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Brauch
Gestaltungsprinzip weiter Bereiche des sozialen Lebens in seinen mannigfaltigen kulturellen Ausprägungen; z. B. Umzüge, Volksfeste, Familienbräuche, Arbeitsbräuche, die festlich-feierliche Begehung von besonderen Anlässen und Gedenktagen im Kirchen- wie Kalenderjahr, aber auch Gruppen- und Vereinsbräuche. B. „erfordert eine bestimmte Regelmäßigkeit und Wiederkehr, eine den B. ausübende Gruppe, für die dieses Handeln eine Bedeutung erlangt, sowie einen durch Anfang und Ende gekennzeichneten Handlungsablauf, dessen formale wie zeichenhafte Sprache der Trägergruppe bekannt sein muß“ (Bimmer). Die traditionelle Einteilung nach Bräuchen im Lebens- und im Jahreslauf hat sich als praktisch erwiesen, doch ergeben sich in der modernen B.-Forschung andere und aussagekräftigere Zusammenhänge, wenn Bräuche als soziales Handeln oder auch als Kulturgebärde, als „sinnliche Verpuppung eines kulturellen Substrats“ (Scharfe) interpretiert werden. Bräuche bilden oft den Kontext, in dem Volksmusik vollzogen wird. Das gilt insbesondere für den großen Bereich des Tanzbrauchtums zu vielen Anlässen, der Ansingelieder (z. B. Anklöckeln im Advent, Weihnachts-, Neujahrs-, Dreikönigs-, Lichtmess- und Florianisingen), der Andachts-, Wallfahrts- und Totenlieder, des Volksschauspiels, des Ständchens und der Ehrenmusik, der Umzugsmusik, des rituellen Lieder- und Gstanzlsingens (Brautabschiedslieder der burgenländischen Kroaten, feierliches Eröffnungslied zum Kirchtagtanz im Gailtal/K, Gstanzln zum „Kranzlabtanzen“ bei der Hochzeit im Lavanttal/K oder beim Hütereinzug in Perchtoldsdorf u. a. m.), des Rügegerichtes und der „Veröffentlichung“ (z. B. beim Ausseer Fasching, beim Scheibenschlagen im Vinschgau/Südtirol). Viele Bräuche werden von prämusikalischen Formen wie Peitschenknallen (z. B. Aperschnalzen), Glockengeläute (z. B. Scheller und Roller der Tiroler Fasnacht), Ratschen (Ratscherbuben in der Karwoche) u. a. m. begleitet. Manche arbeitsbegleitenden Klänge ertönen in lustvoller Übersteigerung zum Arbeitsanfang oder -abschluss: rhythmisiertes Peitschenknallen beim Almauf- oder -abtrieb, wo man den Kühen auch besonders schöne Glocken gibt, Trommeln mit diversen Arbeitsgeräten beim Abschluss des Hauens im Weingarten, bei der Gleichenfeier u. a., „Juchzen“ bei Arbeiten im Freien, wenn ein Teilabschnitt vollendet ist, „Stoaßabschreien“ im Lungau/Sb, wenn der Mäher oben am Hang angelangt ist (vgl. Deutsch; Haid/Haid).
Tondokumente
TD: G. Haid/H. Haid, Musica Alpina 3–4 (1999); Feldforschungsdokumente im Österreichischen Volksliedwerk und im Institut für Volksmusikforschung, Wien.
Literatur
W. Deutsch (Hg.), Lungau-Report 1975 (vervielfältigt); O. Moser/L. Kretzenbacher in W. Deutsch et al. (Hg.), Volksmusik in Österreich 1984; A. C. Bimmer in R. W. Brednich, Grundriß der Volkskunde 1988; M. Scharfe, Brauchforschung 1991; G. Haid (Hg.), Kärnten und seine Nachbarn – Brauchlied 2000; Th. Nußbaumer/J. Sulz (Hg.), Musik im B. der Alpenländer 2000 [mit CD].

Autor(en)
Gerlinde Haid †
Empfohlene Zitierweise
Gerlinde Haid †, Art. „Brauch‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 25/05/2001]