Bösendorfer, Familie
Ignaz: * 27.7.1796 Wien, † 14.4.1859 Wien. Klavierbauer. Sohn eines Tischlermeisters, ab 1813 in der Lehre bei Klaviermacher J. Brodmann, dessen Betrieb er 1828 übernahm und damit die Firma B. begründete. 1836 „K. k. Hof- Klavierverfertiger“. Informierte sich auf Reisen über den Entwicklungsstand ausländischer Erzeugnisse. B. stellte als erster widerstandsfähige und tonstarke Instrumente her, die auch den Anforderungen eines F. Liszt standhalten konnten. Ab 1853 im Vorstand der Akademie der Tonkunst.
P: Goldmedaille bei den Wiener Industrieausstellungen 1839 und 1845.


Seine Söhne
Ludwig: * 10.4.1835 Wien, † 9.5.1919 Wien. Klavierbauer. Arbeitete nach dem Besuch des Wiener Polytechnischen Institutes im väterlichen Betrieb, den er 1859 übernahm. 1860 Umzug in die neue Fabrik (mit angeschlossenem Konzertsaal) in der Türkenstraße (Wien IX). 1859 Privileg auf Abänderung der „Wiener Klaviermechanik“, ab 1870 Verwendung von Gussrahmen, ab 1878 Herstellung von Klavieren mit englischer Mechanik. Beteiligte sich erfolgreich an den Weltausstellungen in London 1862, Wien 1873 und Paris 1900 und war Hoflieferant aller regierenden Häuser. Theophil v. Hansen, Hans Makart und Josef Hoffmann entwarfen für B. spezielle Flügel. 1870 Verlegung der Fabriksräume in die Graf Starhemberggasse (Wien IV) und des Verkaufslokals in das Palais Liechtenstein (Wien I). Die dortige Reitschule besaß eine hervorragende Akustik, was B. dazu veranlasste, sie zu einem Konzertsaal umbauen zu lassen. Der B.-Saal war 1872–1913 einer der beliebtesten Konzertsäle Wiens für Kammermusik und eine wichtige Aufführungsstätte für den Wiener Akademischen Wagner-Verein . L. B. war eine markante Persönlichkeit und Mäzen des Wiener Musiklebens. Seit 1870 Ehrenmitglied der Gesellschaft der Musikfreunde, ab 1878 in deren Direktorium. Träger hoher Auszeichnungen und zahlreicher Ehrungen. 1889 initiierte er denB.-Klavierwettbewerb, der bis 1945 jährlich, dann unregelmäßig und seit 1949 alle zwei Jahre stattfindet.
G: Ehrengrab Wr. Zentralfriedhof.
Schr: Das Wiener Clavier in Die Großindustrie Österreichs 1858; Mittheilungen über Neuerungen im Klavierbau [o. J.].


Adolph: * 1839 Wien, † ?. Journalist. 1875–78 Herausgeber des Illustrierten Musik- und Theater-Journals, ab 1876 des Illustrirten Musik-, Theater- und Literatur-Journals und ab 1879 der Neuen Wiener Musik-Zeitung.
Lit: ÖMZ 19 (1955), 41.


Selbst ohne Nachkommen, verkaufte L. B. 1909 den Betrieb an den Wiener Privatbankier C. Hutterstrasser , dem seine Söhne Alexander (1894–1977) und Wolfgang (1899–1985) 1931 nachfolgten. Alexander H. war ab 1909 Lehrling im väterlichen Betrieb, verbrachte ein Studienjahr bei der Klavierfirma Ibach in Deutschland, war Obmann-Stellvertreter im Verband der Klavierfabrikanten Österreichs und Direktionsmitglied der Gesellschaft der Musikfreunde. Wolfgang absolvierte ebenfalls eine praktische Ausbildung, war Präsident des Singvereins der Gesellschaft der Musikfreunde und Direktionsmitglied der Wiener Konzerthausgesellschaft .
Schr: C. H., 100 Jahre B. 1828–1928, 1928.


1966 wurde die Klavierfabrik von Kimball International übernommen, die Brüder Hutterstrasser verblieben weiter im Vorstand. Seit 1953 wird der B.-Ring vergeben, bisherige Träger sind Wilhelm Backhaus und P. Badura-Skoda. 1973 übersiedelte die Produktion nach Wiener Neustadt, 1983 wurde der Konzertsaal in der Graf Starhemberggasse eröffnet. Ende 2001 übernahm eine österreichische Bankengruppe den Betrieb, die ihn 2008 an den japanischen Konzern Yamaha verkaufte.
G: B.straße (Wien I).
P: Österreichisches Bundeswappen in Anerkennung der außergewöhnlichen Leistungen um die österreichische Wirtschaft 2002.
Lit: NGroveD 4 (2001); MGG 3 (2000); Hopfner 1999; M. Meyer, Historische Betriebsanalyse der Firma L. B. Klavierfabrik, Diss. Wien 1989; L. Botstein, Music and its Public, Diss. Harvard Univ. 1985; Czeike 1 (1992); ÖL 1995; ÖBL 1 (1957); MGG 15 (1973); Die Geschichte eines Flügels 1978; Ch. Meglitsch, Der B.saal, Dipl.arb. Wien 1998; Musik-Journal 1969–78; Newsletter B. 1999; www.boesendorfer.com (1/2012); M. Lewin, Ein Klavier geht um die Welt 1992; www.kleinezeitung.at (3/2012).


AH  
[ Zuletzt aktualisiert: 2012/03/13 14:40:23 ]

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Quelle: Österreichisches Musiklexikon, Kommission für Musikforschung
Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften
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