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Fennesz,Fennesz,true Christian
* 1962 -12-2525.12.1962 Wien. Gitarrist, Komponist und Produzent. Studierte an der Wiener Univ. Ethnologie und Musikwissenschaft. 1987 Auftritte mit der Gruppe Blank, gründete 1988 mit Harald Adrain (E-Bass, Saxophon) und Siegfried Schmid (Drums) die Band Maische und war bis 1992 dort Gitarrist und Sänger; 1996 Leitung des Orchesters 33 1/3 mit Christof Kurzmann. Längere Zusammenarbeit mit dem Wiener Label für experimentelle elektronische Musik Mego (heute editions mego). Zahlreiche Kollaborationen mit diversen Künstlern und Gruppen u. a. mit Peter Rehberg und Jim O’Rourke im Trio Fenn O’Berg, mit Zeitblom im Duo Golden Tone sowie mit Ryuichi Sakamoto, Keith Rowe, Mark Linkous (Sparklehorse), David Sylvian und Mike Patton. Regelmäßige Auftragsarbeiten für Filme, Installationen etc.

Pattern-Structuring wurde von der Tonbandschleifen verarbeitenden Live-Electronic mit Steve Reich in die Minimal Music als Kompositionsparadigma importiert. Das „schleifenbildende” Denken des Computers, formalisiert in Schleifen mit Laufvariablen, begünstigt diese minimale Strukturierung in der Computermusik, ein strukturerarbeitendes Denken, das im Looping direkt auf den Klang angewendet wird. „Copy and Paste”, vorerst von MIDI-Daten, später von samples, erlaubt die uneingeschränkte Collage.

Noisy Sounds kommen aus dem Rock. Spielweisen abseits der klanglichen Realisierung zeichenhaft repräsentierter Musik, Feedback-Loops übersteuerter Elektrogitarre-Amplifier-Systeme, MIDI-Pattern-Structuring von Samples des Industrial, letztlich Pradigmen der extern kontrollierten Steuerung zur Generierung musikalischer Strukturen im Rock sind die Kompositionstechniken, die den Übergang vom Rock zur Computermusik markieren. Repetitive Gitarreriffs werden folgerichtig zu „loops” digital gespeicherter/erzeugter Klänge.

F. ist ein Vertreter dieser Zusammenführung zweier zuvor streng getrennter Genres, die mit den wertenden Haltungen von U und E (Musiksoziologie) verbunden waren. Als Gitarrist bei Maische (LP Brand 1992) bringt er in einer Melange von Improvisation und konzeptueller Komposition repetitive Figuren ebenso ein wie samples. Abseits des Rockstereotyps Band markiert die EP Instrument (1995) mit der kompositorischen Verarbeitung von Gitarre-Samples den Übergang zur Computermusik, zugleich ihre Erweiterung. Dieser Transfer ist paradigmatisch für den internationalen Entwickungsschub der elektronischen und Computer-Musik aus der mit Aufnahmetechnologie als Kompositionsmittel seit Les Paul verwachsenen Rock-Musik. Dieser Entwicklungsschritt führt ebenfalls zur Öffnung hochkultureller Computermusik-Zentren, wie dem IRCAM, dessen software (MAX/MSP) zur realtime Klangerzeugung/-manipulation F. für seine improvisatorischen Kompositionen gebraucht, – ein Kompositionskonzept, das technologisch begründet von der Live-Elektronik in den auf Riffstruktur aufbauenden improvisierenden Rock übertragen und über diesen mit den Möglichkeiten der Echtzeit-Klangverarbeitung in die Computermusik (re-)importiert wurde, eine Computermusik, die, weniger an der (algorithmischen) Strukturierung denn an der gemeinsamen elektroakustischen Wurzel orientiert, ihre Symbiose mit der Rock-Musik fand.

Die Auszeichnung beim Prix Ars Electronica 1999 an Mego (P. Rehberg und Ch. F.) zeugt von der Mutation der Computermusik zur digital music. Aus der Independent-Ideology von P. Rehberg 1994 als Label für Musiker aus der Technoszene gegründet, ist Mego heute eine Schnittstelle von Avantgarde und Popmusik auf digitaler Basis. F. ist Proponent dieser Szene, die die Gitarre gegen den Laptop tauschte.


Ehrungen
Kulturpreis des Landes Burgenland als Förderungspreis für Musik 1992; Stipendium für Komposition des Landes Burgenland 1995.
Werke
Brand (mit Maische 1992); Instrument 12“ (1995); Sportster (Chill Out/Sabotage 1997); Surf (Decay/ash international 1997); „Untitled“ Picknick bei Hermann/Rhiz (1997); PDN 006 Orchester 33 1/3 D (1997) (mit C. Kurzmann et al.); MEGO 016 Hotel Paral.lel CD (1997); MEGO 020 Plays 7“ (1998; CD version released by Moikai); TH 001198 Il*Libro*Mio Mini CD (1998); DIN (mit P. Rehberg & Mike Harding): Live at The Gallery Keller LP (Ash International 1999); TO 40 plus forty seven degrees 56’ 37“ minus sixteen degrees 51’ 08“ D/Touch (1999); MEGO 031 Fennesz/O’Rourke/Rehberg: The Magic Sound Of Fenn O'Berg CD (1999); Golden Tone (Fennesz/Zeitblom): Micro Tone Live Berlin 99 CD/UCMG (2000); Fennesz/Zeitblom/Rantasa: Music For An Isolation. Tank (CD Rhiz 2000); TO CDR 3 03_02_00 CD-R EP/Touch (2000); Fennesz/Rosy Parlagne: Live 3“CD / Synaesthesia (2000).
Literatur
MaÖ 1997; W. Dorninger in Memesis. Ars Electronica, Festival 1996, 1996; Ch. Duller/Ch. Kurzmann in Falter 37/1990; Ch. Schachinger in Falter 37/1997; R. Young in The Wire. Adventures in modern music 11/1995; www.wikipedia.org (8/2011).

Autor(en)
Werner Jauk
Georg Demcisin
Empfohlene Zitierweise
Werner Jauk/Georg Demcisin, Art. „Fennesz, Christian‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 06/05/2001]