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Repräsentation
Höfisch-feudale bzw. später auch (groß-)bürgerliche Form der Selbstdarstellung in der Öffentlichkeit, eng verbunden mit bzw. basierend auf Zeremoniell. Seit dem Altertum (Ägypten, Persien) bekannt, erlebte sie im römischen Kaiserreich, v. a. aber in Ostrom (Byzanz) einen ersten Höhepunkt. Im Sinne der translatio imperii auch von Beginn an in das Heilige Römische Reich integriert (Zeremoniell der Reichstage bzw. v. a. Rom-Zug und Kaiserkrönungen), wurde die R. jedoch erst durch das deutlich auf Außendarstellung bedachte Fürstenbild der Frühneuzeit zu einem bestimmenden Faktor höfisch-feudaler Kultur. Mittel der R. waren die Errichtung von Prunkbauten (Residenzen, aber auch Kirchen; der Ausbau von Klöstern wie Melk, Altenburg oder Göttweig im Barock), von Denkmälern und Erinnerungsbauten; anfangs nur auf Zeit (z. B. Triumphbögen anlässlich von Hochzeiten bzw. castra dolores), später dauerhaft (z. B.Triumphbogen in Innsbruck, Denkmal für Joseph II. in Wien), aber auch gezielte Verbreitung von Druckschriften, beginnend mit den großen Holzschnittwerken für Maximilian I.; die Verbreitung von Festbeschreibungen und Prunkausgaben der Libretti großer höfischer Feste (z. B. anlässlich von Kaiserhochzeiten, Krönungen) durch Gesandte des jeweiligen Hofes. Größe und Zusammensetzung des Hofes selbst dienten ebenfalls nach außen der R.

Eine wichtige Rolle nahm – v. a. für die Höfe der Habsburger – die Musik als Mittel der R. ein. Obwohl zum Bereich des Heeres gehörend, waren Hoftrompeter und Heerpauker wesentliche äußere Zeichen feudaler Macht und dem Kaiser vorbehalten (ein Gebot, das jedoch von den übrigen Potentaten des Reiches – weltlich wie geistlich – beständig unterlaufen wurde). Die Größe der Hofmusikkapellen, deren Zusammensetzung und Leitung durch möglichst prominente Musiker der Zeit und eine stilistische wie technische Avantgarde-Position, die durch das angesprochene gezielte Verbreiten von Nachrichten über Feste wie die Unterstützung repräsentativer Druckwerke (Widmung, Huldigungswerke) untermauert wurde, dienten der repräsentativen Außendarstellung. Als sich um 1750 das Herrscherbild wandelte und die Hofkünste als Mittel der R. sukzessive durch das Militär abgelöst wurden, übernahm der Adel, der immer schon die repräsentativen Formen des Herrschers nachgeahmt hatte, die Pflege der Hofkünste (Adelskapellen). Ebenso geschah dies im 19. Jh. durch das erstarkende Bürgertum (bürgerliche Musikkultur, das seinerseits den Adel imitierte, darin jedoch auch eigene Formen entwickelte (z. B. Salon).


Literatur
J. J. Berns/Th. Rahn (Hg.), Zeremoniell als höfische Ästhetik in Spätmittelalter und Früher Neuzeit 1995; R. G. Asch/A. M. Birke (Hg.), Princes, Patronage, and the Nobility 1991; H. Ch. Ehalt, Ausdrucksformen absolutistischer Herrschaft 1980.

Autor(en)
Elisabeth Th. Hilscher
Empfohlene Zitierweise
Elisabeth Th. Hilscher, Art. „Repräsentation‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 17/11/2005]