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Kammerkantate
Gattung der weltlichen Vokalmusik des 17. u. 18. Jh.s meist für nur einen Sänger, Generalbass und gelegentlich auch Melodieinstrumente, gewöhnlich mit episch-lyrischem italienischem Text, zum Vortrag im höfisch-adeligen Bereich; die Serenata dagegen hat dramatische Texte, mehrere Sänger und große Instrumentalbesetzung.

G. Sances gehörte zu den ersten, die den Begriff „Cantada“ verwendeten, und bezeichnete in seinen Drucken von 1633 und 1636 damit sowohl die ältere Art mit strophischen Variationen als auch die ab Mitte des 17. Jh.s herrschende mit Abwechslung von Rezitativ, Arioso und Arie, wenn auch noch über Bassi ostinati. Nach seiner Anstellung am Wiener Hof (1636) komponierte er zahlreiche weitere Kantaten, auch für zwei und mehr Stimmen, von denen noch zwei Sammlungen in Venedig gedruckt wurden, viele aber verloren sind, ebenso wie fast alle der 185 Kantaten für ein bis acht Stimmen von A. Bertali.

Die nächste Generation von Italienern in Österreich repräsentiert A. Cesti an den Höfen von Innsbruck und Wien; seine zahlreichen Solokantaten fanden v. a. in Italien in Handschriften Verbreitung, wie die Gattung überhaupt in der 2. Jh.hälfte kaum mehr gedruckt wurde. Nach seinem Tod war nur mehr am Wiener Hof bescheidener Bedarf für sie, der von A. Draghi, F. Vismarri, A. M. Viviani, C. Cappellini und G. B. Pederzuoli gedeckt wurde. Der Aufbau ihrer Werke folgt noch keinem Schema; refrainartige Wiederkehr von Arien und Ariosi sorgt für Zusammenhalt. Pederzuoli, Draghi und später M. A. Ziani und A. M. Bononcini lassen sich einige Kantaten als Wiener Werke bestimmen, doch welche der mehrere hundert Kantaten G. Bononcinis in oder für Wien geschrieben wurden, lässt sich kaum feststellen, was ebenso für die nicht weniger zahlreichen von A. Caldara zutrifft, der aber wesentlich länger am Kaiserhof tätig war. Es sind ein- und zweistimmige Stücke ohne oder mit obligaten Instrumenten, wie man sie – in geringerer Zahl, aber höchster Qualität – auch von F. B. Conti findet, der sie für den Kaiserhof komponierte und sein Instrument, die Laute, aber auch Chalumeau und Querflöte (Flöte) neben Violinen obligat einsetzte. Im ersten Jahrzehnt des 18. Jh.s gab es bei großer Besetzung auch Concerto-grosso-Struktur. Eine kleine Anzahl von Kantaten hat G. Porsile hinterlassen.

Schon außerhalb der Blütezeit der Gattung liegen J. A. Hasses große Kantaten mit Orchester, die er seit 1760 für Wien schrieb, und J. A. Haydns Arianna a Naxos für Sopran und Clavier.


Literatur
J. Torbe, Die weltliche Solokantate in Wien um die Wende des 17./18. Jh.s, Diss. Wien 1920; L. E. Bennett, The Italian Cantata in Vienna, c. 1700-1711, Diss. N.Y. Univ. 1980; L. E. Bennett in B. W. Pritchard (Hg.), Antonio Caldara. Essays on his life and times 1987; MGG 4 (1996).

Autor(en)
Herbert Seifert
Empfohlene Zitierweise
Herbert Seifert, Art. „Kammerkantate‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 06/05/2001]