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Hofsängerknaben
Kapellknaben der Hofmusikkapellen der Habsburger. Da der Hof bis zum Ende der Monarchie daran festhielt, dass nur Männer und Knaben in der Kirche singen dürften, gab es seit dem Mittelalter im Verband der Hofkapelle eine den musikalischen Anforderungen nach wechselnde Zahl an Kapellknaben. Die H. wurden nach einem strengen Verfahren ausgewählt, waren einem Präzeptor unterstellt, mit dem sie auch am Hof lebten, und wurden durch Musiker der HMK bzw. Jesuiten (später am Löwenburgschen Konvikt, heute Piaristengymnasium, Wien VIII) ausgebildet; nach der Mutation wurden sie entlassen, doch verblieben viele in Hofdiensten (nicht nur im Bereich der HMK) bzw. wechselten an befreundete Höfe (viele der Sängerknaben stammten auch aus Bedienstetenfamilien, die eng mit dem Kaiserhof verbunden waren). Wirkungsstätte der H. war ausschließlich der Hof („Verleihungen“ nach außen wurden nur ausnahmsweise genehmigt), und hier v. a. der Bereich der geistlichen Musik. Gegen Ende des 16. Jh.s erreichte die Zahl der H. mit ca. 20–25 ihren Höhepunkt, pendelte sich im Barock bei 12–16 Knaben ein, eine Zahl, die bis zum Ende der Monarchie weiter auf ca. 10 Knaben reduziert wurde. Da mit dem Ende der Monarchie die Bestimmung, dass nur Männer und Knaben in der Hofburgkapelle musizieren dürften, fiel, war das Sängerknabeninstitut obsolet geworden; 1919 wurde der Vertrag mit dem Löwenburgschen Konvikt gekündigt, 1920 verließ der letzte H. wegen Mutation die Hofmusikkapelle. 1924 wurde auf Basis eines privaten Vereins die Tradition durch J. Schnitt neu begründet (Wiener Sängerknaben). In zahlreichen lieblich-süßlichen (z. B. Grobauer) bzw. populären Schriften wird seither versucht, diesen Traditionsbruch zu kaschieren und eine über 500 Jahre währende ununterbrochene Tradition zu konstruieren.
Literatur
E. Hilscher, Mit Leier und Schwert 2000; [Kat.] Musica Imperialis 1998; F. J. Grobauer, Die Nachtigallen aus der Wiener Burgkapelle 1954.

Autor(en)
Elisabeth Th. Hilscher
Empfohlene Zitierweise
Elisabeth Th. Hilscher, Art. „Hofsängerknaben‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 03/01/2003]