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Ursulinen (Ursulinerinnen)
Katholischer Frauenorden, bedeutsam für Jugenderziehung, Unterricht und Frauenbildung. Zurückgehend auf die von Angela Merici (1470/74–1540, 1807 kanonisiert) aus Desenzano/I 1535 in Brescia/I gegründete Gesellschaft der Hl. Ursula. Diese Compagnia di Sant’ Orsola, 1536 durch den Bischof von Brescia approbiert, 1544 von Papst Paul III. bestätigt, verpflichtete zunächst ihre Mitglieder zu einem Leben in Jungfräulichkeit und Zurückgezogenheit in der eigenen Familie. Niederlassungen der Gemeinschaft in Oberitalien und Südfrankreich. In Mailand/I (1568) Beginn eines gemeinschaftlichen Lebens unter einfachen Gelübden und teilweiser Klausur. In Paris (1608) Konstituierung als Orden (nach der Regel des Hl. Augustinus). Analog zu den Jesuiten wird der Kongregation als weiteres (4.) Gelübde die christliche Erziehung der weiblichen Jugend auferlegt.

Die Kongregationen von Bordeaux/F und Lüttich (Liège/B) sind bedeutsam für die Klostergründungen in Deutschland und Österreich, wobei die in Wien (1660) von Eleonora II. über Prag, betrieben wurde. Weitere Niederlassungen u. a. in Klagenfurt (1670), Görz (Gorizia/I; 1672), Pressburg (1676), Linz (1679), Graz (1686), Salzburg (1695), Laibach (1703) und Innsbruck (1705). Das Apostolat von Unterricht und Erziehung der weiblichen Jugend wurde von den Kongregationen beibehalten, wobei im 17. Jh. dies bevorzugt die „Kinder des Adels“ betraf, die bisher „der Erziehung wegen nach auswärts verschickt werden mussten“ (Chronik Denckbuch Graz. Die Unterrichtstätigkeit bewahrte die U. im Übrigen vor der josephinischen Klosteraufhebung).

Die heute (2006) in Österreich befindlichen Konvente der U. sind einerseits in der (seit 1900/03 durch Papst Leo XIII. approbierten und auf allen Kontinenten vertretenen) Römischen Union (Wien, Klagenfurt, Salzburg-Gasten und Leoben) konföderiert, andererseits in der Föderation der deutschsprachigen Ursulinen (Graz und Innsbruck) zusammengefasst (ihre Schulen waren während der Zeit des Nationalsozialismus 1938–45 geschlossen).

Relevante Quellen zur Musikpraxis der Frühzeit sind insbesondere Annuarien, Nekrologe und Klosterchroniken. Sie informieren sowohl über geistliche als auch profane Gepflogenheiten des Musizierens (über musikalische Gestaltung von Messen, Gedenktagen und Festen, über lateinische Gesänge, Choral- und Figuralmusik). Demnach war das zeitgenössische Instrumentarium (Saiten-, Blasinstrumente, Orgel und Perkussion) im klösterlichen Milieu ebenso in Gebrauch, wie die Pflege der Comedia, Tanz und Musikunterricht aktuell. (So ist beispielsweise im Grazer Konvent des 17. Jh.s der „Stadtmusicus“ Stefan Hörl als „Instructor der Music“ namentlich überliefert; analoges betreffend Unterricht wird auch für den Konvent in Pressburg bestätigt.) Die Archivbestandsaufnahme in Bezug auf Notenmaterial einzelner U.-Konvente (des 17.–20. Jh.s) steht indes noch aus.

Heute bestehende Schulen (Pflichtschulen unterschiedlichster Art) der U. haben sich den Strömungen des Musikgeschmacks von Ort und Zeit angepasst. Bands, Pop, Jazz oder auch das Kabarett prägen das Schulprofil gleichermaßen wie traditioneller Chorgesang.


Literatur
Denck Buch… [Chronik der Ursulinen zu Graz, 1686–1772]; L. M. Koldau, Frauen – Musik – Kultur. Ein Hb. zum dt. Sprachgebiet der Frühen Neuzeit 2005; Ch. Schneider, Kloster als Lebensform. Der Wr. U.-Konvent in der 2. Hälfte des 18. Jh.s (1740–1790), 2005; 100 Jahre insieme. U. der Römischen Union 1999 [Kalender 2000]; [Kat.] „wir waren ja nur Mädchen“. Ausstellung U.-Schule 1945–68 Linz [1999]; J. Zapletal, Das Ursulinnen [!]-Kloster zu Graz 1686–1765, 1886; Zeremonienbuch der U. von Graz 1913; Zwei Jh.e des U.-Klosters in Wien 1660–1860, 1860; G. Haas in MusAu 18 (1999); Czeike 5 (1997).

Autor(en)
Gerlinde Haas
Empfohlene Zitierweise
Gerlinde Haas, Art. „Ursulinen (Ursulinerinnen)‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 06/05/2001]