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Bortkiewicz Bortkiewicz true (Bortkevič), Sergej Eduardovič von
* 1877-02-022.2.1877 Charkov/RUS (Kharkiv/UA), 1952-10-2525.10.1952 Wien. Pianist und Komponist. Seine Mutter Sophie war schon als Kind vor der Zarenfamilie als Pianistin aufgetreten und war nach ihrer Heirat aktiv an der Gestaltung des Charkower Musiklebens beteiligt. Klavierunterricht zunächst von seiner Mutter, danach an der örtlichen MSch. von Ilja Slatin und Albert Bensch. Erste Kompositionsversuche im Alter von 14 Jahren. Als Kind besuchte er mehrere Konzerte und erlebte u. a. A. Rubinstein und Peter I. Tschaikowsky. Nach dem Schulabschluss Klavierstudium in St. Petersburg/RUS bei Paul de Conne und Karl van Ark. Auf Wunsch des Vaters begann B. auch ein Jusstudium, das er 1899 abbrach. Nach wenigen Monaten Militärdienst aus gesundheitlichen Gründen suspendiert, wurde er im Herbst 1900 am Leipziger Konservatorium aufgenommen (Meisterklasse Klavier bei Alfred Reisenauer; Abschluss 1902). 1904 zog er mit seiner Frau Elisabeth nach Berlin, wo er unterrichtete und E. Destinn kennen lernte, mit der er auf Konzertreise durch ganz Europa ging. Zunächst Auftritte als Virtuose u. a. in München, Wien, Budapest und Paris, beschränkte er sein Repertoire jedoch bald auf eigene Kompositionen. Nach Kriegsausbruch ging B. nach Charkov zurück, unterrichtete am örtlichen Konservatorium und gab Konzerte in ganz Russland. 1920 emigrierte (Exil) er zunächst nach Istanbul/TR, unterrichtete, gab Konzerte und gründete gemeinsam mit dem Pianisten Barschansky ein griechisch-russisches Konservatorium. 1922 übersiedelte er schließlich nach Baden bei Wien (österr. Staatsbürgerschaft 1925), 1923–28 lebte er in Wien. Hier war er als Pianist und Dirigent eigener und russischer Komponisten tätig. 1929–33 lebte er in Berlin. J. Marx, den er 1922 in Wien kennen gelernt hatte, ersuchte er vergeblich um Vermittlung einer Stelle als Klavierpädagoge in Berlin. In der Folge lebte B. v. a. von Tantiemen seiner Kompositionen, litt jedoch immer wieder unter finanziellen Problemen. Im Dezember 1933 kehrte er nach Österreich zurück; der Plan, gemeinsam mit J. Schmied in Baden bei Wien eine MSch. zu eröffnen, schlug fehl. Seine 1934 fertig gestellte Oper Akrobaten fand keinen Aufführungsort, seine beiden Symphonien wurden in Radio Wien (30.3.1935 und 27.4.1938) uraufgeführt. 1945 wurde B. Leiter einer Ausbildungsklasse am Konservatorium der Stadt Wien, was seine finanzielle Lage verbesserte, 1948 erfolgte die Pensionierung. 1947 (Löschung 1973) wurde in Wien eine B.-Gemeinde mit dem Ziel der Verbreitung seiner Werke gegründet, die in monatlich stattfindenden Konzerten zur Aufführung gelangten. Seine Werke stehen in der Tradition Tschaikowskys, sind oft virtuos, aber auch sentimental-pathetisch. Modernen zeitgenössischen Musikströmungen stand B. ablehnend gegenüber: „Das Verworrene, Unklare, Kakophonische und Poesielose ist Trumpf – ist modern! Jede sich auf gesunde Basis, melodische Erfindung, aufrichtige Empfindung und romantische Poesie stützende Musik wird ohne weiteres verächtlich als ‚unmodern’ bezeichnet.“ (1923).
Gedenkstätten
Ehrenhalber gewidmetes Grab am Wiener Zentralfriedhof.
Ehrungen
Schumann-Preis; Prof.-Titel 1948.
Schriften
Erinnerungen (1936) in F. Feldmann (Hg.), Musik des Ostens 6 (1971); Die seltsame Liebe Peter Tschaikowsky’s und der Nadjeschda von Meck 1938.
Werke
Oper Akrobaten, op. 50; 2 Symphonien op. 52 u. 55; Symphonische Dichtung Othello; Ballettsuite Tausend und eine Nacht, op. 37; Österreichische Suite für Streichorchester, op. 52 (1. Im Stephansdom, 2. Spaziergang im Wiener-Wald, 3. Wiener Walzer, 4. Im Wurstelprater), Jugoslawische Suite „Adria“ für Orchester, op. 58; 2 Klavierkonzerte op. 16 u. 28, davon op. 28 für die linke Hand allein, P. Wittgenstein gewidmet; Cellokonzert op. 20; Violinkonzert op. 22; Kammermusik; Klaviermusik; Lieder.
Literatur
E. Paul, S. B., Dipl.arb. Innsbruck 2002; MGG 3 (2000); NGroveD 4 (2001); Czeike 1 (1992); MaÖ 1997; R. Feldman in F. Feldmann (Hg.), Musik des Ostens 6 (1971).

Autor(en)
Barbara Boisits
Monika Kornberger
Empfohlene Zitierweise
Barbara Boisits/Monika Kornberger, Art. „Bortkiewicz (Bortkevič), Sergej Eduardovič von‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 30/06/2014]