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Benediktiner
Mönchs- und Nonnenorden. Die im heutigen Österreich gelegenen Abteien bzw. Stifte der Benediktiner und Benediktinerinnen (OSB) bildeten und bilden zeitweise einen maßgeblichen Faktor des österreichischen Musiklebens (Kirchenmusik, Profanmusik, Musiktheorie, Ausbildung, Bibliotheken). In der Österreichischen Kongregation (gegr. 1625, heutige Form seit 1930) sind konföderiert: Erzabtei St. Peter in Salzburg (696, Erzabtei 1927), Kremsmünster (777), Michaelbeuern (ca. 730/977), Lambach (1056), Admont (1074), St. Lambrecht (1076) mit Superiorat Mariazell, Melk (seit 1089 OSB), St. Paul/Lavanttal (1091), Göttweig (seit 1094 OSB), Seitenstetten (1112), Altenburg (1144), Schottenstift Wien (1155). Zur Beuroner Kongregation gehört Seckau (1883 OSB). Die Abteien Nonnberg (714) und St. Gabriel bei Fehring (1888/1919) sind bedeutende Nonnenklöster. Durch Joseph II. aufgehoben wurden die Abteien Arnoldstein, Garsten, Gleink, Millstatt, Mondsee (Mönche), Göß und St. Georgen am Längsee (Nonnen).

Das mittelalterliche Musikleben ist vorgegeben durch eine Lebensordnung („Observanz“), die aus Benediktregel, den Consuetudines (Hausordnung) und den Libri Ordinarii (Liturgieordnung) besteht. Letztere Bücher sind zentrale Quellen für die Erforschung der Choralpraxis (Choral). Diese wird getragen vom Kantor, dem Konvent und den „Pueri oblati“ bzw. den Sängerknaben, die im 15. Jh. teilweise mit angestellten Choralisten anstelle der Kommunität singen. Grundlage ist der liturgische Rahmen des Cursus Monasticus (z. B. 4 Vesperpsalmen statt 5 im römischen Cursus), der freilich in jedem Kloster seine legitime individuelle Gestaltung im Repertoire bekam. Besonderheiten prägen sich bei Alleluiareihen, Tropen, Sequenzen, Antiphonen, Responsorien und Hymnen aus. Die österreichischen Klöster stehen unter dem Einfluss der Reformen von Cluny, Gorze und Hirsau sowie der Melker Reform (1418–72), die auch für das Musikleben relevant sind. Choralquellen gibt es ab dem 12. Jh. in größerer Menge, sie wurden noch im 14. Jh. mit adiastematischen Neumen (Notation) notiert, später in Hufnagelnotation, im Zuge der Melker Reform drang auch Quadratnotation ein. Choralquellen sind nur z. T. erforscht, so z. B. aus St. Peter, Lambach, Kremsmünster, Melk, St. Paul. Admont verfügte mit Abt Engelbert über einen namhaften Musiktheoretiker. Erhaltene Codices bezeugen usuelle Mehrstimmigkeit sowie frühen deutschen Kirchengesang als eine integrale Beteiligung des Volkes an der Liturgie (z. B. St. Lambrecht, Michaelbeuern).

Der Göttweiger Abt D. G. Corner gab 1625 das Groß Catholisch Gesangbuch heraus, dessen Lieder z. T. heute noch gesungen werden. Viele Auflagen des Marianischen Gnadenpfennig zeugen vom Wallfahrergesang in Mariazell, die Sammlung katholischer Kirchenlieder (1878) des Admonter Konventualen O. Berger erlebte mehr als 20 Auflagen.

Orgeln sind ab dem 15. Jh. allgemein bezeugt. Bis heute sind die Stifte Vorreiter im jeweils zeitgenössisch hochstehenden Orgelbau, nicht wenige Denkmalorgeln sind erhalten. Die schon im Spätmittelalter verbreitete Praxis mehrstimmiger Musik erfährt im Barock, besonders im 18. Jh., ihre volle Blüte. Gregorianik wird nur mehr als Ferialmusik gepflegt. Die Klöster sind in das Musikleben ihrer Zeit voll eingebunden. Das Erlernen und Spielen von Musikinstrumenten gilt als „Handarbeit“, zu der die Benediktregel jeden Mönch verpflichtet, zahlreiche Instrumentensammlungen sind erhalten. Spätestens im 18. Jh. hat jedes Kloster seine Hauskomponisten, die meist aus dem Konvent kommen, so z. B. F. Sparry und G. Pasterwiz in Kremsmünster, M. Pratzner in Göttweig oder M. Paradeiser und R. Kimmerling in Melk. Zahlreiche Komponisten arbeiten für Stifte, wie J. Gallus für Melk, J. G. Zechner für Göttweig oder M. Haydn für St. Peter. J. G. Albrechtsberger erhielt seine Ausbildung in Melk.

Hochformen sind Messordinarien (Ausbildung der Orgelsolomesse) und Vespermusiken. Proprien werden häufig durch Sonaten u. ä. ersetzt. Bedeutsam wird die profane Musikpraxis der Stifte mit Instrumentalmusik, oratorischen und musikdramatischen Werken, nicht zuletzt als Repräsentation der Äbte. Die josephinischen Reformen (Josephinismus) beschränken diese ausladende Musikkultur, die im 19. Jh. nur mehr in der Messe und im pädagogischen Bereich weiterlebt. Cäcilianische Reformen (Cäcilianismus) werden z. T. zögerlich rezipiert, im 20. Jh. hält die uniformierte Solesmenser Choralpraxis Einzug, die nach dem 2. Vaticanum (Vatikanisches Konzil) radikal eingeschränkt wird. Von den Sängerknabeninstituten (heute nur noch in Altenburg und Göttweig) und Stiftsgymnasien gehen zahlreiche musikalische Impulse aus. Musikforschung v. a. in der Aufarbeitung eigener Quellen wird vereinzelt betrieben (z. B. A. Kellner in Kremsmünster). Vorhandene Musikarchive sind nur z. T. aufgearbeitet. In der Abtei Seckau wurde das deutschsprachig gesungene Officium parvum Christuslob entwickelt. Zahlreiche Abteien sind gesuchte Veranstaltungsorte für Konzerte in Kirchen und barocken Sälen.


Literatur
MGG 1 (1994); Kellner 1956; K. Hallinger (Hg.), Corpus Consuetudinum Monasticarum 1966ff.; J. Angerer, Die liturgisch-musikalische Erneuerung der Melker Reform 1974; Freeman 1989; R. Flotzinger Choralhandschriften österreichischer Provenienz in der Bodleian Library Oxford 1991; R. Flotzinger in Michaelsteiner Konferenzberichte 55 (1999); M. Czernin, Das Breviarium Monasticum Codex 290 (183) der Bundesstaatlichen Studienbibliothek in Linz, Diss. Wien 1992; St. Engels, Das Antiphonar von St. Peter in Salzburg Codex ÖNB Ser. Nov. 2700, 1994.

Autor(en)
Franz Karl Praßl
Empfohlene Zitierweise
Franz Karl Praßl, Art. „Benediktiner‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 25/05/2001]