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Thesselius, Thesselius, true Johannes
* --zw. 1580/90 Erfurt?/D, † --1643 1643 Hermannstadt/Siebenbürgen (Sibiu/RO). Musiker und Komponist. Wird in einigen Quellen als Erphordiensis bezeichnet, weitere Details zur Abstammung und Musikausbildung (wohl noch in Erfurt) bleiben im Dunkeln. Eine Hofrechnung von 1604 bezeugt, dass er sich – offenbar erfolglos – als Musiker am hessischen Hof bewarb. Im Sommersemester 1605 immatrikulierte er sich an der Univ. Leipzig/D. Aus dieser Zeit stammt sein erstes überliefertes Werk (Carmen musicum, eine Gelegenheitskomposition anlässlich der Heirat eines Univ.-Prof.s). Hier könnte er auch in Verbindung mit Seth Calvisius, Kapellmeister der Univ.skirche, gestanden haben. Unklar ist, wann Th. Leipzig verließ. 1609 publizierte er in Nürnberg/D eine Sammlung fünfstimmiger Instrumentalmusik Newe Liebliche Paduanen Intraden und Galliarden, „auff allerley Instrumenten zu gebrauchen“, die er Karl Jörger zueignete, in dessen Dienst er damals in Aschach bei Linz als Musiker stand. Laut seinem Vorwort „hab ich dise meine neue geringfügige Paduanen, Intraden unnd Galliarden, auff alle modos (wie man sie pfleget vor E. G. Tafel zu Musiciren) gesetzt vnd verfertiget.“ 1615 veröffentlichte er in Wien ein weiteres Werk, Tricinia Sacra. Nicht dokumentiert ist, wie lange Th. bei Jörger blieb. Da K. Jörger im Oktober 1620 als Führer der oberösterreichischen Protestanten verhaftet wurde und 1623 in Gefangenschaft verstarb, könnte Th. höchstens bis etwa 1620 oder kurz danach bei ihm gedient haben. Da er im September 1625 von Wien nach Siebenbürgen übersiedelte, lässt sich vermuten, dass er sich inzwischen weiter in Österreich aufgehalten hat. Th. wurde für das Amt des „capellae magister“ des Fürsten Gabriel Bethlen nach Siebenbürgen geholt. Mangels Quellen des Fürstenhofes kann man seine Anwesenheit am Hof nach dem März 1626 nicht belegen. Da er jedoch bis zu seinem Lebensende in Siebenbürgen blieb, lässt sich vermuten, dass er zumindest bis zum Tode Bethlens Ende 1629 am Fürstenhof diente. Nach Aussage des verlässlichen siebenbürgischen Chronisten Georg Kraus hat Th. „ihn die Hermannstadt geheuratet vnd [ist er] Anno 1643 alda gestorben, welches Söhne vnd haeredes iezunder burger der Stadt sein.“ Ob Th. tatsächlich als Organist der evangelischen Kirche von Hermannstadt wirkte, wie der Heimatforscher Franz Xaver Dressler vermutete, bedarf noch der Klärung.

Th.’ Newe Liebliche Paduanen sind eine recht frühe Veröffentlichung in der Reihe ähnlicher zeitgenössischer Sammlungen von Tanzsätzen wie Paduana, Galliarda, Intrada, Courante usw. Diese seine einzige komplett überlieferte Arbeit bezeugt – zusammen mit den fragmentarischen – eine Vorliebe für volle, dichte Mehrstimmigkeit. Er gehörte zu jenen Komponisten seiner Generation, die mit der sog. Variationssuite (Suite) experimentierten. Seine Newe Lieblichen Paduanen sind etwas früher erschienen als die vergleichbare Sammlung des lange als Initiator der Gattung angesehenen P. Peuerl.


Werke
Drucke: Carmen musicum (5 St.). Leipzig 1605 (Ex. in D-W, 14. 3. Mus. Coll. INC., nur Cantus I–II. u. Tenor erhalten); Newe Liebliche Paduanen Intraden und Galliarden (5 St.), Nürnberg 1609 (Ex. in D-Dl, Mus. 1-B-164), NA: J. Th., Neue liebliche Paduanen, Intraden und Galliarden (1609), hg. v. P. Király 1997; Tricinia Sacra, Wien 1615 (kein Ex. nachgewiesen, Existenz nur anhand von Walther 1732 u. des Musikinventars der Thomasschule in Leipzig [1679] belegbar); Hss: Wem ein tugendsam Weib bescheret ist (6 St.; H-Bn, Bártfa Ms. 17., nur Cantus, Tenor-I u. Bassus erhalten).
Literatur
MGG 13 (1966); NGroveD 25 (2001); MGÖ 1 (1995); P. Király in Ungarn Jb. 21 (1993/94), 1995.

Autor(en)
Péter Király
Empfohlene Zitierweise
Péter Király, Art. „Thesselius, Johannes‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 15.5.2006]
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