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Kraus, Kraus, true Karl
* 1874 -04-2828.4.1874 Jičin/Böhmen (Jičín/CZ), 1936 -06-1212.6.1936 Wien. Schriftsteller. Vater Jakob K., Mutter Ernestine K., geb. Kantor. 1877 Übersiedlung nach Wien, wo K. 1884–92 das Franz-Josephs-Gymnasium besuchte (maturierte gem. m. H. v. Hofmannsthal). Erstes öffentliches Auftreten 1891 in Baden bei Wien (Wohltätigkeitsakademie) mit dem Sketch In der Burgtheaterkanzlei. Es folgten erste Veröffentlichungen und literarische Vorlesungen, Misserfolg als Schauspieler im Rudolfsheimer Volkstheater 1893. Kontakte zur jungen Literaturszene (Felix Salten, Peter Altenberg, Detlev v. Liliencron, Richard Beer-Hofmann, Arthur Schnitzler), gehörte zum Literatenkreis im Café Griensteidl. 1897 Austritt aus der Israelitischen Kultusgemeinde. Neben literarischen und philosophischen Themen (Otto Weininger) kritische Auseinandersetzung mit Theodor Herzl und dem Zionismus (1898: Eine Krone für Zion). Gründung der zunächst dreimal monatlich erscheinenden Zeitschrift Die Fackel. In unregelmäßigen Abständen und stark variierendem Umfang erscheinend, blieb Die Fackel das Hauptwirkungsgebiet von K. (als Herausgeber und ab 1911 fast ausnahmslos einziger Autor) bis 1936, 1921 Gründung des Verlags Die Fackel. Durchgängig kritische Position gegenüber der Wiener Tagespresse und dem etablierten Feuilleton, dabei großes Gewicht auf Sprachkritik. Im Politischen zeigt Die Fackel keine entsprechend durchgängige ideologische Richtung: in der ersten Phase zumindest teilweise sozialistischen Ideen zugeneigt, durchwegs antizionistisch, später deklariert elitaristisch, ab 1932/33 erkennbare Annäherung an Positionen des „Ständestaats“ (v. a. erklärbar als Gegnerschaft zum deutschen Nationalsozialismus). Früher und durchgängiger engagierter Einsatz für umstrittene bis verbotene Literatur (Frank Wedekind), Kontakte zur Kabarett- und Satirekultur (u. a. gelegentliche Mitarbeit am Simplizissimus vor 1911). Ab 1910 öffentliche Vorlesungen aus eigenen Schriften, dabei stets steigender Grad an Öffentlichkeit, kulminierend in den Vorlesungen im Wiener Konzerthaus (fanatische Anhängerschaft in Intellektuellen- und Künstlerkreisen), K. auch wiederholt mit Vorlesungen in Berlin und Paris. 1911 Übertritt zum Katholizismus (Taufpate: Adolf Loos). Bei Kriegsausbruch 1914 nahm K. sofort (und für lange Zeit weitgehend isoliert) eine konsequent beibehaltene Antikriegshaltung ein (Drama Die letzten Tage der Menschheit ab 1915), Die Fackel wurde wiederholt zensuriert und konfisziert. 1922 Austritt aus der katholischen Kirche. In den 1920er Jahren verstärkt Konflikte auch mit der Sozialdemokratie und deren Kulturpolitik (K. warf ihr „Verbürgerlichung“ vor, Widerpart auf sozialdemokratischer Seite v. a. Oskar Pollak, während D. J. Bach den Kontakt zu K. zu halten versuchte), dennoch bis 1928 Vorlesungen im Rahmen von Veranstaltungen der sozialdemokratischen Kunststelle. Nach den Unruhen von 1927 (Brand des Justizpalasts) engagierte sich K. öffentlich gegen Polizeipräsident Johann Schober. Nach Machtübernahme der Nationalsozialisten in Deutschland zunächst Schweigen von K., was zu heftiger Kritik führte. Im Februar 1936 erschien das letzte Heft der Fackel.

Obwohl selbst in musikalischen Fragen nicht versiert und nicht musikalisch ausgebildet, nahm Musik zumindest indirekt eine bedeutende Rolle ein: einerseits Engagement für die Wiener musikalische Moderne um A. Schönberg in der Fackel (in dessen Umkreis K. eine zentrale Autorität war, Vertonungen von K.-Texten u. a. von A. Webern), andererseits konsequente Auseinandersetzung mit dem Genre Operette, wobei sich K. für eine aktualisierte schöpferische Auseinandersetzung auf der Basis der Operetten J. Offenbachs engagierte (in Entsprechung zu den J. Nestroy-Fassungen zahlreiche textliche Neufassungen von Operetten Offenbachs, von K. auch im Rahmen von Vorlesungen und Auftritten selbst interpretiert, am Klavier begleitet u. a. von G. Knepler, E. Kornauth und F. Mittler). Dagegen heftige Kritik an der Wiener Operette, insbesondere in inhaltlicher Hinsicht. Weiters hatte K. auch zu anderen Lesungen Musik in begleitender und ergänzender Weise eingesetzt, wobei einerseits Vorhandenes (z. B. W. A. Mozart, Ch. W. Gluck, O. Nicolai, Adolphe Adam), andererseits auch Neukomponiertes und Improvisiertes (so von V. Junk) Verwendung fand. Auch für die Nestroy-Neufassungen und zu K.-Stücken wurde z. T. neue Musik komponiert, u. a. von Mechtilde Lichnowsky, V. Junk und Otto Janowitz.


Gedenkstätten
K.-G.-Gasse (Wien XII); Ehrengrab Wr. Zentralfriedhof;
Literatur
Lit (mit Musikbezug): E. Kornauth in Freude an Büchern, Monatshefte für Weltliteratur 5/4 (1954); M. Lichnowsky in Merkur. Dt. Zeitschrift für europäisches Denken 10 (1956); O. E. Deutsch in ÖMZ 18 (1963); F. Mittler in ÖMZ 23/6/7 (1968); W. Szmolyan in ÖMZ 35 (1980); G. Knepler, K. K. liest Offenbach. Erinnerungen – Kommentare – Dokumentationen 1984; D. Mittler-Battipaglia, Franz Mittler. Austro-American Composer, Musician and Humorous Poet 1993; Ch. Glanz in H. Krones (Hg.), Anton Webern – Persönlichkeit zwischen Kunst und Politik 1999; I. Schartner, K. K. und die Musik. Musik nach Angabe des Vortragenden, Bearbeiters und Verfassers. Kompositionen zu K. K.’ Vortragstätigkeit 2002.

Autor(en)
Christian Glanz
Empfohlene Zitierweise
Christian Glanz, Art. „Kraus, Karl‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 06/05/2001]

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