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Nietzsche, Nietzsche, true Friedrich Wilhelm
* 1844 -10-1515.10.1844 Röcken/D, † 1900 -08-2525.8.1900 Weimar/D. Philosoph, Komponist. Besuchte 1858–64 die Landesschule Pforta/D, Studium der Theologie (bald aufgegeben) und Philologie 1864 in Bonn/D, folgte seinem Lehrer Friedrich Wilhelm Ritschl 1865 nach Leipzig/D, 1869–79 Prof. für klassische Philologie an der Univ. Basel/CH, 1889 geistiger Zusammenbruch in Turin/I. 1868 traf N. erstmals mit Rich. Wagner zusammen, worauf sich eine Freundschaft entwickelte. In der Geburt der Tragödie aus dem Geiste der Musik beschäftigte sich N. mit dem rituellen Ursprung der griechischen Tragödie, deren moderne Form er in Wagners Musikdrama zu finden meinte. Erst an dessen Tristan sei ihm das dionysisch-rauschhafte Prinzip der Musik (im Gegensatz zum apollinisch-traumhaften der bildenden Kunst) aufgegangen. Später wandte er sich von Wagner ab und favorisierte Georges Bizets Carmen („Il faut méditerraniser la musique“). N.s Ausgangspunkt ist die Willensmetaphysik A. Schopenhauers, aber auch der Darwinismus (der neue Mensch als „Übermensch“). Speziell sein von seiner Schwester Elisabeth Förster-N. aus dem Nachlass herausgegebenes und von ihr betiteltes Werk (Der Wille zur Macht) leistete einer Verwendung von N.s Philosophie als NS-Ideologie Vorschub und belastete seine Rezeption nach dem Zweiten Weltkrieg (vgl. etwa MGG). Dagegen beruft sich die Postmoderne gerne auf N. (z. B. auf seine Kritik am Fortschrittsglauben der Moderne oder an deren Vorstellung vom autonomen Subjekt als letztem Erkenntnisgrund).

Zahlreiche Komponisten des 19. und 20. Jh.s setzten sich mit N. auseinander, dabei aber in erster Linie seine allgemein lebens- und kulturphilosophischen Reflexionen (Umwertung aller Werte, Wille zur Macht, Lehre vom Übermenschen, ewige Wiederkehr des Gleichen), weniger seine musikphilosophischen Gedanken rezipierend. Zu jenen, die Texte von N. vertonten, zählen u. a. R. Strauss (Also sprach Zarathustra op. 30, 1896), G. Mahler (3. Symphonie, 4. Satz: O Mensch, gib acht aus Zarathustra), E. N. v. Rezniček (Ruhm und Ewigkeit für Tenor und Orchester 1903), A. Schönberg („Der Wanderer“ in Acht Lieder für Gesang und Klavier op. 6, 1903), A. Webern („Heiter“ in Acht frühe Lieder 1901–04). N. komponierte auch selbst und war ein beachtlicher Pianist und Improvisator.


Schriften
(NA) Kritische Studienausgabe, hg. v. G. Colli/M. Montinari 1967–80 [darin folgende, die Musik betreffende Schriften: Die Geburt der Tragödie aus dem Geiste der Musik 1872, erw. 1886, Unzeitgemäße Betrachtungen IV: Richard Wagner in Bayreuth 1876, Menschliches, Allzu Menschliches 1878–80, Morgenröte Morgenröte 1881, Die fröhliche Wissenschaft 1882, Also sprach Zarathustra 1883–91, Jenseits von Gut und Böse 1886, Der Fall Wagner 1888, Götzendämmerung 1889, N. contra Wagner 1889, Ecce homo 1908].
Werke
Lieder, Chöre, Klavier- und Kammermusik. – GA: F. N. Der musikalische Nachlass, hg. v. C. P. Janz 1976.
Literatur
NGroveD 17 (2001); Riemann 1961 u. 1975; MGG 9 (1961); D. Borchmeyer/J. Salaquarda (Hg.), N. und Wagner – Stationen einer epochalen Begegnung, 2 Bde. 1994; G. Pöltner/H. Vetter (Hg.), N. und die Musik 1997; B. Schmidt, Der ethische Aspekt in der Musik – N.s „Geburt der Tragödie“ und die Wr. klassische Musik 1991; D. S. Thatcher in N.-Studien 4 (1975) u. 5 (1976); St. L. Sorgner in St. L. Sorgner/O. Fürbeth (Hg.), Musik in der dt. Philosophie 2003.

Autor(en)
Barbara Boisits
Empfohlene Zitierweise
Barbara Boisits, Art. „Nietzsche, Friedrich Wilhelm‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 06/05/2001]


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