlesischen Friedrich Wilhelms-Universität zu Breslau; Dt. Bühnen-Jb.er; https://zeitpunkt.nrw; www.deutsche-digitale-bibliothek.de/newspaper; www.anno.ac.at; https://digital.slub-dresden.de/; https://leopoldina.pl/).

Julius Rudolf: * 15.4.1889 Hultschin, † 26.6. [nicht 1.1.] 1974 Münster/D. Pädagoge, Komponist. Erhielt ebenfalls seine erste musikalische Ausbildung 1901–ca.1904 als Domsingknabe unter M. Filke in Breslau und nahm daran anschließend vermutlich Cellounterricht in Zabrze/PL. 1908–10 studierte er an der Kunstakad. in Breslau, zw. 1910/12 und 1925/26 am musikwissenschaftlichen Institut der Univ. Breslau und besuchte das Seminar für Schulmusik in Berlin. Möglicherweise erhielt er Privatunterricht in Komposition und Klavier bei S. Cichy. Anlässlich der Primiz seines Bruders 1909 komponierte er eine Messe. Zw. 1912/14 unterrichtete er als Zeichenlehrer am Königlich-katholischen Gymnasium in Ostrowo (Ostrów Wielkopolski/PL); 1912/13 Militärdienst. 1914–18 war er Teilnehmer am Ersten Weltkrieg. 1919–45 unterrichtete er Zeichnen, davon ab 1926 auch Musik, am Realgymnasium in Neisse (Nysa/PL). Unterbrochen wurde seine Lehrtätigkeit durch erneuten Frontdienst im Zweiten Weltkrieg. Nach der Vertreibung 1946 gelangte er über einen Aufenthalt in Oldenburg/D 1947 nach Greven/D, wo er bis 1949 Aushilfslehrer für Musik und Zeichnen war. 1958 zog er nach Münster. Seine liturgischen Kompositionen wurden gelegentlich von seinem Bruder in Domgottesdiensten aufgeführt. Nicht zu verwechseln mit J. Blaschke.


Ehrungen
Studienrat 1950.
Werke
Messen (u. a. Ave maris stella 1927); Oratorien (u. a. Von Ewigkeit zu Ewigkeit 1932), 1 Requiem; Chöre; Lieder (u. a. Eichendoff-Zyklus o. J.); Singspiel Aus dem Leben eines Taugenichts nach Joseph v. Eichendorff o. J.; 1 Streichquartett.

Die älteren Brüder Richard (?–?) und Johann Franz B. (* 11.12.1875 Hultschin, † 1961 [Ort?]) waren ebenfalls in ihrer Jugend als Sängerknaben aktiv, dürften ihre musikalische Tätigkeit jedoch nicht weiterverfolgt haben.


Literatur
SchlMl 2001; Taufbuch der Pfarre Hultschin 1860–1891, fol. 465; https://kulturstiftung.org/biographien/blaschke-julius-2 (5/2022); Mitt. Stadtarchiv Münster (6/2022); Mitt. Staatsarchiv Opolu (6/2022); Mitt. Stadtarchiv Greven (6/2022); eigene Recherchen (Adressbücher der Stadt Münster und Nysa; https://archivdatenbank.bbf.dipf.de; www.archive.nrw.de).

Autor*innen
Karoline Hochstöger
Letzte inhaltliche Änderung
4.8.2022
Empfohlene Zitierweise
Karoline Hochstöger, Art. „Blaschke, Brüder‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, begr. von Rudolf Flotzinger, hg. von Barbara Boisits (letzte inhaltliche Änderung: 4.8.2022, abgerufen am ), https://www.musiklexikon.ac.at/ml/musik_B/Blaschke_Brueder.xml
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GND
Blaschke, Paul Wilhelm: 122649451
OBV
Weiterführende Literatur
GND
Blaschke, Julius Rudolf: 1056829044
OBV
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