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Azione (Festa) teatrale
Frühe Bezeichnung für musikdramatische Gattungen. Die schon im 17. Jh. am Kaiserhof üblichen Bezeichnungen mancher Libretti als „Festa musicale“ und „Festa teatrale“ weisen auf den Festcharakter hin, den Opernaufführungen dort überhaupt hatten. Sie wurden zwischen 1671 und 1697 vom Hofpoeten N. Minato ohne erkennbaren Unterschied für einaktige Opern mit Szeneneinteilung und meist nur einem einzigen Bühnenbild eingesetzt, deren Stoffe nicht von denen der „Drammi per musica“ in drei Akten abweichen. Die wenigen Ausnahmen von diesem Typus sind: F. Sbarras „Festa teatrale“ Il Pomo d’Oro in Prolog und fünf Akten, für die kaiserliche Hochzeit 1666 gedacht, aber erst zum Geburtstag der Kaiserin 1668 mit Musik von A. Cesti aufgeführt, auf zwei Tage verteilt; La Conquista del Vello d’Oro, eine dreiaktige „Festa teatrale“ zu einer weiteren Hochzeit 1678; Le Varietà di Fortuna in L. I. Bruto, eine „Festa musicale“ ebenfalls in drei Akten zum Geburtstag der Kaiserin 1692.

Zur Zeit Kaiser Karls VI. nannte der Hofpoet P. Pariati seine kleinen mythologischen Opernlibretti zum Geburtstag der Kaiserin „Festa teatrale per musica“; diese Bezeichnung übernahm mit den Aufträgen zu diesem Anlass ab 1726 der Librettist G. C. Pasquini. Auch P. Metastasio nannte seine Wiener Libretti dieses Typus' für den Geburtstag der Kaiserin (seit 1731) so, aber auch die zweiteilige Hochzeitsoper Partenope (1767, M: J. A. Hasse). Aus diesen Jahrzehnten sind nur zwei „Feste teatrali“ in drei Akten bekannt, Angelica, Vincitrice di Alcina zur Geburt eines Erzhzg.s 1716 und Costanza e Fortezza zum Geburtstag der Kaiserin in Prag 1723, beide von Pariati für die Vertonung durch den Hofkapellmeister J. J. Fux verfasst und unter freiem Himmel gespielt.

Wesentlich seltener und erst spät begegnet die Bezeichnung „Azione teatrale“, die offenbar Metastasio in Italien (Neapel 1721) kreiert und in Wien weiter gepflegt hat. Als Vorläufer kann man die„Azzione da rappresentarsi in musica“ (eine 1651 zum Geburtstag Kaiser Ferdinands III. durch allegorische und mythologische Personen vorgetragene Huldigung in drei kurzen Akten mit einem Fußturnier und einem abschließenden Ballett) und die ebenfalls dreiaktige „Azzione scenica“ Temistocle von A. Zeno (1701) ansehen, ebenso die Azioni sacre, wie Sepolcri seit 1665 gelegentlich, v. a. von Sbarra und P. Pariati, genannt wurden. Metastasio meinte mit „Azione teatrale“ aber eine atypische Spielform der Serenata mit meist wenigen mythologischen Personen und szenischer Darstellung, jedoch ohne Szeneneinteilung. Aufführungsanlass war gewöhnlich der Geburtstag des Kaisers, auf dessen Huldigung die kurze Handlung hinausläuft.


Literatur
F. Hadamowsky in Jb. der Gesellschaft für Wiener Theaterforschung 1951/52, 1955; H. Seifert in StMw 29 (1978); Seifert 1985; NGroveDO 1 (1992), 2 (1992), 169; MGG 1 (1994).

Autor(en)
Herbert Seifert
Empfohlene Zitierweise
Herbert Seifert, Art. „Azione (Festa) teatrale‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 25/05/2001]