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Jugendsingen, Österreichisches
Seit 1948 bestehende Einrichtung zur Förderung des schulischen und außerschulischen chorischen Singens in Österreich. 1948 von Hugo Bondy und Peter Lalics, Beamten der Jugendabteilung des Bundesministeriums für Unterricht unter Bundesminister Felix Hurdes initiiert, künstlerischer Leiter wurde F. Burkhart. Beweggründe waren die Stärkung von Kultur und Österreich-Bewusstsein (Identität) und die Idee von Musik als erzieherischem Mittel, eingerichtet als Wettsingen mit Wettbewerbsbedingungen (Wettbewerbe) unter Betonung des Österreichbezuges; Gliederung in Bezirkssingen, Landessingen und Schlussbewerb in Wien vor einer vom Unterrichtsministerium bestellten Jury, festliche Schlussveranstaltung am 8.7.1948 mit 2000 Teilnehmern, Preise des Unterrichtsministeriums an die besten J.gruppen. Insgesamt nahmen 936 Chöre mit 33.054 Sängern und Sängerinnen teil. Im wesentlichen wurde diese Struktur in den Folgejahren beibehalten, nennenswerte Abweichungen waren: 1949 Durchführung nur auf Orts- und Bezirksebene und ohne Bewertung; 1950 wieder auf Bezirks-, Landes- und Bundesebene, jedoch ohne Bewertung in den Bezirken; einvernehmliche Bestellung der Landesjury durch Landesjugendreferenten und Fachinspektoren für Musik; bemerkenswert auch die Absage an Lieder mit nationalsozialistischem Gedankengut, Kriegsverherrlichung und Verstoß gegen das Heimatgefühl; 1951 Betonung der verbindenden, gemeinschaftlichen, öffentlichen und festlichen Gestaltung der Veranstaltungen; 1953 Einführung des freiwilligen Wertungssingens beim Bundessingen mit Einstudierung eines unbekannten neu komponierten Chorsatzes und Blattsingen durch Fachinspektor L. Rinderer unter Einbindung zeitgenössischer Komponisten. Dies führte zwar zur Steigerung des Niveaus, jedoch auch zur Kritik am Wettbewerbsgedanken zulasten der Orientierung zur Freude am Singen; 1956 besonders starke Beteiligung aufgrund des Mozartjahres, Bundessingen in Salzburg, erstmals Gastchöre aus dem Ausland; 1959 anlässlich des Andreas-Hofer-Jahres Bundessingen in Innsbruck unter dem Motto Österreichische Jugend in Freiheit, von nun Schlussveranstaltungen in den Landeshauptstädten; 1962 anlässlich des Steirischen Gedenkjahres Bundessingen in Graz, Forderung nach mehr medialer Unterstützung; 1965 Bundessingen in Klagenfurt, erstmals Gastchorleiter ohne Chor beim Bundessingen; 1968 zum 50-jährigen Bestand der Republik Österreich Abschluss in St. Florian, erste Schallplatte mit einem Querschnitt der öffentlichen Konzerte; 1971 anlässlich der 50-jährigen Zugehörigkeit des Burgenlandes zu Österreich Bundessingen in Eisenstadt, nun Spirituals, Songs und zeitgenössische Chormusik verstärkt im Repertoire; 1974 etwa 90.000 Sänger bei allen Veranstaltungen, 16.000 bei Landessingen, 2000 beim Bundesjugendsingen in Krems; 1977 E. Ortner neuer künstlerischer Leiter, erstmals Chorheft mit österreichischen Volksliedern und Chorsätzen alter Musik, Einführung einer verbalen Beurteilung, Abschluss in Wien; 1980 Einführung von Erinnerungsurkunden mit Prädikaten bei den Landesjugendsingen, Bundesjugendsingen in Vorarlberg; 1983 wird das Liederheft zum Pflichtliederheft für das Landesjugendsingen mit 3 Wertungsgruppen, Abschluss in Salzburg Für den Frieden zu singen; 1986 gehen die Agenden vom Unterrichtsministerium an das 1984 gegründete Bundesministerium für Familie, Jugend und Konsumentenschutz über; 1989 Bundessingen in Graz, Motto Unsere Lieder sind wie Blumen, alle Bereiche der Chormusik gleichmäßig vertreten, Volkslieder wieder aktueller; 1992 Bundessingen in Klagenfurt, Offenes Singen mit dem schwedischen „Chorpapst“ Robert Sund; 1995 bessere Differenzierung der Wertungsgruppen, Bundessingen in Linz; 1998 Bundessingen in Eisenstadt, burgenländische Gemeinschaftslieder mit Einbindung der ethnischen Gruppen; 2001 Einführung Singen vor Mikrophon als eigene Wertungsgruppe beim steirischen Landesjugendsingen, Bundessingen in Krems und St. Pölten.

Derzeit (2002) finden alle drei Jahre Veranstaltungen auf Orts-, Bezirks- und Regionalebene ohne Bewertung statt, die Bedingungen sind ganzheitlich musikalische Feste, organisiert von den Bezirksschulräten in Zusammenarbeit mit den Landesjugendreferaten, die zum Singen motivieren sollen. Die Landesjugendsingen sind Wettbewerbe mit Pflichtliedern, einem Volkslied und einem Wahllied vor einer Jury. Die Beurteilung erfolgt schriftlich-verbal nach technischen, musikalisch-künstlerischen Kriterien, Programmauswahl und künstlerischem Gesamteindruck. Die Bestqualifizierten pro Kategorie werden sodann zum Bundesjugendsingen, organisiert von den Landesjugendreferaten in Zusammenarbeit mit den Landesschulräten und den FachinspektorInnen für Musikerziehung, entsandt. Das Bundesjugendsingen findet abwechselnd in den Landeshauptstädten mit festlichen Eröffnungs- und Schlussveranstaltungen statt. Es gibt sowohl Singen im öffentlichen Raum, als auch soziales Singen. Die Chorkonzerte werden auf CD dokumentiert, im freiwilligen Wertungssingen sind Preise in 3 Kategorien vorgesehen, organisiert und finanziert vom Bundesministerium für soziale Sicherheit und Generationen und dem jeweiligen Landesjugendreferat. Dazu sind begleitende Fortbildungsveranstaltungen auf Bundes-, Landes- und Bezirksebene geplant, die Einführung von Mikrophon-Singen in der Landes- und Bundeswertung wird überlegt. Das nächste Jugendsingen findet 2004 mit Abschluss in Wien statt. Insgesamt wird die überwiegende Teilnahme von Schulchören aus dem Pflichtschulbereich, weniger von Chören aus den mittleren und höheren Schulen und dem außerschulischen Bereich angestrebt, ebenso eine bessere mediale Präsenz sowie steigendes Bewusstsein für das chorische Singen auf hohem Niveau.


Literatur
H. Bondy (Hg.), Österreichisches J. Ein Hb. für Chorleiter und die sangesfreudige Jugend 1948; Bundesministerium für soziale Sicherheit und Generationen (Hg.), Österreichisches J. 2001; Liederheft 2000; M. Koch in G. Peschl, AGMÖ 1947–1997, Musikerziehung in Österreich 1997.

Autor(en)
Marieluise Koch
Empfohlene Zitierweise
Marieluise Koch, Art. „Jugendsingen, Österreichisches‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 06/05/2001]