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Altenburg
Benediktinerabtei im östlichen Waldviertel (in Niederösterreich). 1144 von Hildburg von Buige (Poigen) gestiftet, in der 1. Hälfte des 18. Jh.s durch Joseph Munggenast (1680–1741) im barocken Stil ausgestaltet. Plünderung der Notenbestände schon zur Zeit der Hussiten- und Schwedeneinfälle, zuletzt im Zweiten Weltkrieg, weshalb eine Darstellung der Musikgeschichte des Hauses nur in groben Umrissen möglich ist. Ein erhaltener Katalog „omnium librorum nostrorum“ aus dem 12. Jh. bestätigt von allem Anfang an eine feierliche Liturgiegestaltung im Rahmen der reichen musikalisch-monastischen Tradition. Für 1362 ist ein „Sanchmeister“ urkundlich nachgewiesen. Der genaue Beginn einer schon frühen mehrstimmigen Musiziertradition ist nicht festzulegen. Auch bleibt ungewiss, inwieweit die häusliche Vokalpraxis von den Einschränkungen der Melker Reform (ab 1418) hinsichtlich klösterlichen Knabengesangs betroffen war. Die Hussitenchronik über die „damna monasterii“ im Jahre 1427 berichtet u. a. von der Zerstörung einer kostbaren Orgel. Von nun an fehlen jegliche Quellen zur Musikpflege des Hauses für mehr als 230 Jahre. Die wirtschaftliche Konsolidierung nach dem 30-jährigen Krieg bringt allmählich musikalischen Aufschwung: Ab dem späteren 17. Jh. geben in Folge über 20 geistliche Regentes chori der Abtei musikalisches Profil (als erster namentlich bekannter P. R. Schlagnhauffn, um 1662); Hauspoeten und -komponisten schaffen Texte und Musik, man führt zwei Chöre (Choral- und Figuralchor) und unterhält Beziehungen u. a. zu den Piaristen in Horn, bei deren Schulcomoedien die A.er Sängerschule mitwirkt. Die 2. Hälfte des 18. Jh.s bildet eine musikalische Blütezeit: Aufführungen liturgischer und oratorischer Werke der großen Epochenmeister sind belegt; unter dem als Organisten hochgelobten P. Maximilian Merkl baut A. Pfliegler 1773 in der Stiftskirche die große Orgel. Das anonyme, wahrscheinlich im Zuge des Orgelneubaus verfasste A.er Orgelmanuskript, eine aufschlussreiche Schrift über Orgelpflege, wird Merkl zugeschrieben. Bald nach 1810 verebbt infolge aufklärerischer Rationalisierung und jahrzehntelanger Noviziatssperren eine reichhaltige musikalische Haustradition. Ab den 1840er Jahren übertrug man die musikalische Gestaltung der Liturgie dem bis heute fortbestehenden Ortskirchenchor. 1961 wurde die alte Sängerknabentradition wiederbegründet. Leopold Friedl (1939–98), Stiftskapellmeister durch 25 Jahre, formte den Chor, der als 4-stimmige Kantorei in Erscheinung tritt, zu einem Jugendklangkörper internationalen Formats (zahlreiche Konzertreisen, bemerkenswerte Tonträger); er profilierte sich auch als Organist und fruchtbarer Komponist. Von 1988–2001 war P. Hrncirik als Stiftskapellmeister tätig. Er konnte das Renommee des Chors (ca. 40 Zöglinge zwischen 9 und 18 Jahren) in internatspädagogisch schwierigen Zeiten aufrechterhalten. Hrncirik, der auch als Komponist tätig ist, ist die liturgische Orgelkunst ein besonderes Anliegen. 2002–04 hatte Hannes Fromhund das Sitftskapellmeisteramt inne, 2005–15 folgte ihm Markus Pfandler-Pöcksteiner, seit 2015 leitet Martin Wadsack den Chor. Das internationale Kammermusikfestival Allegro Vivo findet seit 1979 in A. sommersaisonale Heimat. Seit 1987 finden die Sommerspiele Stift A. statt, bei denen 2009 erstmals ein Musical (Godspell, M: Stephen Schwartz, T: John Michael Tebelak) zur Aufführung gelangte.
Literatur
B. Naber in SK 13 (1966); K. Schütz, Der Wiener Orgelbau in der 2. Hälfte des 18. Jh.s, Diss. Wien 1969; H. Haselböck, Barocker Orgelschatz in Niederösterreich 1972; A. Forer, Orgeln in Österreich 1973; M. Toeda, Handschriftlich überlieferte Choralschulen des 19. Jh.s in Österreich, Diss. Wien 1988; D. Hotz, Festspiele in Niederösterreich 1945–2009, 2010; www.stift-altenburg.at (9/2015).

Autor(en)
Peter Hrncirik
Empfohlene Zitierweise
Peter Hrncirik, Art. „Altenburg‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 23/09/2015]