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Schwerttanz
Gehört zu den Waffentänzen, die es wahrscheinlich auf der ganzen Welt gibt. Die europäischen Sch.e unterscheiden sich von vielen anderen jedoch dadurch, dass die Schwerter gar nicht als Waffen verwendet werden, sondern als Verbindungsglieder, um eine Tänzerkette herzustellen („Ketten-Sch.“). Jeder hält sein Schwert und fasst mit der anderen Hand die Schwertspitze des Vordermannes; ohne die Fassung zu lösen, verschlingt und entwirrt sich der Kreis im Lauf des Tanzes im Sinne eines phantastischen Linienspiels, was an die Aufmerksamkeit und Beherrschtheit der Tänzer höchste Anforderungen stellt. Sch.e werden nur von Männern, u. zw. von Angehörigen bestimmter Gruppen, in einer dem jeweiligen Stand entsprechenden Tracht ausgeführt. Sie sind seit dem Ende des 14. Jh.s bei verschiedenen Berufsgruppen in den europäischen Städten nachzuweisen, wo ihr Auftreten mit der Ausbildung einer städtischen, ständisch differenzierten Kultur (Gilden, Zünfte) zusammenfällt, darüber hinaus bei den Bergknappen und den Salzschiffern, bei Schülern und bei bäuerlichen Burschenschaften. Ihr hauptsächliches Verbreitungsgebiet reicht von den Britischen Inseln, den Niederlanden und Flandern über Frankreich und den deutschen Sprachraum bis Italien und Kroatien sowie nach Spanien, zu den Basken und nach Portugal. Die älteste Nachricht aus Österreich ist ein Rechnungsbuch des Stiftes Göttweig, in dem am 10.2.1504 Ausgaben für einen„swertdancz“ (wahrscheinlich der Kremser Kürschner) aufscheinen; die Messerschmiede von Wiener Neustadt werden ab 1568 aktenkundig. Weitere Belege stammen u. a. von den Bergknappen in Sterzing (Vipiteno/I) (ab 1536), Hallein/Sb (ab 1586) und Gastein (ab 1632), von den Salzschiffern in Laufen-Oberndorf/D (ab 1538) sowie aus Brixen (Bressanone/I) (1542), Kitzbühel/T (ab 1568), Hötting/T (ab 1609), Salzburg (ab 1601) oder Langenlois/NÖ (1642). Sch.e wurden zu den betreffenden Jahrtagen und bei besonderen Anlässen, hauptsächlich im Fasching und bei Anwesenheit hochgestellter Persönlichkeiten, vorgeführt, wofür um Erlaubnis anzusuchen war. Die Bergknappen von Rauris/Sb hielten am 23.9. (Vorabend von Ruperti) 1691 trotz eines allgemeinen Tanzverbotes ihren Sch. ab, weshalb die beiden Rädelsführer in Eisen und Banden nach Salzburg geführt und bestraft wurden. Der Sch. von Aussee wurde 1808 zu Ehren Erzhzg. Johanns aufgeführt, was dieser dazu benützte, ihn aufzeichnen zu lassen. 1814 kennen wurde anlässlich eines Besuches des K.s Franz im Salzkammergut auf dem Hallstättersee „auf einer über 2 grosse Schiffe verfertigten Bühne von eigens hiezu besonders gekleideten Knaben unter besonderer Musik der sog. Sch.“ aufgeführt. In der rezenten Feldforschung wurden in Österreich an die 30 Sch.-Formen dokumentiert. Einige wenige standen zu Beginn des 20. Jh.s noch in ungebrochener Überlieferung, wie ein bäuerlicher aus dem Innviertel/OÖ (sechs Männer in weiß-roter Gewandung mit Bartmaske und Holzschwertern), jener aus Ebensee/OÖ (zehn Tänzer) und jener der Bergknappen vom Dürrnberg bei Hallein (16–24 Tänzer in weißer Knappentracht mit roter Schärpe), wobei letzterer ohne Unterbrechung bis heute (2005) lebendig ist (wiewohl die Grube 1989 geschlossen wurde), während andere Sch.e im 20. Jh. nach alten Vorlagen revitalisiert wurden und heute von Volkstanzgruppen und Trachten- und Brauchtumsvereinen aufgeführt werden. Choreographisch besteht der Ketten-Sch., der dem Reiftanz verwandt ist, aus einer Reihe von Figuren: Einleitungsfiguren mit einfachen Schritten und Sprüngen, Brückenfiguren im Mittelteil, bei denen die Tänzer über die Schwerter springen oder unter den Schwertern hindurch müssen, und das Schwertgeflecht zum Abschluss, auf dem dann meist ein Vortänzer, eventuell mit Fahne, zu stehen kommt. Der Sch. er Dürrnberger Bergknappen hat z. T. die ältere bildfreie Gestik aufgegeben zugunsten bildhafter Darstellungen aus der Bergwerksarbeit. Zur Begleitung der Sch.e spielten früher Schwegeln und Trommeln (in Laufenbach/OÖ nur eine Trommel), die später durch Musikkapellen (Blasorchester) ersetzt wurden. So ist bereits 1770 bei einer Vorführung in Stadl Paura/OÖ die Rede von einer „fürtreflichen türkischen Musik (vgl. Bauer 1988, 697). Eine Reihe von Sch.en wurden und werden durch Reimspiele (Hereinrufungsspiele) ausgestaltet. In ihnen ist meist der „Schalksnarr“ die wichtigste Figur, der getötet, wiedererweckt und scherzhaft rasiert oder dem ein Zahn gezogen wird.
Literatur
Lit (alphabet.): W. Bauer in Wörterbuch der Bairischen Mundarten in Österreich, 26. Lieferung 1988 [Tanz]; K. Fillafer in Salzburger Volkskultur 23/2 (1999); F. J. Fischer in JbÖVw 14 (1965); G. Haid in Sänger- u. Musikantenzeitung 22 (1979); In Familie und Gesellschaft 005 (CD-ROM); Beiträge v. U. Kammerhofer-Aggermann, A. Kromas, M. Omahna u. J. F. Schatteiner in U. Kammerhofer-Aggermann (Hg.), Bergbau. Alltag und Identität der Dürrnberger Bergleute und Halleiner Salinenarbeiter in Gesch. u. Gegenwart 1998; F. Kirnbauer in Das dt. Volkslied 37 (1935); F. Kurz in Salzburger Volkskultur 18/2 (1994); I. Peter in JbÖVw 3 (1954); O. G. Schindler in JbÖVw 22 (1973); A. Schlossar, Oesterr. Cultur- u. Literaturbilder mit besonderer Berücksichtigung der Steiermark 1879, 172–196; R. Wolfram in Wr. Zs. f. Volkskunde 37 (1932); R. Wolfram, Sch. u. Männerbund 1936/37; R. Wolfram, Die Volkstänze in Österreich und verwandte Tänze in Europa 1951; R. Wolfram, Der Sch. 1955; R. Wolfram in Österr. Volkskundeatlas, 5. Lieferung 1974, Bl. 87; R. Wolfram in JbÖVw 32/33 (1984); R. Wolfram in Der Heimatpfleger 12/4 (1995); www.swordspectacular.org (6/2005).

Autor(en)
Gerlinde Haid †
Empfohlene Zitierweise
Gerlinde Haid †, Art. „Schwerttanz‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 06/05/2001]