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Zierer, Zierer, true Franz Joseph (Josef)
* 1822-10-2727.10.1822 Alservorstadt (heute Wien IX), † 1903-05-3030.5.1903 Trattenbach/NÖ (begr. 3.6.1903 Wien, Zentralfriedhof). Lehrer, Kirchenmusiker, Komponist. Vorehelicher Sohn von Josef Z. und Josepha Knoll, erst 1836 durch die Heirat der Eltern legitimiert. Im bäuerlichen Milieu in Altmannsdorf/NÖ (heute Wien XII) aufgewachsen, erteilte ihm der dortige Oberlehrer Joseph Schmidt (Schmid/Schmied) ersten Violin- und Violaunterricht. Im Alter von 12 Jahren unternahm Z. erste Kompositionsversuche, die damals entstandenen Werke (Messe, Tantum ergo, Messeinlagen) gelangten in der Pfarrkirche St. Oswald in Altmannsdorf auch zur Aufführung. Im Gesang sowie im Klavier- und Orgelspiel waren die Pädagogen Adam Aigner und sein Onkel Johann Knoll in Hetzendorf/NÖ (heute Wien XII) erste Lehrer. 1836–41 besuchte Z. die Normalschule zu St. Anna (Wien I), weitere Orgel- und Kontrapunktstudien betrieb er bei F. Volkert und Am. Rieder bzw. bei J. Drechsler (als Studienkollege von Joh. Strauß Sohn) und S. Sechter (angeblich dessen Lieblingsschüler). 1841–53 war er Schulgehilfe, Organist und Regens chori an der K. k. Schlosskapelle in Hetzendorf. Hier gab er auch Privatmusikstunden und wurde u. a. von Erzhzg.in Maria Anna, einer Tochter von K. Franz II./I., gefördert. Ende September 1853 trat Z. als Aushilfsjunge in den Dienst der Hofkapelle ein, 1879 avancierte er zum zweiten Hofkapellendiener der Hofburgkapelle; 1894 pensioniert. Mit L. Eder, J. Greipel, J. B. Ziegler, Fr. Krenn und J. R. v. Herbeck befreundet oder zumindest bekannt, traf Z. 1877 auch mit F. Liszt zusammen, der ihn „als den größten Kirchenkomponisten der Gegenwart“ (Hilscher 1926) bezeichnet haben soll. Rich. Wagner empfahl Z.s Kirchenmusik, die im 19. Jh. weit verbreitet war (bis 1847 sind bereits Aufführungen in Hetzendorf, Altmannsdorf, Inzersdorf/NÖ [Wien XXIII], Laxenburg, Himberg/NÖ, Meidling/NÖ [Wien XII], Hietzing/NÖ [Wien XIII], Lainz/NÖ [Wien XIII], Atzgersdorf/NÖ [Wien XXIII] belegbar) und in Wiener Kirchen häufig gespielt wurde, an den bayerischen Königshof. Die angebliche weitschichtige Verwandtschaft mit C. M. Ziehrer (lt. MGG 1968) kann aktuell nicht belegt werden, seine Tochter Karolina Josefa (* 21.10.1865 Wien, † nach 1926 [Ort?]) wirkte als Klavierlehrerin. Zeitgenössische Kritiken lobten Z.s Werke aufgrund ihrer hervorragend gearbeiteten Kontrapunktik und ihrer klaren melodiösen Strukturen außerordentlich, da sie den Anforderungen echter Kirchenmusik vollkommen entsprechen würden. Seine Messe Nr. 12 in B-Dur (Fugenmesse oder Piusmesse 1857, 1871 Papst Pius IX. anlässlich der 20-jährigen Papstjubiläumsfeier gewidmet) wurde Z.s populärstes und bekanntestes Werk. Bedeutung erlangte auch die 1873 K. Franz Joseph I. gewidmete Messe Nr. 19 in F-Dur (Kaiser-Festmesse), entstanden anlässlich des Silbernen Regierungsjubiläums des Kaisers. Z.s letzte Komposition (beendet am 16.4.1903) war der wohl in Todesvorahnung entstandene Trauergesang für vier- oder sechsstimmigen Männerchor Wie die Glocken düster dröhnen. Seinen musikalischen Nachlass sichtete F. Lange.
Gedenkstätten
Medaillonrelief am Meidlinger Künstler-Gedenkstein (Wien XII, Theresienbadpark; s. Abb.).
Ehrungen
Stipendien von K. Ferdinand I.; Ehrennadel Kg. Ludwigs II. v. Bayern; Große Silberne Medaille von Papst Pius IX. 1871; Ehrenmitglied zahlreicher Gesangvereine.
Werke
über 500 kirchenmusikalische Werke (mind. 21 lat. Messen, 3 Requien, Gradualien u. Offertorien, weitere kleinere Werke), Orgelfugen, Präludienbücher f. Org. (s. Abb.); Königsfest Ouverture f. Orch. (1901), Salonmusik, Klaviermusik (Gratulationsfuge f. K. Kratzl), Märsche, Tänze; Männerchöre (Mein Vaterland, mein Österreich); – Teilnachlass in der WStLB, einzelne Autographe auch in der ÖNB-Musikslg.
Literatur
Ch. Fastl in M. Jahn/K. Petermayr (Hg.), Jahrbuch des RISM-Österreich 2010 [mit Werkübersicht und Aufführungsspiegel der kirchenmusikalischen Werke]; K. Hilscher, Fs. zur Enthüllung des Meidlinger Künstler-Gedenksteines im Theresienbadparke 1926; Dt. Kunst- & Musik-Ztg. 4.6.1881; Reichspost 22.10.1896, 5, 3.6.1903, 9; Neuigkeits-Welt-Bl. 1.3.1903, [13], 3.6.1903, [6]; Neues Wr. Tagbl. 2.6.1903; Das Vaterland 2.6.1903, 3; Dt. Volksbl. 27.10.1902, 2, 28.10.1902, 1f, 20.10.1903, 15; Recensionen über die Compositionen von F. J. Z. vom Jahre 1847 bis zum Jahre 1896, 1896; F-A 1936; Wurzbach 60 (1891), 65; MGG 14 (1968) [Ziehrer, Carl Michael]; Czeike 4 (1995) [Meidlinger Künstler-Gedenkstein]; G. Renner, Die Nachlässe in der WStLB 1993; Fromme 1890, 87f; Fromme 1898, 430; Trauungsbuch 1784–1853 der Pfarre Altmannsdorf (Wien XII), fol. 58; Taufbuch 1820–24 der Alservorstadtpfarre (Wien VIII), fol. 186; Taufbuch 1825–84 der Hofburgpfarre (Wien I), fol. 122; Sterbebuch 1899–1938 der Pfarre Trattenbach, fol. 19; eigene Forschungen (niederösterr. Lehrerschematismen; Nachlass; Kat.e der ÖNB-Musikslg.; verschiedene Wr. Matriken [zur Abstammung und zu einer möglichen Verwandtschaft mit F. X. Zierer und C. M. Ziehrer]

Autor(en)
Christian Fastl
Empfohlene Zitierweise
Christian Fastl, Art. „Zierer, Franz Joseph (Josef)‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 11.10.2021]