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Harmonietheater
Wiener Vorstadttheater (Wien IX, zwischen Wasagasse 32 u. 34 sowie Liechtensteinstraße 33 u. 35). Amalie Baronin v. Pasqualati (geb. v. Vogl, 1818–1903) errichtete im Palais Schönborn (Wien VIII, Laudongasse) ein Liebhabertheater, das bis 1862 bestand. Nach Erlangen der Baubewilligung für ein öffentliches Theater wurde 1865 in der Wasagasse nach Plänen von Otto Wagner durch Stadtbaumeister Anton Dittrich ein Wohnhaus mit Theater und Garten (der auch als Freilufttheater verwendet werden konnte) errichtet und am 20.1.1866 u. a. mit der komischen Oper Ein Abenteuer auf Vorposten von C. Barbieri unter der Leitung von Kapellmeister S. Bachrich eröffnet. Dem Theaterunternehmen gehörten neben der Baronin F. Strakosch und der Hofbeamte Franz Kratz an, die jedoch bald zurücktraten. In der wechselvollen Geschichte des reinen Unterhaltungstheaters – 1866 wurde das Theater nach finanziellem Zusammenbruch kurzfristig geschlossen – standen bis zum 19.4.1868 Lustspiele, Dramen von Ludwig Anzengruber, Opern und Operetten auf dem Programm, fanden Gastspiele statt und wurden Konzerte und Maskenbälle abgehalten. Kapellmeister waren neben Bachrich F. C. Konradin und K. Millöcker (dessen frühe Operette Diana 1868 dort uraufgeführt wurde) und ab 1867 auch als Direktor J. B. Klerr.

1868 pachtete der Direktor des Kremser Stadttheaters, Robert Löwe, das H., benannte es Orpheum und baute es zum Varieté um; die Innenarchitektur wurde dabei zerstört. Nach dem Konkurs Löwes übernahm 1872 E. Danzer das ehemalige H. Als Danzers Orpheum konnte es mit Varietévorstellungen große Erfolge erzielen. Danzers Nachfolger war Carl Wenzel Pertl († 1894), der 1886 auch das 3. Kaffeehaus im Prater kaufte und dort ein Sommerorpheum betrieb. 1895 folgte Franz Kriebaum als Pächter.

Nach vollständiger Renovierung eröffnete Gabor Steiner das Haus am 29.10.1900 mit der Ausstattungsoperette Venus auf Erden. Er wechselte im Spielplan zwischen Singhallen-Varieté und Theater (u. a. Operette Frühlingsluft von Jos. Strauß 1904). 1908–28 befand sich die als Sprechbühne geführte Neue Wiener Bühne darin. Danach wurden Zuschauerraum und Bühne abgetragen und 1934 an der Gassenfront Wohnungen eingerichtet.


Literatur
H. Pemmer, Das H. 1966; Czeike 3 (1994); Hadamowsky 1988; E. Lampl, Die Oper auf den Wr. Vorstadtbühnen 1776–1865, Diss. Wien 1987.

Autor(en)
Andrea Harrandt
Empfohlene Zitierweise
Andrea Harrandt, Art. „Harmonietheater‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 06/05/2001]