Logo IKM
OeML Schriftzug
Logo OeML
Logo Verlag

Kwapil, Kwapil, true Johann Wenzel
26.5. [nicht: 3.] 1822 Wien, † 1907 -02-2424.2.1907 Wien. Volkssänger. Der Sohn eines mährischen Schneiders begleitete schon früh seinen blinden Bruder Anton Georg (* ca. 1812 Wien), der als Harfenist in verschiedenen Wirtshäusern tätig war, zu dessen Auftritten, wodurch er in Kontakt mit der Volkssängerszene kam. Selbst hatte er ebenfalls das Harfenspiel von Leopold Bürger erlernt. Angeblich war er schon 1829 in der Gesellschaft Seitz und Bieber in Knabenrollen aufgetreten. Während seiner Ausbildung zum Schneider sprang K. im Februar 1834 erstmals in der Gesellschaft J. B. Moser ein. Nach Abschluss seiner Lehre war er zunächst Diener und ging mit seinem Arbeitgeber einige Monate nach London. Nach dem Tod seines Vaters im Juni 1839 wieder zurück in Wien, betätigte er sich hauptberuflich als Volkssänger, ab Anfang der 1840er Jahre mit eigener Gesellschaft. Am 21.8.1850 heiratete er die Schuheinfasserin und Volkssängerin Anna Schanda (* 7.4.1820 Wien, † 7.4.1902 Wien), die in seiner Gesellschaft mitwirkte. Ab 15.8.1852 war J. Matras für einige Zeit sein Partner, Ende 1854 debütierte J. Fürst in seiner Gesellschaft, auch J. Modl gab hier sein Debüt. 1853–62 war K. außerdem Direktor des Brigittenauer Vergnügungsetablissements Universum. Mit J. Schmer gründete er dann eine Sängertruppe, die Tourneen durch Österreich, Italien und Ungarn unternahm. Nach seiner Rückkehr nach Wien erhielt K. eine Singspielhallen-Konzession, die ihm in den 1880er Jahren aufgrund von Konzessionsüberschreitungen wieder entzogen wurde. In der Folge arbeitete er wieder als Volkssänger, Ende Oktober 1889 wurde der Konkurs über ihn verhängt. K. trat aber weiterhin als Volkssänger auf, galt schon Mitte der 1890er Jahre als der älteste Wiener Volkssänger. In seiner Gesellschaft sangen zuletzt Lina Ott und Carl Hutter. Seinen endgültigen Abschied vom sog. „Brettl“ nahm K. erst im April 1902. Nach dem Tod seiner Frau heiratete er 1904 erneut und lebte zuletzt v. a. von Unterstützungen verschiedener Vereinigungen. Er war Mitbegründer des Allgemeinen Wiener Volkssänger-Krankenvereins und erster Vorstand des Wiener Volkssängervereins.
Literatur
Czeike 3 (1994); ÖBL 4 (1969); J. Koller, Das Wr. Volkssängertum in alter und neuer Zeit 1931; Wr. Bilder 12.11.1899, 10; Neues Wr. Journal 31.3.1895, 7, 28.3.1897, 17, 25.2.1907, 4; Die Presse 27.10.1882, 10; NFP 1.11.1889, 5; Neues Wr. Abendbl. 8.4.1902, 3; Dt. Volksbl. 25.2.1907, 5; Illustrirtes Wr. Extrabl. 10.4.1902, 7, 24.4.1902, 5; Neues Wr. Tagbl. 27.2.1907, 10; Illustrierte Kronen-Ztg. 25.2.1907, 8f; Neuigkeits-Welt-Bl. 27.2.1907, 10; Wr. Ztg. 1.7.1839, 928; 18.7.1865, 122; 2.12.1865, 1003; 5.11.1889, 712; Taufbuch der Pfarre St. Michael (Wien I) 1804–1824, fol. 233; Trauungs-Buch der Pfarre Altlerchenfeld (Wien VII) 1846–1850, [1850] fol. 29 u. 1838–1843, fol. 195.

Autor(en)
Monika Kornberger
Uwe Harten
Empfohlene Zitierweise
Monika Kornberger/Uwe Harten, Art. „Kwapil, Johann Wenzel‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 24/01/2017]