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Spaun, Spaun, true Familie von
Die aus Schwaben stammende Familie wurde 1721 in den Reichsritterstand erhoben. Für die Musikgeschichte von Bedeutung sind die Kinder des in Linz tätigen Syndikus Franz Xaver R. v. Sp. (1756–1804) und seiner Musik liebenden Frau Josefa, geb. von Steyrer (verwitwete Heretmüller; 1757–1835).

Josef: * 11.11.1788 Linz, † 25.11.1865 Linz (begr. Traunkirchen/OÖ). Studierte 1806–09 Jus in Wien und trat anschließend in den Staatsdienst ein. Zunächst Kreisamtspraktikant in Linz und Freistadt/OÖ, war er 1811–13 Konzeptspraktikant in der allgemeinen Hofkammer, 1813 Konzipist bei der Lottodirektion, 1818 Hofkonzipist, 1821–25 Bancal-Assessor in Linz und 1825/26 in Lemberg (L’viv/UA; hier Kontakt mit F. X. W. Mozart). 1826 wurde er 3. Assessor bei der Lottodirektion, 1841–61 deren Leiter; 1840–50 auch Leiter des Hoftaxamtes. Eng verknüpft ist Sp.s Biographie mit jener von Fr. Schubert, den er im November 1808 im Wiener Stadtkonvikt kennen lernte. Er förderte Schuberts Talent maßgeblich, seine Kontakte und Freundschaften (M. K. v. Collin, Karl Enderes, Josef v. Gahy, J. Kenner, Th. Körner, L. Kupelwieser, Johann Baptist Mayrhofer, Franz v. Schober, Moritz v. Schwind, Josef Wilhelm Witteczek) waren von großer Bedeutung für die noch junge Künstlerkarriere Schuberts. 1816 wohnten die beiden für kurze Zeit im gleichen Haus (Wien III, Erdbergstraße 17). Sp. war es auch, der (neben Al. Stadler) Schubert 1823 in die Linzer Gesellschaft einführte. 1826–28 fanden zahlreiche Schubertiaden in Sp.s Wiener Haus statt, die letzte zu Lebzeiten Schuberts am 28.1.1828. Schubert vertonte 1817 ein Gedicht Sp.s (Der Jünger und der Tod, D 545), auch verewigte er ihn in der Vertonung des humorvollen Briefes von Collin, Herrn J. Sp., Assessor in Linz (D 749, 1822) und widmete ihm 1822 die drei Lieder op. 13 (D 517, D 711 und D 524; 1822) sowie 1827 die G-Dur-Klaviersonate D 894 (1827). Vermutlich für Sp.s spätere Frau (1828) Franziska Roner von Ehrenwerth (1795–1890) schrieb Schubert die vier Canzonen D 688 (1820). Sp. galt als bester Freund Schuberts, zumindest wird er von Schwind in einem Brief an Sp.s Nichte Henriette nach dessen Tod als solcher bezeichnet. Seine Sammlung von Schuberts Werken, die er aus dem Besitz von Witteczek übernommen hatte, vermachte er der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien. Sein Sohn Hermann (1833–1919) wurde Admiral der K. u. k. Marine.


Ehrungen
Reg.rat 1835; Hofrat u. Ehrenbürger der Stadt Wien 1841; Orden der Eisernen Krone III. Klasse 1854; Freiherrenstand 1859.
Schriften
Über Franz Schubert in Österr. Bürgerbl. f. Verstand, Herz u. gute Laune 27.3., 30.3. u. 3.4.1829 (NA: G. Schünemann [Hg.], Erinnerungen an Schubert. J. v. Sp.s erste Lebensbeschreibung 1936 [z. T. bei Deutsch 1957]); Aufzeichnungen über meinen Verkehr mit Franz Schubert (bei Deutsch 1957); Einige Bemerkungen über die Biografie Schuberts von Herrn Ritter v. Kreißle-Hellborn [datiert mit 29.12.1864] in Neues um Franz Schubert, hg. v. Wiener Schubertbund 1934; Sp.-Chronik [Familienchronik], Ms. 1864 (Kopie in der ÖNB; Auszüge bei Glossy 1898 u. Deutsch 1957).


Seine Brüder

Anton: * 31.5.1790 Linz, † 26.6.1849 Kremsmünster/OÖ. Jurist, Geschichts- und Literaturforscher. Studierte Jus in Linz, trat 1810 in Staatsdienste und war 1839–49 Syndikus der oberösterreichischen Landstände. Der nebenbei literarisch tätige Sp. war auch einer der Mitbegründer des oberösterreichischen Landesmuseums. A. v. Sp. galt als eigentlicher geistiger Mittelpunkt der Familie und des oberösterreichischen Schubert-Kreises. Bei ihm und seiner Frau (1818) Henriette von Vogelsang (1798–1870) brachten Schubert, den er ca. 1814/16 persönlich kennen lernte, und J. Vogl im Oktober 1825 in Linz einige Lieder Schuberts zu Gehör. Seine Tochter Henriette (1819–88) war eine beliebte Schubertsängerin.


Gedenkstätten
Sp.gasse (Wien XX).
Ehrungen
k. M. der Österr. Akad. der Wissenschaften 1848.
Schriften
Heinrich v. Ofterdingen u. das Nibelungenlied. Mit einem Anhange: Proben österr. Volksweisen im Rhythmus des Nibelungenliedes 1840; (Hg.) Die österr. Volksweisen dargestellt in einer Auswahl v. Liedern, Tänzen u. Alpenmelodien 1845 (31882, s. Abb.); Die Klage, ein dt. Heldengedicht des zwölften Jh.s erzählt u. erläutert 1848; Artikel in Ztg.en u. Zss.


Max (Maximilian Gandolf; Spitznamen: Spax, Spaxel, Spax Maun): * 5.8.1797 Linz, † 4.4.1844 Wien. Beamter. Verbrachte ebenfalls einige Zeit im Wiener Stadtkonvikt, wo er als Cellist im Orchester mitwirkte und Schubert kennen lernte. Er trat als Hofsekretär in die K. k. allgemeine Hofkammer ein und nahm ab 1826 regelmäßig an Schubertiaden teil.

Auch die beiden weiteren Geschwister, der Beamte Franz Xaver (Dominik?; 1792–1829) und die seit 1819 mit A. v. Ottenwalt verheiratete Marie (1795–1847), gehörten dem erweiterten Schubert-Kreis an.


Literatur
Lit (chron.): L. R. v. Köchel in Wr. Ztg. 9.3.1866; Wurzbach 36 (1878); C. Glossy in Jb. der Grillparzer-Ges. 8 (1898); Wr. Genealogisches Taschenbuch 2 (1927/28), 276–282; J. Angsüßer, Das Geschlecht der Ritter v. Sp. in der dt. Literatur, Diss. Wien 1929; H. Prosl, Der Freundeskreis um A. v. Sp., Diss. Innsbruck 1951; Deutsch, Schubert Erinnerungen 1957; D. Lyon, A. v. Sp., Diss. Graz 1964; Deutsch, Schubert Dokumente 1980; D. Gramit in Schubert durch die Brille 8 (1992); H. Jäger-Sunstenau, Die Ehrenbürger u. Bürger ehrenhalber der Stadt Wien 1992; P. Gülke, Franz Schubert u. seine Zeit 21996; Czeike 5 (1997); W. Dürr/A. Krause (Hg.), Schubert-Hb. 1997; P. Clive, Schubert and His World 1997; SchubertL 1997; K. Kasper in Schubert durch die Brille 18 (1997); T. G. Waidelich in ÖMZ 54/3 (1999); E. Hilmar in Schubert durch die Brille 23 (1999); M. Lorenz, Studien zum Schubert-Kreis, Diss. Wien 2001; E. Hilmar (Hg.), Franz Schubert. Dokumente 1801–1830, 1 (2003).

Autor(en)
Christian Fastl
Empfohlene Zitierweise
Christian Fastl, Art. „Spaun, Familie von‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 06/10/2004]