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Militärmusik
Einerseits die beim Militär verwendete/gespielte Musik, andererseits militärische Musikformationen (ältere Bezeichnungen: Feldmusik, Regimentsmusik). Bereits seit dem Mittelalter sind Quellen über die Verwendung von Musik im militärischen Bereich bekannt, wobei einerseits das Signalblasen bei der Schlacht (meist mit einem Horn, Olifant oder Hifthorn), andererseits M. als Mittel der Repräsentation (Trompeter und Pauker gemeinsam mit den Herolden, Heertrompeter und -pauker) erwähnt werden. Durch die Einführung des Landsknechtheeres (Infanterie) neben dem Reiterheer (Kavallerie, bis zu deren Ende eine Domäne des Adels) unter Maximilian I. und die Ausdehnung der Heergrößen, kam es auch zu einer Differenzierung der M.: Trompete und Pauke blieben der Kavallerie vorbehalten bzw. waren als imperiale Zeichen dem Herrscher bzw. dem Fürsten vorbehalten, während Trommel (kleine zweifellige Militärtrommel) und Pfeife (kleine Querflöte = Schwegel, Feldpfeife, Militärpfeife) ab dem 16. Jh. das sog. (Feld-)Spiel bildeten und die Infanterie bei langen Märschen ermuntern sollten bzw. im Lager der Unterhaltung dienten. Wie die Trompeter, die zünftisch organisiert und ab Karl V. mit besonderen Privilegien ausgestattet waren und ihre Signale aus Gründen der Geheimhaltung nur mündlich tradierten, waren auch Trommler und Pfeifer organisiert, konnten jedoch nie das Ansehen der Heertrompeter und -pauker erlangen. Während des 30-jährigen Krieges kam es zu einem Aufschwung der M. (u. a. Erneuerung der Privilegien für Trompeter und Pauker durch Ferdinand II. 1623, erneuert 1630); während in deutschen Heerlagern erstmals Trompeter und Pfeifer gemeinsam musizierten, fand eine solche Vermischung im österreichischen Raum wahrscheinlich nicht statt.

Im Barock wurde das Signalblasen (neben der eigentlichen militärischen Aufgabe im Feld) immer mehr auch für repräsentative Zwecke verwendet (zur Tafel, Stundenblasen, Signalblasen bei offiziellen/höfischen Anlässen), wobei sich in Stärke und Ausstattung des Trompeterkorps das Ansehen seines Besitzers widerspiegeln sollte; Pfeifen und Trommeln blieben hingegen in ihrer Funktion bei den Truppen. Obwohl schon erste Übernahmen „türkischer“ Musik durch die Kreuzzüge im Mittelalter erfolgt waren (u. a. die Langtrompeten bzw. kleinen Pauken), kam es erst durch die Türkenkriege des 17. und 18. Jh.s zu einer Rezeption der Janitscharenmusik, deren spezielles Instrumentarium (Trompeten, Schalmeien, Becken, Schellenbaum, Pauken) sich als Türkische Musik bald großer Beliebtheit erfreute (Letztere hatte keine Feldfunktion, sondern wurde vorwiegend zu repräsentativen Zwecken eingesetzt). Gegen Ende des 18. Jh.s trat neben die Trompeter und Pauker, Pfeifer und Trommler sowie Türkische Musik die sog. Harmoniemusik (auch Feldmusik genannt), die bald das alte Spiel mit Trommel und Pfeife ersetzte. Im österreichischen Raum bestand die M. zu Beginn des 19. Jh.s zumeist aus einer Feldmusik und einer Türkischen Musik (Letztere den Infanterieregimentern zugeordnet); Trompeter und Pauker hatten mit Ende des Barock ihre wichtige repräsentative Funktion verloren und wurden zunehmend auf ihre ursprüngliche Aufgabe im Feld bzw. im engeren militärischen Rahmen (Signalblasen) zurückgedrängt.

Mit der Aufwertung des Heeres nach den Napoleonischen Kriegen und durch die Gründung des österreichischen Kaiserreiches 1804 kam es auch zu einem Aufschwung der M., die zu einem wichtigen Kulturträger und -vermittler im gesamten Bereich der Monarchie wurde. Neben der militärischen Blasmusik (Militärmusikkapelle) unterhielten die meisten Regimenter auch Salon- bzw. Symphonieorchester, besorgten die Musik bei Bällen, Theateraufführungen, in Kurkonzerten und verbreiteten (oft in Bearbeitungen durch die lokalen Regimentskapellmeister) die gängigen Opern-, Operetten- oder Walzermelodien. Auch die kompositorische Eigenleistung der Militärkapellmeister war beachtlich; deren Märsche bilden bis heute (2004) weitgehend das Repertoire der militärischen wie zivilen Blasmusikkapellen. Bereits nach seiner Pensionierung wurde A. Leonhardt beauftragt, die M. zu reorganisieren und zu vereinheitlichen. Die 1851 durchgeführte Reform setzte die Größe und Besetzung der Banda fest (48 Musiker für Infanterie, 24 bei Jägern und Kavallerie), legte einheitliche Signale und Standards für die Musikerausbildung fest. Die Kapellmeister hatten Offiziersrang, wurden vom jeweiligen Regiment angestellt und trugen eine besondere Uniform.

Nach dem Zerfall der Donaumonarchie kam es mit der Reduktion des Heeres auch zu einem Einbruch in der M.pflege, doch wurde im wesentlichen an den Standards betreffend Besetzung und Signale der Monarchie festgehalten und ebenso das Repertoire weitergepflegt. Auch das Österreichische Bundesheer hält an diesen Traditionen fest und verfügt bei den Militärkommanden jedes Bundeslandes über eine M.kapelle, die meist durch andere Ensembles (Salonkapellen, Big Band) ergänzt wird; Kern der M. in Österreich ist die Gardemusik Wien, die auch bei allen offiziellen Anlässen der Republik zum Einsatz kommt, aber in der alten Tradition ebenfalls als Symphonieorchester (u. a. jährlich im Konzerthaus) bzw. als Salonorchester bei diversen Bällen in Erscheinung tritt.


Literatur
MGG 6 (1997); ÖL 1995; Brixel/Martin/Pils 1982; E. Rameis, österr. M. von ihren Anfängen bis zum Jahre 1918, ergänzt v. E. Brixel 21978; A. Freundesberger, Beiträge zur Kulturgesch. der österr. M. von 1851 bis 1918, Diss. Wien 1986; NGroveD 16 (2001).

Autor(en)
Elisabeth Th. Hilscher
Empfohlene Zitierweise
Elisabeth Th. Hilscher, Art. „Militärmusik‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 07/07/2004]