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Mandolinenorchester
Aus Mandolinen gebildete Instrumental-Ensembles im Schatten der Arbeiterchorbewegung (Arbeitermusikbewegung). Zumeist in einem Gesangverein integriert oder aus diesem hervorgehend, verfügten diese Instrumentalgruppen naturgemäß nur über bescheidene technische Fähigkeiten und Literatur. Häufig handelte es sich um an populärer Unterhaltungsmusik ausgerichtete Schrammel-Quartette, in selteneren Fällen auch um Salonkapellen (Salonmusik). Erst mit der Gründung des Vereins für volkstümliche Musikpflege im Mai 1919, einer Art MSch. der Arbeiter-Kulturbewegung, erfuhr die Arbeiter-Musikbewegung neue entscheidende Impulse. Bereits im darauf folgenden Jahr verfügte der Verein über eine mit 15 MusikerInnen besetzte Orchesterschule.

Instrumentalgruppen bestimmten auch zu einem beträchtlichen Teil das Vereins- und Geselligkeitsleben der Arbeiterorganisationen. Zu einiger Bedeutung gelangten hier v. a. die M. (später auch Zither- und Harmonikaensembles). Ausgehend von den Naturfreunden, die zur Begleitung ihrer Wanderlieder Mandoline und Gitarre verwendeten, fanden diese Instrumente bald auch Verwendung im Rahmen der Arbeiter-Musikbewegung. Die Zahl der M. stieg in den 1920er Jahren deutlich an, sodass 1924 eine Dachorganisation gegründet wurde, der Zentralverband der Arbeiter-M. Österreichs. Initiatoren dieser Organisation waren Editha Nedorost, Josef Vibyral, Hans Fries und Friedrich Vogl. Der Verband gab ab Februar 1925 eine eigene Zeitschrift Die Neue Volksmusik heraus und veranstaltete im selben Jahr das erste Verbandskonzert (am 24.5.1925) im Wiener Konzerthaus. Seinen Zenit erreichte der Verband 1927 mit 40 Vereinen und insgesamt 1.632 Mitgliedern, die in ganz Österreich insgesamt 28 Konzerte veranstalteten. Diese erste organisierte Zusammenfassung der M. wurde schließlich im März 1929 um weitere Arbeiter-Orchestervereinigungen erweitert und zum Verband der Arbeiter-Musikvereine Österreichs (VAMÖ) umstrukturiert. Die Gruppe der M. blieb aber auch im neuen Verband deutlich der dominierende Bereich (so verzeichnete der Verband 1930 80 M., zwölf Zither-, vier Streich-, ein Tamburizza-, drei Blechorchester und elf Trommler- und Pfeifgruppen bei insgesamt 2.260 Mitgliedern). Die Programme der M. boten vorwiegend eine „bunte“ Mischung, wobei Arrangements populärer Schlager, Potpourris aus Operetten-Melodien, aber auch Bearbeitungen bekannter Opern-Arien, Volksmusikbearbeitungen, Walzer u. ä. das gängige Repertoire bildeten.


Literatur
R. Kannonier, Zwischen Beethoven und Eisler 1981; H. Brenner, Stimmt an das Lied … Das große österr. Arbeitersänger-Buch 1986; Arbeiter-Sängerzeitung 1.3.1920, 4; Jb. der Österr. Arbeiterbewegung 1927, 271 u. 1930, 424.

Autor(en)
Manfred Permoser
Empfohlene Zitierweise
Manfred Permoser, Art. „Mandolinenorchester‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 06/05/2001]