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Mohr, Mohr, true Joseph
* 1792 -12-1111.12.1792 Salzburg, 1848 -12-044.12.1848 Wagrain/Sb. Geistlicher, Textdichter. Geboren als drittes von vier unehelichen Kindern der Strickerin Anna Schoiber, die bei amtlicher Befragung den damals fahnenflüchtigen Soldaten Joseph Franz M. als Vater angab. Wie des öfteren bei sozial bedürftigen Kindern, übernahm der letzte Salzburger Scharfrichter Franz Joseph Wohlmuth die Taufpatenschaft, ließ sich aber von seiner Hausgehilfin Franziska Zach vertreten; Kindheit und Jugend verbrachte M. im Haus Steingasse 31 (nicht 9). Durch finanzielle Zuwendungen des Domchorvikars Johann Nepomuk Hiernle konnte M. seit 1799 die Vorbereitungsklasse und das Lyzeum in Salzburg, danach die philosophischen Kurse des Lyzeums im Stift Kremsmünster besuchen. Einen Teil des Unterhalts verdiente er sich selbst als Sänger und Instrumentalist des Univ.schores bzw. in den Stiftsmusiken von St. Peter in Salzburg und später in Kremsmünster. 1811 Eintritt in das Salzburger Priesterseminar, 1815 Priesterweihe; danach wurde M. – wie damals viele junge Geistliche – häufig versetzt und war als Koadjutor (Hilfsseelsorger) in zahlreichen Pfarren der Diözese tätig, ehe er ab 1827 in Hintersee/Sb und seit 1837 in Wagrain als Pfarrvikar über längere Zeit wirkte.

Das Gedicht Stille Nacht! Heilige Nacht! verfasste M. 1816, damals Koadjutor in Mariapfarr im Lungau/Sb; zwei Jahre später, inzwischen nach Oberndorf/Sb versetzt, übergab er es dem dortigen Organisten F. X. Gruber (I) zur Vertonung für die Christmette. Die mehrmals vertretene Ansicht, M. habe neben dem Text auch die Melodie zu Stille Nacht geschaffen, wird durch ein 1995 aufgefundenes Autograph M.s widerlegt, worin er sich selbst als Autor des Textes, F. X. Gruber aber als Autor der Melodie bezeichnet. M., der über eine ausgezeichnete Tenorstimme verfügt haben soll, hätte aufgrund seiner musikalischen Schulung zu komponieren vermocht, doch sind diesbezüglich – entgegen anders lautender Hinweise in der Literatur – keine Quellen erhalten. Dass F. X. Gruber in seiner Darstellung der Entstehungsgeschichte von Stille Nacht M. als „Verfasser mehrerer geistlicher Lieder“ schildert, dürfte der Terminologie des 19. Jh.s entsprechend, nicht Kompositionen, sondern Gedichte meinen. Späterhin ist eine zeitweilige Verwechslung mit dem namensgleichen bayerischen Komponisten (Hermann) Joseph M. (1834–92) nicht auszuschließen.


Gedenkstätten
Gruber-M.-Weg (Graz VIII).
Schriften
Gedicht Stille Nacht! Heilige Nacht! 1816 (6 Strophen, überliefert ist ein Autograph M.s mit der Vertonung von F. X. Gruber von Anfang der 1820er Jahre; Faks.: Weihnachtslied „Stille Nacht! Heil’ge Nacht!“. Faksimile der frühesten erhaltenen autographen Fassung (Handschrift J. M.), hg. v. Salzburger Museum Carolino Augusteum 1995); Gebete (O Jesu! Du mein Einziger! 1813 [Übersetzung des lat. Hymnus Jesus, decus Angelicorum, eventuell von M.]; Deutsches Deutsches Te Deum spätestens Februar 1818 [einer in Wagrain erhaltenen Abschrift zufolge stammt der Text von M., was jedoch das Autograph einer Vertonung von F. X. Gruber nicht bestätigt]); einige Hss. mit Texten zum kirchlichen Gebrauch, darunter das Ms. einer Stundengebeth-Predigt (1848), sowie Abschriften musikalischer Werke.
Literatur
H. Spies in Mitt. d. Ges. f. Sbg. Lk. 84 (1944); L. Besch/E. Kornhofer, J. M. Ein Lied – Ein Leben 1998; Salzburger Museumsbll. 59 (1998); E. Hintermaier in Mitt. d. Ges. f. Sbg. Lk. (2000); Th. Hochradner (Hg.), „Stille Nacht! Heilige Nacht!“ zwischen Nostalgie und Realität. J. M. – Franz Xaver Gruber – Ihre Zeit 2002.

Autor(en)
Thomas Hochradner
Empfohlene Zitierweise
Thomas Hochradner, Art. „Mohr, Joseph‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 06/05/2001]