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Ladurner, Ladurner, Franz Xaver: Familie
Franz Xaver: * 1735 -11-1313.11.1735 Algund/Südtirol (Lagundo/I), 1782 -02-2020.2.1782 Algund. Schullehrer und Organist. Zunächst in Aldein/Südtirol (Aldino/I) und ab 1767 in Algund. Er soll komponiert haben und ist wohl zumindest der Kopist einer handschriftlichen Generalbasslehre (um 1770, A-Imf M 5289).

Sein Bruder

P. Innozenz OSB (Michael): * 29.9.1745 Algund, † 13.1.1807 Nandesheim ? bei Weilheim, Bayern/D (begr. in Iffeldorf/D). War Geistlicher und Musiker, Musikpädagoge, Küchenmeister (1785–95), Seelsorger im Kloster Benediktbeuern/D. Ausbildung in den Augustiner-Chorherrenstiften bzw. Musikinstitutionen St. Michael an der Etsch (San Michele all’Adige/I) und Herrenchiemsee/D, Philosophiestudium in Salzburg. 1770 Profess, 1774 Primiz in Benediktbeuern (1803 säkularisiert).

F. X.s Söhne

Ignaz Anton (Franz Xaver): * 1.8.1766 Aldein, † 4.3.1839 Villain/F. Komponist, Musikpädagoge. Er kam als 10-jähriger in das Kloster Benediktbeuern unter die musikalische Obhut seines Onkels I. L. und übernahm als 16-jähriger nach dem Tod seines Vater F. L. dessen Organistenamt in Algund. 1784 übersiedelte er nach München zum Philosophie- und Musikstudium. Von hier nahm ihn die als Pianistin tätige, jedoch bisher nicht identifizierbare Gräfin Heimhausen 1786 als Klavierspieler mit auf ihr Landgut in Long(u)eville/F. 1788 ließ sich I. L. in Paris nieder und erhielt 1797 am eben gegründeten Conservatoire eine Professur für Klavier. Er unterrichtete auch privat zahlreiche später berühmte Schüler, unter ihnen Daniel F. E. Auber und Alexandre P.-F. Boëly. Ab 1809 gehörte er der Hofkapelle Kaiser Napoleons I. an, er spielte bei ihren Konzerten Orgel. Seiner Ehe mit der Geigerin Agathe Victoire Magnier de Gondreville († 25.10.1823 Saint-Denis/F) entstammt der Maler Adolphe L. (* 1798 Paris, † 1856 St. Petersburg/RUS). Mit seiner Oper Wenzel und v. a. seinem brillanten Klavierspiel machte I. L. in Paris Furore. Die Klavierwerke, zwischen dem Einfluss W. A. Mozarts und Annäherungen an L. v. Beethoven, haben einen virtuosen Gestus der Improvisation. Auch programmatische Stücke werden von der Sonatenform bestimmt, Folklorismen (, Boleras, Montagnarde, Variationen über Volkslieder) werden stilisiert. Komponisten der französischen Frühromantik verdanken I. L. wesentliche Impulse.


Werke
Vokalmusik mit Klavier- und Orchester-Begleitung, Opern (Wenzel ou Le Magistrat du peuple 1793, Opéra comique Les Vieux Fous 1796), Violinkonzert 1797 (verloren), Klavier- und Kammermusik (ca. 20 Sonaten [Sonate für Kl., V. u. Vc., s. Tbsp.; Sonate für V. u. Kl., s. Tbsp.], Variationen, Fantasie- und Charakterstücke, gedruckt um 1800 in Paris, Klaviersonaten op. 4 im Reprint: Genf 1983).
Tondokumente
TD: Ersteinspielungen von Klavierstücken und Kammermusik (u. a. op. 1, 2, 4, 6, 7/2, 9, 11, 16/1), auf CDs des Tiroler Landesmuseums Ferdinandeum 1998, 2001.


Josef Alois: * 7.3.1769 Algund, † 20.2.1851 Brixen/Südtirol (Bressanone/I). Pianist, Komponist, Musikpädagoge, Geistlicher. 1777–84 Gesang- und Klavierunterricht bei seinem Onkel I. L. in Benediktbeuern, danach Organist in Algund. Ab 1792 in München Studium der Philosophie und Theologie sowie Klavier und Kontrapunkt bei Josef Grätz (1760–1826). 1799 empfing er in Brixen die Priesterweihe, 1802 wurde er Hofkaplan. 1798 begann er seine berufliche Tätigkeit in der fürstbischöflichen Konsistorialkanzlei, die materielle Sicherheit eintrug und 1816 mit der Ernennung zum Konsistorialrat gewürdigt wurde. 1828 wirkte er kurz als Chorregent im nahen Augustiner-Chorherrenstift Neustift. J. A. L. war musiktheoretisch hoch gebildet, ein großer Verehrer Mozarts, Organisator verschiedener musikalischer Aktivitäten und eifriger Musiklehrer. Nachdrücklich belegen heute seine Autographe [s. Abb.] und Abschriften in klösterlichen Musikalienbeständen seine einstige Unterrichtstätigkeit dort. Er komponierte v. a. Klavierwerke, mit vollgriffigem, technisch anspruchsvollem Satz, harmonisch expressiv, häufig polyphon, mit einer Attitüde des Sakralen. Formal bevorzugt J. A. L. Fuge und Variation, versucht aber auch, formale Topoi wie Fantasie, Fuge und Sonate einer ungewöhnlichen Zyklusidee unterzuordnen. Er verarbeitet Themen z. B. von G. F. Händel oder Mozart. Die wenigen kleinen Kirchenwerke haben nur Vokalbesetzung und Orgel- oder Bassbegleitung. 1848 vermachte L. per Testament seine Musikalien dem Musik-Verein in Innsbruck (Noten und Musikbücher, darunter Klassiker der Musiktheorie, erhalten in A-Ik).


Schriften
Beyspiele über Generalbaß. Ausgearbeitet von [...] ca. 1830 (Lienz/A-Imf); Der verminderte Septakkord in C moll [...] Genealogisch entworfen ca. 1830 (A-ST).
Werke
Hss. in A-HALn, A-Ik, A-Imf, A-ST, A-Wgm, CZ-OSm, D-LEm, D-MT, F-Pn, I-BREd, I-BREk; Kirchenmusik (Mss.: Litaneien, Stabat mater [s. Abb.], Ave Maria u. a.; Kompilation einer Deutschen Messe aus deutschen Liedsätzen von M. Haydn, J. A. Hiller, Johann Abraham Peter Schulz u. a. in I-BREd, Identifizierung durch HHSch, s. RISM A/II. Ecce sacerdos, München: Falter & Sohn um 1830); Cantate (1829? a cappella, zur Inthronisation des Brixner Fürstbischofs Bernhard II. Galura); Klavierwerke (Mss. und Drucke, meist in München erschienen, Cadenzen, Fantasien [s. Tbsp.], Präludien, Rondo, Variationen [s. Tbsp. u. a.).
Tondokumente
TD: Ersteinspielungen von Klavierwerken (u. a. op. 1, 6, 8–12), auf CDs des Tiroler Landesmuseums Ferdinandeum 1997, 1998, 2001.


Augustin Alois: * 28.8.1773 Algund, † 14.9.1794 München/D. Musiker. Ab 1788 als Nachfolger seines Bruders Ignaz in musikalischen Diensten der Gräfin Heimhausen in Long(u)eville bei Bar-le-Duc (heute Longeville-en-Barrois/F).

Benedikt Gabriel: * 18.3.1779 Algund, † 29.12.1840 Meran/Südtirol (Merano/I). Musiker, Geistlicher. Musikschüler seines Onkels I. L. in Benediktbeuern, 1802 Priesterweihe. Als Feldgeistlicher Teilnehmer an den Tiroler Freiheitskämpfen, dabei in Murnau/D (nahe Benediktbeuern) in einen handgreiflichen Zwist mit dem Pfarrer verstrickt. Dies trug ihm 1812 vonseiten der bayerischen Regierung eine Strafversetzung nach Amberg in der Oberpfalz/D auf zwei Jahre ein, als er sein 1809 in Martell (Martello/I) angetretenes Pfarrprovisorenamt definitiv stellen lassen wollte. Ca. 1815–30 war er Pfarrer und Dekan in St. Pauls-Eppan (San Paolo/I). Dort bezeugt ein stattliches Porträt von ihm, mit einem Notenblatt in der Rechten, seine Autorität als Musiker (Abb. u. a. bei Knapp 1997). Eine RISM-Sichtung des Musikarchivs der Pfarrkirche St. Pauls 2004 erbrachte jedoch keine unmittelbaren Spuren zu B. G. L.

Weitere Musiker aus anderen Familienzweigen der L.:

Christian: * 2.10.1660 Algund, † 1703 Sarnthein/Südtirol (Sarentino/I). Organist, Schullehrer in Mais (Maia/I, heute Stadtteil von Meran).

Josef: * 12.7.1815 Partschins (Parcines/I), † 1.7.1891 Partschins. Lehrer in Rabland (Rablà/I), Musikant u. a. in Meran.

P. Vinzenz OSB (Josef Johann Alois) * 14.1.1842 Meran, † 17.6.1919 Marienberg/Südtirol (Monte Maria/I). Chorregent, aktiver Cäcilianer, Prior u. a. in der Benediktinerabtei Marienberg, in die er 1865 eingetreten war. Professor am Gymnasium der Marienberger Benediktiner in Meran 1868–70.

Anton: * 2.7.1856 Algund, † 29.9.1920 Algund. Kapellmeister der Musikkapelle Algund 1885–87 und 1888–93.


Literatur
NGroveD 14 (2001); MGG 10 (2003); ÖBL 4 (1969); Wurzbach 13 (1865); U. Kornmüller, Lexikon der kirchlichen Tonkunst 1870; U. Kornmüller in Studien und Mitteilungen des Benediktinerordens 2 (1881); M. Ladurner-Parthanes, Die L. Ein Beitrag zur bäuerlichen Geschichte der Geschlechter und Höfe im Vinschgau und Burggrafenamt 1960; H. Riedl in Der Schlern 43 (1969); H. Herrmann-Schneider, Die Musikhandschriften des Dominikanerinnenklosters Lienz im Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum 1984; G. Spat in Das Fenster (Winter 1979/80) H. 25; J. Hemmerle, Die Benediktinerabtei Benediktbeuern 1991; H. Parigger/M. Keller, Das Klosterbuch [Benediktbeuern] 1991; E. Knapp, Kirchenmusik Südtirols 1993; E. Knapp, Kirchenmusik Südtirols, Ergänzungsband 1997; M. Schneider [Booklets zu CDs des Tiroler Landesmuseums Ferdinandeum, I. A. L. und J. A. L.] 1997ff.; T. Wieser/R. Loose, Familia Mariaemontana 2002; F. Baur, Die Algunder Komponisten I. A. F. X. L. (1766–1839) [und] J. A. L. (1769–1851) 2002; G. Andergassen in Kulturberichte aus Tirol 57 (2003), H. 429/430; M. Fink/K. Drexel (Hg.), Musikgeschichte Tirols 2 (2004); M. Blaas (Hg.), Der Aufstand der Tiroler gegen die bayerische Regierung 1809 nach den Aufzeichnungen des Zeitgenossen Josef Daney 2005; D. Sadgorski in L. Kačic (Hg.), [Kgr. Ber.] „Plaude turba paupercula“. Franziskanischer Geist in Musik, Literatur und Kunst. Bratislava 2004, 2005; H. Herrmann-Schneider in J. Lanz (Hg.), [Krg. Ber.] Kunst & Sakralraum. Brixen 2006, 2008; D. Sadgorski in Der Schlern 80 (2006); M. Chizzali, Beiträge zur Klavierkammermusik I. A. F. X. L. (1766–1839), Dipl.arb. Univ. Innsbruck 2008; www.bmlo.lmu.de (12/2008); Taufbuch Algund 1745; Sterbebuch Meran-St. Nikolaus 1840.

Autor(en)
Hildegard Herrmann-Schneider
Empfohlene Zitierweise
Hildegard Herrmann-Schneider, Art. „Ladurner, Familie‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 12/03/2009]

MEDIEN
J. A. Ladurner, Stabat mater in c-Moll,  Titel der autographen Handschrift (A-Imf M 2310)© Foto: TLM
J. A. Ladurner, Stabat mater in c-Moll, Titel der autographen Handschrift (A-Imf M 2310)
HÖRBEISPIELE

J. A. Ladurner, Presto assai aus der Fantasie in g-Moll in Form einer Sonate über ein kurzes Thema aus der Ouverture zur Oper Don Juan von Mozart, op. 13, München, um 1840

J. A. Ladurner, Variation 5 aus den 16 Variationen über einen beliebten Wiener Walzer in As-Dur, op. 10, um 1825
© 1997 Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum Innsbruck

I. A. Ladurner, Allegro aus dem Trio für Klavier, Violone und Violoncello in f-Moll, op. 1/3, Paris 1793
© 2001 Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum Innsbruck

I. A. Ladurner, Adagio non troppo - Allegro grazioso aus der Sonate II für Violine und Klavier, in A-Dur, op. 5 , Paris um 1799
© 1999 Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum Innsbruck

I. A. Ladurner, Fantasiestück für Klavier (Une larme sur la tombe de la plus tendre mére), op. 11, Paris um 1805
© 2001 Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum Innsbruck