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Drahanek, Drahanek, Johann: Familie
Johann: * --ca. 1769 (Ort?), † --vor September 1823 (Ort?). Lehrer, Musiker. Der Sohn eines k. k. Feldwebels war spätestens ab 1790 als Lehrer bei Graf Herberstein in Merkengersch (Dobersberg/NÖ) tätig. Am 10.2.1794 heiratete er in Dobersberg Catharina Göss (get. 27.11.1772 Dobersberg, † 12.7.1833 Wien), Tochter eines Dobersberger Schuhmachermeisters. Im Trauungsbuch wird er als „Musikant und Schullehrer“ bezeichnet. Bei der Geburt seiner zumindest vier Kinder war er Schullehrer.
Literatur
H. C. Singer in Mitteilungen Johann Strauss-Ges. Wien 25 (Dezember 1987); Trauungsbuch der Pfarre Dobersberg 1784–1820, fol. 73; Tauf-, Trauungs-, Sterbebuch der Pfarre Dobersberg 1766–84, pag. 32; Sterbebuch der Pfarre St. Michael (Wien I) 1824–44, fol. 110; www.familia-austria.at (8/2019).

Seine Söhne

Anton (eig. Antonius) [nicht Carl]: get. 3.11.1797 Dobersberg, † 17.5.1863 Wien. Geiger, Musiklehrer. Kam gemeinsam mit seinem Bruder Johannes vermutlich während des Wiener Kongresses nach Wien, wo die beiden als Geiger-Duo (Brüder D.) bei Bällen und Tanzveranstaltungen auftraten. Das Duo der Brüder D. wurde spätestens 1822 durch J. Lanner, der auch die Leitung als Primgeiger übernahm, erweitert. A. D. spielte möglicherweise Viola oder Kontrabass. 1822 unternahmen die drei eine Reise nach Baden bei Wien, wo sie Auftrittsmöglichkeiten suchten. Später wurde das Trio durch J. Strauß Vater an der Viola zum Quartett, das als eine der Keimzellen der Wiener Tanzmusik des 19. Jh.s gilt. Ob A. D. später auch in der Kapelle Lanners, die dieser um 1825 gegründet hatte, mitwirkte, ist (2019) ungeklärt. Spätestens zum Zeitpunkt seiner Eheschließung am 30.7.1829 mit Susanna Barral (get. 22.7.1805 Wien, † 8.12.1852 Wien) war er als Musiklehrer tätig, auch danach ist er als solcher nachweisbar.


Literatur
H. C. Singer in Mitteilungen Johann Strauss-Ges. Wien 25 (Dezember 1987); H. Krenn, „Lenz.Blüthen“. Joseph Lanner. Sein Leben – sein Werk 1994, 25ff; Czeike 2 (1993); Erhart 1998; R. Ullreich in B. Boisits/K. Hubmann, [Kgr.] Musizierpraxis im Biedermeier 2001, 2004; Die Presse 12.12.1852, 2; Taufbuch der Pfarre Dobersberg 1784–1813, fol. 35; Trauungsbuch der Pfarre St. Peter (Wien I) 1824–42, [1829] fol. 64; Sterbebuch der Pfarre Wieden (Wien IV) 1861–63, fol. 70; Sterbebuch der Pfarre Alservorstadtkrankenhaus (Wien VIII) 1852, fol. 248; eigene Recherchen (www.anno.onb.ac.at, Lehmann-Adressbücher).

Johannes Evangelist [nicht Alois]: get. 26.11.1800 Dobersberg, † 10.3.1876 Wien. Kapellmeister und Komponist. War zum Zeitpunkt der Geburt seines ersten Sohnes 1823 als Musiklehrer in Wien tätig und begann seine öffentliche Laufbahn gemeinsam mit seinem Bruder. Im Streichtrio mit ihm und Lanner spielte er die zweite Geige. Später angeblich Mitwirkung in den Kapellen von Lanner und J. Strauß Vater, möglicherweise war er aber schon ab dem Sommer 1825 als Kapellmeister in von ihm zusammengestellter Ensembles tätig, in denen er ebenfalls die zweite Geige gespielt haben soll. Nachweisbar ist er in dieser Eigenschaft erstmals im Mai 1832, als er gemeinsam mit einem W.[enzel?] Schulz eine „Instrumental-Musik“ im Gasthaus „Zum blauen Wolf“ (Wien IV) leitete. Ab 1835 wird er in den Kirchenmatriken als Musikdirektor geführt, davor als Musiker oder Musiklehrer. Nach dem Tod seiner ersten Frau Barbara Fidler (get. 16.3.1798 Wieden [Wien IV], verheiratet seit 29.9.1823) am 26.3.1842 heiratete er am 30.11.1843 Barbara Wostradowsky (* 1.8.1818 Himmelpfortgrund [Wien IX], † 4.10.1890 Wien). Ab spätestens 1854 trat J. D. v. a. im Fasching regelmäßig auch selbst als Ballveranstalter an die Öffentlichkeit, seine diesbezüglichen Inserate in den Wiener Zeitungen trugen mitunter die Angabe „Kapellmeister und Unternehmer“ (s. Abb.). Dazu kamen immer wieder Wohltätigkeitskonzerte, von denen ein Teil der Einnahmen gespendet wurde. Am 30.8.1875 feierte D. sein 50-Jahr-Jubiläum in der Schottenfelder Bierhalle, das Datum könnte sich auf seine Kapellmeistertätigkeit bezogen haben. Kurze Zeit später wurde J. D. aufgrund eines Sturzes arbeitsunfähig. Er starb, obwohl er wegen seiner Originalität (das von ihm selbst verwendete „Jessas, der D.!“ wurde ein geflügeltes Wort) große Popularität genoss, in ärmlichen Verhältnissen, nach seinem Tod wurde für seine Witwe ein Benefizball veranstaltet. 1880 wurden er und sein Bruder in dem Genrebild Josef Lanner von Friedrich von Radler (UA 25.9.1880 Theater in der Josefstadt) verewigt. Sein Nachname wurde später als scherzhafte Bezeichnung für Werkelmänner verwendet. Aufgrund der Beifügung der Buchstaben C./K. bzw. A. zu seinem abgekürzten Vornamen J. (also J. C., J. K. bzw. J. A. D.), die er ab 1853 (J. K. D.) bzw. 1864 (J. A. D.) möglicherweise in Zusammenhang mit den Auftritten seiner beiden Söhne Carl und Alois verwendete, kam es schon zu D.s Lebzeiten zu fehlerhaften Namensformen und in der Folge zu zahlreichen Verwechslungen.


Gedenkstätten
ehrenhalber gewidmetes Grab am Wr. Zentralfriedhof 1937.
Werke
Walzer Die braven Männer, Zwickerltanz.
Literatur
H. C. Singer in Mitteilungen Johann Strauss-Ges. Wien 25 (Dezember 1987); H. Krenn, „Lenz.Blüthen“. Joseph Lanner. Sein Leben – sein Werk 1994, 25ff; Czeike 2 (1993); Erhart 1998; W. Kisch, Die alten Strassen und Plätze von Wiens Vorstädten 2, 1895, 456ff; Illustrirtes Wr. Extrabl. 25.4.1872, 4, 12.3.1876, 4; Morgen-Post 18.3.1876, [4]; Wr. Ztg. 23.5.1832, 596, 29.10.1890, 15; Wr. Bilder 29.11.1896, 8; Wr. Sonn- und Montags-Ztg. 15.8.1880, 3; Taufbuch der Pfarre Dobersberg 1784–1813, fol. 38; Trauungsbuch der Pfarre Gumpendorf (Wien VI) 1841–45, fol. 207; Taufbuch der Pfarre St. Karl Borromäus (Wien IV) 1790–99, fol. 198; Sterbebuch der Pfarre Wieden 1838–42, fol. 191; eigene Recherchen (www.anno.onb.ac.at, Lehmann-Adressbücher).

Johannes’ Söhne

Carl Adam: * 7.2.1823 Matzleinsdorf (Wien V), † vor 1876 Ort?. Geiger, Kapellmeister. Der älteste Sohn aus der ersten Ehe von J. D. erhielt eine Ausbildung als Geiger. In dieser Funktion ist er erstmals im August 1843 als Solist in einem Konzert von Franz Freistädter nachweisbar. Spätestens ab Anfang 1853 als Musikdirektor aktiv (als C. D. oder J. C. D. junior), der wie sein Vater in Gaststätten in und um Wien als Dirigent verschiedener Veranstaltungen auftrat. Verwechslungen zwischen ihm und seinem Vater führten in der bisherigen Forschung häufig zu fehlerhaften Zuordnungen seiner Kompositionen, die seit 1863 v. a. bei C. A. Spina im Druck erschienen. 1862/63 gemeinsame Auftritte mit M. Grünner. 1867 Kapellmeister des 15-köpfigen Orchesters des Vöslauer Sommertheaters. Sein letzter öffentlicher Auftritt ist Ende Mai 1869 belegbar, danach verliert sich C. D.s Spur. Ab 1876 wird seine Frau Magdalena, geb. Lux (* 23.2.1831 Altlerchenfeld [Wien VII], † nach 1876 [Ort?]), mit der er seit 20.2.1855 verheiratet war, als Witwe bezeichnet.


Werke
Tänze (Busserl-Polka op. 1, Michel-Polka op. 2, Masken-Polka op. 3, Ländlich, sittlich. Polka Mazurka, op. 4, Mädchenlaunen. Schottisch, op. 5, Bankett-Polka op. 6, Carnavals-Spässe. Walzer, op. 7, Herminen-Polka-Mazurka op. 8, Casino-Quadrille, op. 9, Kaiser-Walzer, Fest-Jubel-Polka); Märsche (Freiwilligen-Marsch).
Literatur
Österr. Morgenblatt 5.8.1843, 371; Fremden-Bl. 22.7.1856, [8], 15.5.1859, [10], 25.12.1862, [11], 6.1.1863, [11]; Dt. Bühnen-Almanach 1868; Taufbuch der Pfarre St. Florian-Matzleinsdorf (Wien V) 1820–23, fol. 102; Trauungsbuch der Pfarre Altlerchenfeld 1854–57, [1855] fol. 7; eigene Recherchen (www.anno.onb.ac.at).

Alois Johann Julius: * 11.4.1846 Wieden (Wien IV), † 14.5.1867 Wien. Musiker, Kapellmeister. Trat im Alter von fast 15 Jahren erstmals an der Seite seines Vaters als Dirigent einiger Musikstücke in einer sog. „Concert-Soirée mit Ball“ im Hernalser Gasthaus „Zur Bier-Quelle“ (Wien XVII) an die Öffentlichkeit. Ab 1862 leitete er gemeinsam mit seinem Vater dessen Kapelle, ab 1864 leitete er eine eigene Kapelle, mit der er in diversen Wiener Gaststätten auftrat. Im selben Jahr erschien seine J. Gallmeyer gewidmete Gallmeyer-Polka in einer Wiedner Musikalienhandlung, die mehrere Auflagen erlebte. Ab spätestens 1866 Mitglied des Theaters an der Wien.


Werke
Gallmeyer-Polka 1864.
Literatur
Taufbuch der Pfarre Wieden 1845–46, fol. 323; Sterbebuch der Pfarre St. Josef zu Margareten 1864–68, fol. 210; eigene Recherchen (anno.onb.ac.at, Lehmann-Adressbücher).

Ludwig: * 2.6.1851 Wien, † 17.3.1900 Wien. Cellist. Der jüngste Sohn aus der zweiten Ehe von J. D. studierte 1865–68 Cello am Konservatorium der GdM bei K. Schlesinger. Spätestens ab 1874, vielleicht schon seit seiner Eröffnung am 15.9.1872 Mitglied des Orchesters des Wiener Stadttheaters. Lt. Singer war er auch im Ring-Theater tätig, wo er am 8.12.1881 den Brand überlebte. Zuletzt war L. D. als Musiklehrer tätig. In erster Ehe ab 10.5.1874 verheiratet mit Anna Kutschera (* ca. 1851 Rastatt/D, † 8.12.1882 Wien), einer der Trauzeugen war der Musiker Carl Unger. Taufpatin seiner beiden Töchter Anna Karoline (* 27.10.1873 Wien, † 1.8.1881 Wien) und Leopoldine Ludowika (* 9.11.1874 Wien, † ?) war die Chorsängerin der Hofoper und Musiklehrerin Karoline Ritter (* 30.10.1848 Hundsturm [Wien V], † 16.7.1883 Wien), seines Sohnes Ludwig Franz (* 11.5.1876 Wien, † 5.3.1925 Wien), der später als Klavierstimmer und Musiker in Wien III tätig war, das Mitglied des Hofopernorchesters Franz Arocker (* 10.2.1850 Wien, † 2.1.1901 Wien). In zweiter Ehe ab 4.2.1884 mit der Privatlehrerin Anna Bruckner (* 8.5.1858 Neulengbach/NÖ, † ?) verheiratet, als Trauzeugen fungierten die beiden Musiker Carl Deutsch und Michael Bulinsky.


Werke
Tänze (Walzer Wien ist halt Wien, Polka Mazur Paula, Humoristische Lieder Quadrille).
Literatur
H. C. Singer in Mitteilungen Johann Strauss-Ges. Wien 25 (Dezember 1987); NZfM 13.11.1868, 405; Taufbuch der Pfarre Wieden 1850–52, fol. 198; Trauungsbuch der Pfarre St. Josef Margareten 1872–74, fol. 256 u. 1882–84, fol. 146; Taufbuch der Pfarre St. Florian-Matzleinsdorf 1872–73, fol. 370; Taufbuch der Pfarre St. Josef-Margareten 1848, fol. 162 [K. Ritter] u. 1874, fol. 233; Sterbebuch der Pfarre St. Florian-Matzleinsdorf 1900, fol. 31; Sterbebuch der Pfarre Landstraße-St. Rochus (Wien III) 1925–27, fol. 5; Sterbebuch der Pfarre Maria Treu (Wien VIII), 1899–1905, fol. 96 [F. Arocker]; Sterbebuch der Pfarre St. Josef-Margareten 1883–86, fol. 5 [K. Ritter]; eigene Recherchen (www.anno.onb.ac.at; Jahresberichte des Konservatoriums der GdM; Lehmann-Adressbücher; versch. Kirchenmatriken).

Autor*innen
Monika Kornberger
Letzte inhaltliche Änderung
17.12.2020
Empfohlene Zitierweise
Monika Kornberger, Art. „Drahanek, Familie‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, begr. von Rudolf Flotzinger, hg. von Barbara Boisits (letzte inhaltliche Änderung: 17.12.2020, abgerufen am ), https://dx.doi.org/10.1553/0x0001cbfa
Dieser Text wird unter der Lizenz CC BY-NC-SA 3.0 AT zur Verfügung gestellt. Das Bild-, Film- und Tonmaterial unterliegt abweichenden Bestimmungen; Angaben zu den Urheberrechten finden sich direkt bei den jeweiligen Medien.

MEDIEN
Johannes Drahanek (Illustrirtes Wr. Extrabl. 25.4.1872, 4)© ANNO/ÖNB
Johannes Drahanek (Illustrirtes Wr. Extrabl. 30.8.1875, 1)© ANNO/ÖNB
Fremden-Bl. 27.11.1870, [14]© ANNO/ÖNB

DOI
10.1553/0x0001cbfa
GND
Drahanek, Johann: 122031708X
OBV
Weiterführende Literatur
GND
Drahanek, Anton: 1036803570
OBV
Weiterführende Literatur
GND
Drahanek, Johannes: 1036803260
OBV
Weiterführende Literatur
GND
Drahanek, Carl: 1220317683
OBV
Weiterführende Literatur
GND
Drahanek, Alois: 1220317896
OBV
Weiterführende Literatur
GND
Drahanek, Ludwig: 1220318345
OBV
Weiterführende Literatur

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