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Schopenhauer, Schopenhauer, true Arthur
* 1788 -02-2222.2.1788 Danzig/Preußen (Gdańsk/PL), 1860 -09-2121.9.1860 Frankfurt a. M./D. Philosoph. Studium in Göttingen/D und Berlin, Promotion 1813 in Jena/D. Habilitation 1820 in Berlin. Lehrte an der Univ. Berlin, bevor er sich 1831 als Privatgelehrter nach Frankfurt a. M. zurückzog. In seinem Hauptwerk Die Welt als Wille und Vorstellung (1819) erklärte er die Welt der Erscheinungen als bloße Manifestationen der menschlichen Vorstellung, während der Kern, das Ansich der Welt im unfassbaren, blinden Willen bestehe. Unter den Künsten gebe nun einzig die Musik ein „Abbild des Willens selbst“, die übrigen Künste seien dagegen nur ein Abbild der Ideen der Erscheinungen, jener Ideen, die ihrerseits bereits Objektivationen des Willens seien und damit den drei Grundfunktionen (Zeit, Raum, Kausalität) unterliegen. Daher sei auch „die Wirkung der Musik so sehr viel mächtiger und eindringlicher als die der andern Künste: denn diese reden nur vom Schatten, sie aber vom Wesen“. Mit dieser Willensmetaphysik, die auch Erlösung durch Willensverneinung lehrt, übte Sch. großen Einfluss auf F. Nietzsche aus. Die herausragende Rolle der Musik innerhalb der Hierarchie der Künste (Musikästhetik) bewirkte aber auch, dass Sch. ab der 2. Hälfte des 19. Jh.s gerade von Musikern und Musikschriftstellern breit rezipiert wurde, so u. a. von Rich. Wagner (Tristan und Isolde), G. Mahler (die Musik führe in eine „andere“ Welt, „in der die Dinge nicht mehr durch Zeit und Ort auseinanderfallen“), H. Pfitzner, A. Schönberg, J. M. Hauer und H. Schenker (Der Tonwille 1921/24). Auch die Vorstellung von der Rolle des Komponisten, der zum Werkzeug des Willens wird (wie eine „Somnambule“), wurde verschiedentlich übernommen: etwa von Mahler, für den der Komponist zum Instrument wird, „auf dem das Universum spielt“ oder von Schönberg, für den – nach einer psychologischen Umdeutung des Willens in den Trieb bzw. das Unbewusste (Expressionismus) – der Komponist „nur der Ausführende eines ihm verborgenen Willens, des Instinkts, des Unbewussten in ihm“ ist.
Gedenkstätten
Sch.straße (Wien XVIII).
Werke
Die Welt als Wille und Vorstellung 1819, 2. Aufl. in 2 Bde.n 1844; Parerga u. Paralipomena, 2 Bde. 1851. – GA: Sämtliche Werke, hg. v. W. Frh. v. Löhneysen 51995ff.
Literatur
MGG 12 (1965); NGroveD 22 (2001); Riemann 1961 u. 1975; M. Seydel, A. Sch.s Metaphysik der Musik 1895; P. Moos, Die Philosophie der Musik v. Kant bis E. v. Hartmann 21922; C. Dahlhaus, Musikästhetik 1967; C. Dahlhaus, Die Idee der absoluten Musik 1978; C. Dahlhaus, Klassische und romantische Musikästhetik 1988; M. Gregor-Dellin in Schopenhauer-Jb. 64 (1983); R. Schäfke, Gesch. der Musikästhetik in Umrissen 1934, 21964; G. Zöller in St. L. Sorgner/O. Fürbeth (Hg.), Musik in der dt. Philosophie 2003; F. v. Hausegger, Richard Wagner u. A. Sch. 1878, 21892; B. Boisits in K. Acham (Hg.), Gesch. der österr. Humanwissenschaften 6 (2005); Baker 1984; Czeike 5 (1997) [Sch.straße].

Autor(en)
Barbara Boisits
Empfohlene Zitierweise
Barbara Boisits, Art. „Schopenhauer, Arthur‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 28/08/2002]