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Loewe, Loewe, true Johann Gottfried Carl
* 1796 -09-3030.9.1796 Löbejün bei Halle an der Saale/D, † 1869-04-2020.4.1869 Kiel/D. Komponist, Sänger, Pianist. Zunächst übernahm sein Vater Andreas L., Kantor an der evangelischen Kirche in Löbejün die allgemeine musikalische Ausbildung. Schon früh trat er in der Kirche als Sänger hervor. Noch als Sopransolist kam L. mit der Gesangsmethode und den Vokalübungen Vincenzo Righinis in Berührung. Nach einer kürzeren Zeit im Chor des Hofes zu Köthen/D, wurde L. ab 1810 in Halle an der Saale Schüler von D. G. Türk, der ihn im Tonsatz, im Gesang und in Musiktheorie unterrichtete. Als Sänger wirkte er solistisch in vielen konzertanten Opernaufführungen unter Türks Leitung mit und lernte hierdurch bereits in jungen Jahren die Opern- und Oratorienliteratur jener Zeit kennen. Oft besuchte er im Auftrag seines Lehrers als Überbringer von Briefen das in der Nähe Halles gelegene Gut des Komponisten und engen Goethe-Vertrauten J. F. Reichardt. Zusammen mit Reichardts Tochter wurden neueste Arbeiten des Komponisten gesungen. Dieses enge Verhältnis zu Reichardt blieb nicht ohne musikalischen Einfluss auf L., der in vielen seiner Werke – wenn auch in modifizierter Form – deutliche Hinweise, zum Beispiel im formalen Aufbau, auf die Kompositionsweise Reichardts gibt. Nach abermaligen politischen Veränderungen in Europa, dem damit verbundenen Verlust des Stipendiums und dem Tode Türks 1813, besuchte L. wieder das Gymnasium in Halle, um nach der Reifeprüfung an der dortigen Univ. Theologie zu inskribieren. Während der Studienzeit entstanden die ersten gedruckten und in L.s eigenes WV aufgenommenen Kompositionen. Edward und der Erlkönig, die bereits allgemeine Bewunderung hervorriefen und von L.s außergewöhnlichem dramatischen Talent zeugten. L. bewarb sich um die vakant gewordene Stelle des Kantors am Rats-Lyceum in Stettin (Szczecin/PL), die er nach einer bei Carl Friedrich Zelter zu absolvierenden Aufnahmeprüfung zugesprochen erhielt. Vor seinem Amtsantritt in Stettin hatte L. Gelegenheit, J. W. v. Goethe in Jena/D zu besuchen. Schon bald nach dem Eintreffen L.s in Stettin 1820 wurde vom Magistrat das Amt eines „Musikdirektors“ ins Leben gerufen und L. übertragen. Stettin war von L. zunächst nur als Zwischenstation angesehen worden, doch ließ ihn die Hansemetropole an der Ostsee bis 1866 nicht mehr los. Hier entstanden die meisten großen Kompositionen, hier improvisierte er fast täglich auf der großen Orgel der St. Jacobi Kirche. In Fortführung der Klavierschule seines Lehrers D. G. Türk, verfasste L. selbst musikpädagogische Werke. In Oratorienaufführungen übernahm er oft die Tenorpartien und als Interpret seiner Lied- und Balladenkompositionen begleitete er sich stets selbst am Klavier. War er in den Ferien frei von den Pflichten an Kirche und Schule, so unternahm L. ausgedehnte Reisen, in denen er seine Kompositionen vortrug. Die Tourneen brachten ihn bis an den Hof Königin Victorias von England. L.s enormen Schaffensdrang bereitete im Februar 1864 ein Schlaganfall ein jähes Ende, der eine sechswöchige Bewusstlosigkeit sowie in der Folge auch schwere Lähmungserscheinungen nach sich zog. Eine vom Stettiner Magistrat erzwungene Pensionierung veranlasste L. 1866, Stettin für immer zu verlassen und nach Kiel zu ziehen. Hier lebte der früher so kontaktfreudige L. äußerst zurückgezogen und empfing nur noch selten Besuch. Einer der wenigen Besucher 1868 war J. Brahms, gemeinsam mit dem Sänger Julius Stockhausen. Im Sommer des Jahres 1844 führte L. eine Reise nach Wien, wo er seinen ehemaligen Schüler, Walther v. Goethe, besuchen und einige Konzerte geben wollte. Es entstand ein intensiver persönlicher Kontakt mit dem Pianisten J. Fischhof, dem Dichter Ludwig August Frankl, F. v. Schwarzenberg und dem Komponisten J. Hoven (J. Vesque v. Püttlingen). Neben kleineren Balladenvorträgen im privaten Rahmen z. B. bei Ottilie v. Goethe, bei der auch F. Grillparzer anwesend war, gab L. zwei größere Konzerte in den Streicherschen Sälen in der Ungargasse (Wien III), wo er, sich selbst begleitend, Balladenvertonungen eigener Feder vortrug. Gemeinsam mit dem Geiger J. Mayseder und dem Cellisten Karl Gross, spielte er sein Klaviertrio. L. konnte in Wien mehrere Werke bei Mechetti verlegen. Nach seiner Rückreise nach Stettin bemühte sich L. sehr, am Wiener Kaiserhof konzertieren zu dürfen, eine Oratorienaufführung zu organisieren und auch um die vakanten Posten des Direktors des Konservatoriums und des Domkapellmeisters zu St. Stephan. Alle Versuche, hier stärker Fuß zu fassen, schlugen allerdings fehl. Viele Jahre nach seiner Reise stand L. noch mit Vesque v. Püttlingen in Briefverkehr. Dazu gesellte sich noch der Schriftsteller und Komponist C. Debrois v. Bruyck, der zwischen Friedrich Hebbel und L. Kontakt herzustellen versuchte. Aufgrund eines schlechten Urteils L.s über R. Schumann zerbrach im 1856 aber auch dieser Kontakt mit v. Bruyck und damit enden L.s Beziehungen zu Österreich.
Gedenkstätten
K. L.-Gasse (Wien XII); L.gasse (Graz XV).
Ehrungen
Ehrendoktorat der Univ. Greifswald/D 1832; Ritter des Roten Adlerordens 3. Kl.; o. M. der Akad. der Künste in Berlin; Ehrenmitglied der GdM in Wien 1852.
Werke
5 Opern, 16 Oratorien, Chorwerke, über 500 Lied- und Balladenvertonungen, Kammermusik, Instrumentalkonzerte und Symphonien.
Literatur
NGroveD 15 (1002); MGG 8 (1960); R. Hanzlik, C. L. – der „norddt. Schubert” in Wien 2002; C. H. Bittner, Dr. C. L.’s Selbstbiographie 1870; H. Bulthaupt, C. L. 1898; M. Runze, Karl L. 1905; K. Anton, Beiträge zur Biographie C. L.s 1912; H. J. Kühn, J. C. G. L. 1996.

Autor(en)
Robert Hanzlik
Empfohlene Zitierweise
Robert Hanzlik, Art. „Loewe, Johann Gottfried Carl‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 06/05/2001]