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Ansingen
Kategorie der Volksmusikforschung, v. a. im Zusammenhang mit Heischebräuchen zur Weihnachts- und Neujahrszeit (sog. anfrümmen). Dies ist zwar zutreffend, aber eine unnötige Verengung. Das Wort A. stellt nicht nur eine mögliche Parallele zu ansagen = ankündigen dar oder bedeutet intransitiv anfangen zu singen, sondern auch transitiv mit Gesang grüßen oder feiern. Daher ist diese Kategorie nicht auf volkstümliches Brauchtum beschränkt, sondern zu vielen Gelegenheiten (z. B. auch bei Hochzeiten, Dachgleichen) und auf verschiedenen Stilisierungsebenen belegt, z. B. seit dem 15. Jh. als A. hoher Persönlichkeiten mittels eigener Huldigungsmotetten oder anderer mehrstimmiger Gesänge durch Schüler (meist angeführt von einem Schulmeister), von geistlichen Würdenträgern (z. B. Äbten) anlässlich von Namens- oder Jahrtagen durch auswärtige Musiker oder Mitglieder der eigenen Kommunität (Kloster) u. ä. Daher können fallweise auch besonders im Spätbarock übliche Gelegenheitsopern, -kantaten und Applausus sowie bis heute gepflogene Ständchen hier zugeordnet werden. Schließlich wäre dem auch das Anspielen in diversen Gast- und Vergnügungsstätten oder beim Heurigen an die Seite zu stellen. Dabei wird der Übergang vom Aspekt des Ehrens zur Entlockung einer Belohnung besonders augenfällig.
Literatur
J. und W. Grimm, Wörterbuch 1854; W. Deutsch, Das alpenländische Liederbuch 1981; DTÖ 147/8 (1990); K. Wehrhan, Kinderlied und Kinderspiel 1909; V. v. Geramb, Deutsches Brauchtum in Österreich 1924 (u. ö.) 7, 82; H. J. Moser, Tönende Volksaltertümer 1935; H. M. Wolf, Das BrauchBuch 1992; W. Deutsch et al., Das Volkslied in Österreich 1993; Strohm 1993; MGÖ 2 (1995).

Autor(en)
Rudolf Flotzinger
Empfohlene Zitierweise
Rudolf Flotzinger, Art. „Ansingen‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 25/05/2001]