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Reinhard Reinhard Kilian: (Reinhardt, Reinhart, Reinharth), Familie
Kilian: * --1653/54 (Ort?), † 1729-03-2525.3.1729 Wien. Konzertmeister, Kopist. Über seine Herkunft ist nichts bekannt, bereits 1674 ist er in Wien als „Nottist“ nachweisbar. Ab ca. 1676/77 dürfte er am Wiener Kaiserhof in Dienst gestanden sein. 1683 wird er in die Hofmusikkapelle als Orchesterdiener und Kopist aufgenommen („Dispensatore delli concerti musicali“). 1699 erhielt er den Titel „Kayserlicher Musicus“ (obwohl er anscheinend nicht musikalisch tätig war), später zeichnete er als „kaiserlicher musikalischer Konzertmeister“ und war für die organisatorischen Belange der HMK zuständig. 1712 berief ihn Karl VI. in die Kommission zur Neuordnung der Hofkapelle. Sein Amt bekleidete er bis zum Tod, sein Vormerkbuch der Musikdienste der Hofkapelle stellt eine der wichtigsten Quellen zur Geschichte der kaiserlichen Hofmusik an der Wende vom 17. zum 18. Jh. dar. 1725 gehörte er der neu gegründeten Bruderschaft der Tonkünstler unter dem Schutze der heiligen Cäcilia bei St. Stephan als Rechnungsrevisor an.
Schriften
Rubriche Generali Per le Funzioni Ecclesiastiche Musicali di tutto l’Anno Con un’ Appendice in Fine dell’ Essenziali ad Uso, e Servizio dell’ Augustissima Austriaca, ed Imperiale Capella 1727 (Manuskript ÖNB, Auszüge bei Köchel 1869).


Seine Söhne

Joseph Franz (eig. Franz Joseph:) * 6.3.1685 Wien, † 27.9.1727 Wien. Violinist. War bis 1706 Hofscholar und wurde anschließend in den ordentlichen Dienst der HMK übernommen; wird auch als „Musicus“ an St. Stephan bezeichnet. 1725 war er einer der beiden „Festaruoli“ (Veranstalter der Festbegräbnisse) in der Cäcilien- Bruderschaft. J. J. Fux lobte seine Virtuosität.

Karl Mathias (Carl Matthias Ignaz): * 20.5.1711 Wien, † 31.1.1767 Wien. Organist. Halbbruder von J. F., war Schüler seines Cousins J. G. R. und ab 1720 Hofscholar. 1739 zum kaiserlichen Hof- und Kammerorganist berufen, übte er dieses Amt bis 1762 aus.


Werke
Requiem, Litanei.


Kilians Neffe Johann Georg: * 1676/77 Ochsenfurt, Bayern/D, † 6.11.1742 Wien. Organist, Kapellmeister, Komponist. Wurde von seinem Onkel erzogen und 1701 in die HMK aufgenommen. Über seine musikalische Ausbildung ist nichts bekannt. Zunächst Gehilfe der Hoforganisten F. T. Richter und F. M. Techelmann, berief man ihn 1710 zum regulären Hoforganisten; 1712 2. Hoforganist, 1728 als Nachfolger G. Reutters d. Ä. 1. Hoforganist. 1734 erhielt er den Titel „Hofkompositor“ und galt in der Folge als einer der möglichen Nachfolger von J. J. Fux als Hofkapellmeister. 1740 erfolgte seine Pensionierung. 1727–42 wirkte er auch als Kapellmeister beim Gnadenbild Maria Pötsch zu St. Stephan, bereits 1725 wird er als einer der sechs Räte der Cäcilien-Bruderschaft genannt. Um 1730 soll er auch Chorregent des Wiener Schottenstiftes gewesen sein. Im Kirchenmusikrepertoire der Hofkapelle jener Zeit sind R.s Werke neben jenen von M. A. Ziani, J. J. Fux und A. Caldara am stärksten vertreten.


Werke
Messen, kleinere Kirchenmusik, Oratorien (Il divino Imeneo di Santa Catterina 1716).


Söhne von Joseph Franz:

Johann Franz (Caietan Ignaz): * 29.7.1712 Wien, † 21.4.1761 Wien. Violinist. Schüler (Hofscholar 1725–30) seines Vaters, gehörte 1730–61 der HMK an und war ab 1740 auch an St. Stephan tätig.

Nikolaus (Niklas) Anton: * 9.8.1717 Wien, † 30.6.1798 Wien. Kirchenmusiker. 1750 Musiker an St. Michael, ab 1754/55 ist er als Musiker bei St. Stephan belegbar, bis 1783 auch an St. Anna (Wien I).

Johann Franz’ Sohn

Leopold: * 24.9.1739 Wien, † 24.1.1806 Wien. Violinist. Sein Taufpate war L. d. J. oder L. F. Christian. Er wird 1766 als Musiker bei St. Stephan erwähnt und war spätestens ab 1782 Violinist am Burgtheater, wo er 1787–95 auch als Orchesterdirektor beim deutschen Schauspiel fungierte (Nachfolger: P. Wranitzky). Bis 1783 dürfte er ein viel beschäftigter Kirchenmusiker gewesen sein (u. a. Kirche Am Hof und Universitätskirche), 1795–1806 gehörte er als Violinist der HMK an.

Nikolaus Antons Sohn

Joseph Anton: * 14.4.1758 Wien, † vor 1806? Wien?. Musiker. Wird anlässlich seiner Trauung 1792 und 1798 (hier bei St. Salvator in Wieden [Wien IV] wohnend) als Musiker bezeichnet. Unklar ist, ob auch sein Bruder Anton (vermutlich eig. Johannes Nikolaus, * 21.4.1760, † nach 1806? Wien?) als Musiker tätig war. A. wird 1794 bei seiner Verehelichung als Schreiber bezeichnet, beim Tod seines Cousins L. R. 1806 wird ein Musiker namens A. R. unter den Erben genannt; vielleicht ist damit aber J. A. gemeint.

Johann Georgs Sohn

Karl Joseph Anton: * 8.1.1715 Wien, † 7.9.1763 Wien. Organist. 1755–63 Organist im Wiener Schottenkloster.

Nicht verwandt mit der Familie war der Musikant Johann Georg R. (* vor 1743 Neulerchenfeld/NÖ [Wien XVI], † nach 1779 [Ort?]), der am 17.5.1762 in St. Ulrich (Wien VII) heiratete und bis 1779 in Spittelberg (Wien VII), Neubau (Wien VII) und Altlerchenfeld (Wien VIII) nachweisbar ist.

Nicht geklärt ist derzeit (2017), ob es ein Verwandtschaftsverhältnis des Musikers Franz R. (* ca. 1742 [Ort?], † 4.7.1819 Pressburg) zur Familie gab.


Literatur
NGroveD 21 (2001); MGG 11 (1963) u. 13 (2005); [Kat.] Musica Imperialis 1998; L. R. v. Köchel, Johann Joseph Fux 1872; EitnerQ 8 (1902); Köchel 1869; L. R. v. Köchel, Johann Josef Fux 1872; Knaus 1968 u. 1969, 1969a; O. Biba in Jb. f. österr. Kulturgesch. I/2 (1971); U. Lampert, Musik und Musiker am Hof von K. Josef I., Dipl.arb. Wien 1998; Th. Hochradner/G. M. Vörösmarty in Stud. mus. 41 (2000); D. Link, The National Court Theatre in Mozart’s Vienna 1998; M. Jahn, Die Wr. Hofoper von 1794 bis 1810, 2011, 13; Riemann 1975; Dlabacž 1815; M. Czernin, [Fs.] Die neuen Mathis-Orgeln in der Abteikirche Unserer Lieben Frau zu den Schotten in Wien 1996, 22; GerberNTL 3 (1813/14); Wurzbach 25 (1873); R. Topka, Der Hofstaat Kaiser Karl VI., Diss. Wien 1954; I. Kubiska-Scharl/M. Pölzl, Die Karrieren des Wr. Hofpersonals 1711–1765, 2013; MGÖ 2 (1995); Taufbuch 1685–87 der Dompfarre St. Stephan (Wien I), pag. 103; Taufbuch 1711–13 der Dompfarre St. Stephan, fol. 33 r u. 320r; Taufbuch 1713–15 der Dompfarre St. Stephan, fol. 413r; Taufbuch 1717–18 der Dompfarre St. Stephan, fol. 100r; Taufbuch 1739–41 der Dompfarre St. Stephan, fol. 27r; Taufbuch 1742–50 der Schottenpfarre (Wien I), fol. 388r; Taufbuch 1758–59 der Dompfarre St. Stephan, fol. 58r; Taufbuch 1760–62 der Dompfarre St. Stephan, fol. 72r und 211v; Taufbuch 1765–67 der Dompfarre St. Stephan, fol. 181r; Trauungsbuch 1710–11 der Dompfarre St. Stephan, pag. 53; Trauungsbuch 1711–14 der Dompfarre St. Stephan, pag. 1; Trauungsbuch 1704–07 der Dompfarre St. Stephan, pag. 766; Trauungsbuch 1759–62 der Pfarre St. Ulrich (Wien VII), fol. 308v; Trauungsbuch 1783–93 der Pfarre Wieden (Wien IV), fol. 213; Trauungsbuch 1789–1803 der Pfarre St. Rochus (Wien III), fol. 136; WStLA (G. Gugitz, Auszüge aus dem TBP 18. Jh. [Archivbehelf]; G. Gugitz, Auszüge über Persönlichkeiten des Wr. Kulturlebens [Archivbehelf]; Portheim-Kat.; versch. Verlassenschaftsabhandlungen der Familie R.).

Autor(en)
Christian Fastl
Empfohlene Zitierweise
Christian Fastl, Art. „Reinhard (Reinhardt, Reinhart, Reinharth), Familie‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 06/10/2017]