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Banda
Volkstümliche Bezeichnung für Musikgruppen. Die österreichische Militärmusik stellte mit ihren prachtvollen Uniformen und dem weithin klingenden Spiel von jeher eine optisch-musikalische Attraktion dar und bot zahlreiche Sujets für Malerei, Literatur, Film und Musik. Die Deutschmeister (IR 4) etwa wurden nicht erst durch E. Marischkas Film (1955) populär, sondern zählten wie die „Wäschermädl“, mit denen sie zum „Fünfkreuzertanz“ gingen, seit langem zu den beliebtesten Wiener Volksfiguren. Unverkennbar in ihrer Uniform (blaue Hose mit blauen Aufschlägen) fanden sie geradezu toposartig Eingang in zahlreiche Wienerlieder. Mit dem Ruf „D' Banda kommt“, (gleichnamiges Lied von C. Lorens) begrüßte „groß und klein“ den Auftritt der Militärmusikkapellen, die für willkommene Abwechslung im Alltagsleben sorgten und die (in der Zeit vor Erfindung des Grammophons) begehrte Live-Musik von hoher Qualität darboten, sei es bei Paraden oder Konzerten (E. Hanslick: „Es gibt keinen Kunstgenuß, der in so hohem Grade demokratisch heißen kann, als das Spiel der Regimentsbanden. Da darf jeder teilnehmen ohne Eintrittsgeld und Salontoiletten“). Tatsächlich befand sich im Gefolge stets ein Troß von begeisterten Schusterbuben, Pülchern etc., die den Auftritt der Kapelle nicht zuletzt deshalb zu einem Ereignis werden ließen, weil sie ihre „Tanz“ pfiffen und „den höchsten Pflanz“ rissen, d. h. Witze machten.

Das Wort „B.“, das im offiziellen Sprachgebrauch der Armee ab 1851 nicht mehr als Bezeichnung für die Militärkapelle verwendet wurde, hielt sich als liebevoller, volkstümlicher Spitzname für die Regimentskapelle. Aus dem Italienischen kommend, verstand man ursprünglich darunter eine kleine Truppe, die unter der „bandiera“ (Fahne) eines Edelmannes, Bischofs oder einer Stadt in den Krieg zog. Später agierte eine sog. „banda“ in Venedig und in Rom als kleines, bunt kostümiertes Orchester, das auf der Opernbühne in die Handlung eingriff. Die Ungarn verwendeten den Ausdruck zunächst für ihre höchstens 50 Mann starken Reitertruppen, dann für die Zigeunerkapelle. In Wien wurde der Begriff zur Zeit Maria Theresias für die Militärkapellen eingeführt, vermutlich weil sie bunt gekleidete, musizierende Truppen waren. Unter diesen Sammelbegriff fiel auch die „Burgmusik“: Im Zuge der mittäglichen Wachablöse der im Leopoldinischen Trakt der Hofburg untergebrachten Burgwache gab eine Militärmusikkapelle ein kleines Konzert, das als „Burgmusik“ zahlreiche Zuhörer anlockte. Edmund Skurawy lobte noch 1925 den „Burgmurrer“ als Wiener Spezialität und betonte, dass es dem Publikum keineswegs einerlei war, ob nun die „Zweiunddreißiger“, die „Fünfundsiebziger“ oder die „Vierundachtziger“ und „Edelknaben“ mit ihrer Musik aufzogen, immerhin hatte man seine Favoriten.


Werke
„D’ Banda kommt!", Marsch-Couplet (M: Th. F. Schild, T: C. Lorens).
Literatur
Czeike 1 (1992); E. Skurawy in Extrablatt 30.8.1925; St. Vajda, Mir san vom k. und k... Die kuriose Geschichte der österreichischen Miltärmusik 1977; VLA NÖ-Wien C 79/57.

Autor(en)
Gertraud Pressler
Empfohlene Zitierweise
Gertraud Pressler, Art. „Banda‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 25/05/2001]