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Philomates, Philomates, true Venceslaus
* --ca. 1480 Neuhaus/Böhmen (Jindřichův Hradec/CZ), --nach 1532 (Ort?). Geistlicher und Musiktheoretiker. Seine Herkunft aus „nova domo“ ist der Dedikation seiner kurzen, aber einprägsamen (elegante lateinische Hexameter), dem Neuhauser Geistlichen Johann v. Kaplitz gewidmeten, 1512 von Vietor und Singriner in Wien (jedoch nicht unbedingt in Konkurrenz zu S. de Quercu) gedruckten Musicorum libri quatuor zu entnehmen. Diese gehen offenbar auf seine Zeit als Student (Inskription nicht nachgewiesen) und Lehrer zu Beginn des 16. Jh.s an der Univ. Wien zurück. Es enthält in gedrängter Form die gesamte Musiktheorie von den Elementen der Gesangslehre bis zur Komposition und ist als humanistische Anknüpfung an mittelalterliche Versifizierungen (als deren Prosa-Langform aber die späteren „Scholia in musicam planam Venceslai Philomathis de Nova Domo, ex variis musicorum scriptis pro Magdeburgensis scholae tyronibus collecta“ des Martin Agricola) zu verstehen. Das Wort Ph. (= lernbegierig) ist kaum als eig. Familienname, am ehesten als eine Art Standesbezeichung (studiosus?), wenn nicht als Hinweis auf sein „Aufsteigertum“ anzusehen (wenn er nämlich mit dem um 1496 bezeugten Glockengießer „Wenceslaus de nova domo“ identisch sein sollte). Er scheint dann in seine Heimat zurückgekehrt zu sein, wo er sich besonders mit der tschechischen Sprache (Bibelübersetzung, Grammatik) befasste.
Schriften
Musicorum libri quatuor (Wien 1512; Nachdrucke: Wien 1523, Leipzig 1518, Wittenberg 1534; überarbeitet Straßburg 1543); Institutio grammatica (Krakau 1525), Grammatyka czeská (Naměšt nad Oslavou 1533).
Literatur
O. Wessely in ME 7 (1953/54); NGroveD (2001); M. Horyna (Hg.), Wenceslaus Philomates Musicorum libri quattuor 2003.

Autor(en)
Rudolf Flotzinger
Empfohlene Zitierweise
Rudolf Flotzinger, Art. „Philomates, Venceslaus‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 21/03/2005]