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Mechanische Musikinstrumente
Jüngere Bezeichnung für automatisch gespielte Musikinstrumente, bei denen also das Streichen, Anzupfen, Anschlagen, Anblasen des Musikinstruments bzw. die Betätigung der Klaviatur (bzw. ihrer Surrogate) von einer apparativen Vorrichtung ausgeführt wird (damit ist auch eine Glocke, die nicht vom Glöckner geläutet wird, eigentlich ein m.s M.). Für den Fall, dass Tonfolgen abgespielt werden sollen, sind diese und allenfalls auch noch andere für den Ablauf des Spielvorganges wichtige Funktionen (Registerwechsel, dynamische Veränderungen, Start, Stop etc.) auf einem Informationsspeicher (Stiftwalzen, perforierte Platten, Karton und Papierrollen, elektromagnetische Speicher, CDs etc.) einprogrammiert. Der Antrieb erfolgt mit Federkraft, Gewicht, Elektromotor etc., aber auch durch menschliche Anstrengung (Drehen von Kurbeln, Treten von Pedalen). Was die Steuerung der m.n M. betrifft (Geschwindigkeit, Dynamik, Registrierung), sind manche Typen vollkommen eigenständig und gestatten keine Regelung von außen (z. B. Kammspielwerk, Orchestrion, Reproduktionsklavier), die Einflussnahme des Menschen kann aber zuweilen möglich, zweckdienlich (Tempoeinstellung bei Flötenwerken etc.), erwünscht, vorgesehen oder freigestellt sein (Gestaltung der Dynamik und der Phrasierung bei automatischen Klavieren, Registerwahl bei Orchesterspieldosen etc.), in manchen Fällen ist eine „künstlerische“ Bedienung durch eine geübte und qualifizierte Person erforderlich, um ein musikalisch befriedigendes Resultat hervorzubringen (z. B. Drehorgel, Wiedergabe von Künstlernotenrollen auf der Phonola). Äolsinstrumente (Äolsharfe, Äolsglocken) werden, obwohl sie ohne Zutun des Menschen erklingen, nicht zu den m.n M. gezählt. Ebenfalls von den m.n M. abzugrenzen sind die – wenn auch selbsttätig agierenden – akustischen Wiedergabeapparate (Phonograph, Grammophon, Magnetophon, CD-Player etc., Tonträger). Zu diesen Punkten gibt es divergierende Auffassungen (s. die Definitionen und ihre Kriterien bei Brauers, Jüttemann, Simon, Protz, Wendel, Reuter et al., MGG, NGroveD).

Der Terminus m. M. kam erst im Laufe des 20. Jh.s auf. Im 18. Jh. sprach man von „Automaten“ oder „künstlichen Uhren“, J. Haydn schrieb für das „Laufwerk“, W. A. Mozart für ein „Orgelwerk“. Allgemein gehaltene Bezeichnungen in österreichischen und tschechischen Ausstellungskatalogen, Produktbeschreibungen und Herstellernachweisen des 19. Jh.s sind „Spieluhr“, „Uhrspielwerk“, „Spielwerk“, „musikalische (Spiel)maschine“, „Musikmaschine“, „Orchesterwerk“ (für komplexe Instrumente); „Musik-Automat“ wird als umfassender Begriff immer wieder verwendet, gegen Ende des 19. Jh.s erscheint der Audruck „Musikwerke“. Wenn auch der nunmehr geläufige Oberbegriff m. M. auf die Verwendung eines Musikinstruments hinweist, ist er doch mehrfach irreführend, da er auch alle pneumatisch, elektropneumatisch, elektrisch und elektronisch betriebenen Spielapparate bezeichnet, deren automatische Funktion nicht erkennen lässt und zugleich daran erinnert, dass viele „handgespielte“ Musikinstrumente ebenfalls über eine aufwändige mechanische Komponente verfügen (z. B. Orgel, Klavier, Harfe, Klappenmechanismus bei Blasinstrumenten), ganz abgesehen davon, dass das Anstreichen, Anzupfen, Anschlagen von Saiten, Trommelfellen, Glocken etc. bereits für sich einen mechanischen Vorgang darstellt. Den Charakter der m.n M. trifft weit besser der historische Terminus „Musikautomaten“.


Literatur
MGG 8 (1960) u. 11 (2004); NGroveD 16 (2001) [Mechanical instrument]; J. Brauers, Von der Äolsharfe zum Digitalspieler 1984; S. Wendel, Datenspeicher-Musikinstrumente 2002; H. Jüttemann in Das m. M. 37 (1985); H. Jüttemann, M. M. 1986; H. Kowar, Mechanische Musik 1996; A. Protz, M. M. 1939; Ch. Reuter et al., Lex. Musikautomaten 2000 [CD-ROM]; E. Simon, M. M. früherer Zeiten und ihre Musik 1960.

Autor(en)
Helmut Kowar
Empfohlene Zitierweise
Helmut Kowar, Art. „Mechanische Musikinstrumente‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 06/05/2001]