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Leoben
Zweitgrößte Stadt der Steiermark und Hauptort des steirischen Oberlandes; verdankt ihren Aufschwung als Industriestandort, Bezirks- u. Univ.sstadt ihrer begünstigten Lage an den internationalen Straßen und Bahnlinien. Früheste Zeugnisse menschlicher Besiedlungen sind Steinbeile aus der Jungsteinzeit, gefolgt von Funden aus der Bronzezeit (Archäologische Funde). Die Steinkistengräber von L.-Hinterberg aus dem 1. Jahrtausend v. Chr. lassen eine frühzeitige bergbauliche Tätigkeit vermuten. Durch viele Funde ist die Anwesenheit der Römer nachgewiesen (L. gehörte zur Provinz Noricum; Austria Romana). Die erste Nennung von Liupina (904) galt für das gesamte Tal des Vordernbergerbaches. Der Markt L. (forum Liuben) als Vorläufer der heutigen Stadt wurde 1173 erstmals urkundlich erwähnt. Kurz nach 1262 fand auf Wunsch des damals als steirischer Hzg. agierenden Königs Ottokar II. und zur Verbesserung der inneren Verteidigung eine Ortsverlegung nach Norden, in die Murschlinge statt. Anlass dafür waren die Rechtsansprüche, die Margarethe, die Schwester des letzten Babenbergers, und ihre Nichte Gertrude gegen den Böhmenkönig erhoben hatten. Unter ihren Anhängern befand sich auch Ulrich von Liechtenstein, der auf seiner Fahrt 1227 in Begleitung seiner Spielleute (Spielmann) nach L. kam und die Stadt auch im Frauendienst erwähnt. Die älteste Nennung als Stadt (civitas) findet sich 1280 in einem Schenkungsbrief an die während der Neugründung zugezogenen Dominikaner.

Wesentlicher Grundbesitz gehörte ursprünglich der hochadeligen Familie der Aribonen (seit 904), dann dem von diesem Geschlecht vor 1020 gestifteten nahen Nonnenkloster Göß. L. war bereits im Spätmittelalter weitgehend vom Eisenhandel bestimmt. 1314 verlieh König Friedrich der Schöne das für die Stadt wichtige Recht des Rauheisenverlages (durch Kaiser Joseph II. 1782 aufgehoben) aller in Vordernberg erschmolzenen Eisenmengen. Damit wurde L. zum Mittelpunkt des Roheisenhandels in der Obersteiermark. Ferner spielten auch der Salz-, Wein- und Holzhandel eine Rolle, ebenso die Holzkohlenproduktion für die Rad- und Hammerwerke des Erzberggebietes und der Eisenwurzen sowie der Kohlenbergbau im Stadtgebiet.

1476 wurde von Kaiser Friedrich III. das Recht bestätigt, aus den Reihen der Bürger einen Stadtrichter zu wählen, und 1541 gestattete König Ferdinand I. die Wahl eines Bürgermeisters. Das Montanwesen prägte auch weiterhin die Stadt. So besitzt L. die einzige Montanuniv. Österreichs, hervorgegangen aus der 1849 von Vordernberg nach L. verlegten steirisch ständischen Montanlehranstalt (1835 auf Anregung von Erzhzg. Johann gegründet und 1840 eröffnet; 1861 Bergakad., heute Univ.).

Die schwersten Krisen entstanden durch die militärisch-politischen Auswirkungen der Franzosenkriege 1797–1810. Das wichtigste politische Ereignis in diesem Zusammenhang war die Unterzeichnung des L.er Vorfriedens zwischen Österreich und Frankreich am 18.4.1797 in Anwesenheit Napoleons.

1185 wurde die Vorstadtpfarre Maria am Waasen, mit kostbaren Glasgemälden aus dem 15. Jh. (die Danielscheibe ist eine der ältesten Darstellungen dieses Bergmannsheiligen), urkundlich erwähnt. Erst gegen Ende des 16. Jh.s setzten Nachrichten über Orgeln und Organisten ein, die bestehende Orgel wurde 1911 durch K. Hopferwieser errichtet. Kurze Zeit ist nach 1768 ein L.er Glockengießer (Glockenguss), Josef Hammerschmied, nachzuweisen.

1188 wurde die Kirche St. Jakob, die bis 1810 Haupt- und Stadtpfarrkirche war, erstmals urkundlich erwähnt. 1811 wurde die Pfarre in die seit 1773 leerstehende ehemalige Jesuitenkirche St. Xaver verlegt. Seitdem ist die Jakobikirche nur noch Filial- und Friedhofkirche. Heute noch erhalten ist die Glocke aus dem Jahre 1479, vermutlich vom Judenburger Gießer Niklas Grünwald. Bereits ins Mittelalter zurück verfolgen lässt sich hier die Existenz einer Orgel, im 16. Jh. findet zusätzlich die Verwendung eines Orgelpositivs und einer Tragorgel für Prozessionen Erwähnung. Die heutige (2003) Orgel wurde 1904 von E. Hopferwieser (Graz) erbaut und 1975 durch die Grazer Firma Jo. Krenn umgebaut. Der erste in L. namentlich bekannte Organist ist der 1568 aus Seckau kommende Ernst Schwimbeckher, auf den 1573 Hieronymus Puechleutter folgte; 1607 wurde der Organist des nahen Stiftes Göß, Andre Khopaun, Stadtorganist. Die Matriken von St. Jakob zählen zu den frühesten des Landes (Taufbücher seit 1595).

Die älteste Kirchengründung innerhalb der Altstadt von L. ist die Dominikanerkirche, die kurz nach 1262 gemeinsam mit dem Kloster errichtet wurde. Ein L.er Dominikaner (Anonymus Leobiensis) begann hier ein Chronicon für die Zeit 979–1480 zu kompilieren. 1811 wurde die Kirche profaniert (Salzmagazin, heute Kreisgericht). Die Musiksammlung der ÖNB verwahrt unter den Signaturen Mus.Hs. 15947 und 15510 zwei Gradualien aus dem ehemaligen Dominikanerkloster St. Florian, die um 1480/90 entstanden sind. Zu Beginn des Temporale ist der Klosterpatron in einer kunstvollen Initialminiatur abgebildet (s. Abb.). Als Kloster besteht heute in der Stadt nur noch das 1834 gegründete Redemptoristenkolleg (mit Kirche) in der Vorstadt Mühltal.

1568 findet erstmals ein Hornwerk Erwähnung, dessen Existenz bereits in der 1. Hälfte des 16. Jh.s vermutet wird. Die letzte Nachricht über das L.er Horn stammt aus dem Jahre 1743. 1652 wird der L.er Orgelbauer Wolf Stuber erwähnt, der eine Orgel mit vier Registern für die Admonter Kapelle „am Lindenbüchl ob Winklern“ herstellte.

1255–67 ist ein Schulmeister Dietrich urkundlich belegt, ohne dass wir über sein musikerzieherisches Wirken unterrichtet wären. Nur 1455–57 ist ein Schulmeister im Zusammenhang mit der Kirchenmusik erwähnt. Ab 1503 sind dann in den Kirchenrechnungen von St. Jakob laufend Schulmeister genannt. Spätestens seit 1541 unterhielt die Stadt eine Lateinschule und seit 1536 sind die Schulmeister namentlich bekannt (der erste ist Hans Muscateller, bis 1540). 1563 ist ein „deutscher Schulhalter“ für die Mädchen, 1564 ein „lateinischer“ Schulmeister mit zwei Gehilfen genannt. Nach einer Ordnung von 1569 hatte der lateinische die Knaben, der deutsche die Mädchen zu unterrichten. Die Schulmeister waren zu dieser Zeit evangelischen Bekenntnisses und mussten die Stadt noch vor Durchsetzung der Gegenreformation verlassen. Die L.er Bürgerschaft bekannte sich schon sehr früh (1524) zum Protestantismus. 1598 wurde unter Erzhzg. Ferdinand II. die erste Reformationsordnung für L. erlassen, nach der u. a. nur katholische, vom Pfarrer bestätigte Schulmeister angestellt werden durften. Die gewaltsame und endgültige Rekatholisierung der L.er Einwohnerschaft erfolgte 1600. Nach dem Erlass des Protestantenpatents 1861 nahm die Zahl der evangelischen Christen in L. wieder zu. 1908 wurde die evangelische Gustav-Adolf-Kirche erbaut.

Zur Festigung der Rekatholisierung berief Ferdinand die Jesuiten nach L., ab 1613 hatten sie ihr Kolleg in der ehemaligen landesfürstlichen Burg. Ihre Ordenskirche des Hl. Franz Xaver wurde wahrscheinlich 1660–65 vom L.er Baumeister Pietro Francesco Carlone (1606–80) erbaut, die heutige Orgel von K. Hopferwieser stammt aus dem Jahre 1914. 1620 errichteten die Jesuiten eine Lateinschule, die ab 1640 zum Vollgymnasium ausgebaut wurde. Nach der Aufhebung des Ordens wurde das Stiftsgymnasium ab 1786 von den Admonter Benediktinern weitergeführt, 1808 jedoch aufgelassen. 1862 gründete die Stadt eine Unterrealschule, die 1865 in ein Unterrealgymnasium und 1881 in ein achtklassiges Gymnasium umgewandelt wurde.

1636 ist die erste Aufführung eines Jesuitendrama bezeugt (Cyprianus et Justina Martyres), von denen für das 17. Jh. 19 und für das 18. Jh. 105 namentlich bekannt sind. Bei den Aufführungen mit musikalisch gestalteten Einschüben wirkten auch Berufsmusiker, wie G. Häntsch, als Sänger mit. Auskunft darüber geben die 1639–1770 zahlreich erhaltenen Periochen. Höhepunkte des L.er Jesuitentheaters waren die prunkvollen, opernhaft angelegten Aufführungen von 1707, 1709 und 1710. Das Jesuitendrama war jedoch nicht die einzige Form des Theaters. Der L.er Raum kann auf eine sehr reiche Tradition des geistlichen Spiels, besonders des Passionsspiels, zurückblicken. (Die bisher älteste Nachricht über ein geistliches Volksschauspiel stammt aus Trofaiach 1516.) 1568 wird erstmals vom „Comedi“-Spiel der Schulknaben unter Schulmeister Christoph Weinmüller berichtet. Von 1644 an sind Passionsspiele nachweisbar, die nach dem Verbot von 1767 nicht mehr auflebten. Von wandernden Komödiantentruppen wurden, 1599 erstmals bezeugt, weltliche Theaterspiele gegeben.

In L. befindet sich das älteste, seit 1790 ständig bespielte Stadttheater Österreichs. Hervorgegangen aus einem Armenvereinstheater, war dessen erster Direktor Franz Egger v. Eggenwald; auch hatte es bereits ein vereinseigenes Theaterorchester. Anton Mödlinger war der letzte vom Verein gestellte Direktor (1858–61). Nach ihm übernahm die Stadt und ein von ihr bestellter Intendant, der auch als Musikintendant der Gemeinde fungierte (der erste war Karl Muschler), die Führung der Bühne. Unter den wechselnden Direktoren gab es auch solche aus Graz, wie den geschäftstüchtigen Theaterunternehmer Josef v. Bertalan (1862–64). Besonders unter der Ära von Friedrich Dorn (1895–99) war ein Trend zur Operette gegeben (Werke von J. Strauß, J. Offenbach und K. Zeller). Eine der bestimmendsten Persönlichkeiten für das Stadttheater war Robert Roberti (eig. Robert Karl Kremser, 1882–1967). Unter seinen Direktionen 1915–34/35 und 1949–63 (während der er es zur Auflösung des eigenen Ensembles kam) dominierte v. a. 1915–18 die Operette den Spielplan. Heute wird das Theater, dessen Direktor seit 1981 Horst Zander ist, regelmäßig (neben vereinzelten Eigenproduktionen) von auswärtigen Bühnen, vorzugsweise aus Graz, aber auch von Wanderensembles bespielt. Neben klassischen Schauspielen und Stücken der modernen Theaterliteratur werden hier auch Musiktheater-, Ballett- und Liederabende geboten.

1519 war der Musiktheoretiker Sebald Heyden (1499–1561) in L. als Lehrer und Kantor tätig, nachdem er vorher den Schuldienst in Knittelfeld und Bruck an der Mur versehen hatte. Der aus L. gebürtige W. Khainer, der 1527/28 als Vikar in St. Dionysen (Bruck/Mur) nachweisbar ist, schuf mit seinem Choraltraktat Musica Choralis ein Lehr- und Unterrichtswerk von besonderer Praxisnähe. A. Stenitzer aus Göß (1750–97) und Ph. Pusterhofer (1748–1804) aus L. gehören zu den Klosterkomponisten, die auch Regentes chori waren. Widmungen des Opus musicum von O. di Lasso sowie der Motetten des Grazer Hofmusikers G. Poß an den L.er Magistrat lassen ebenfalls auf eine beachtliche Musikpflege schließen.

Derzeit sind wir nur über die Stadtpfarrmusik in L., deren Erhaltung dem Magistrat oblag, näher unterrichtet. Ihre Leitung lag zunächst in den Händen des Schulmeisters (gleichzeitig Regens chori), sie ging 1745 auf den Türmermeister (Thurner) J. Seybalt über. Während das ältere Notenarchiv der heutigen Stadtpfarre St. Xaver zugrunde gegangen ist, haben sich Überreste jenes der Kirche St. Jakob aus dem Ende des 17. und der 1. Hälfte des 18. Jh.s. erhalten (je etwa 30 Hss. und Drucke im Musikwissenschaftlichen Institut der Karl-Franzens Univ. Graz; Archive und Bibliotheken). Die älteste Handschrift, ein anonymes Messenfragment, stammt aus dem Jahre 1707, der älteste Druck, Psalmi cum Salve Regina von Peter Paul Grüninger, aus 1663. Unter den Komponisten finden sich u. a. H. I. F. Biber, J. B. Geißler, Marian Königsberger, Joseph Anton Plániczký, Caspar Schollenberger, F. Sparry und G. Chr. Wagenseil. Der Großteil wurde von dem Regens chori und Schulmeister G. Häntsch, der ab 1706 angestellt war, erworben, ein kleinerer bereits unter Simon Walch (1670–84, † 1687); einige wurden von Mitgliedern der Türmerfamilie Seybalt kopiert. Ein Teil der Noten stammt aus Bruck/Mur und wurde 1709 dem dortigen Regens chori Johann Caspar Winkhler abgekauft. Winkhler folgte dann auch Häntsch in der Funktion des Schulmeisters, als dieser 1717 den Schuldienst aufgab und nur mehr als Regens chori und Bassist wirkte. Die Musikpflege zur Zeit von Häntsch scheint insbesondere durch die L.er Bürgerfamilie Egger (1766 geadelt und 1770 mit dem Prädikat „von Eggenwald“ versehen) gefördert worden zu sein, deren Name mehrfach in den Stimmheften neben jenen von Andreas Purgstaller (Stadtrichter 1700/01, 1703, 1706/07, 1712/14) und Joseph Gasteiger (Bürgermeister 1724–28 und ebenfalls Rauheisenverleger) wiederkehrt. Nach Winkhler wurde Häntsch in seinen musikalischen Aufgaben von Matthias Mayr (1723–32), Johann Salzer (bis 1734) und Jakob Häring (bis 1753) unterstützt. 1743 wurden für die Stelle eines Stadtpfarrmusikanten die Organisten von Göß Johann Wolfgang Emeran, Sohn eines Schulmeisters von St. Nikolai im Sausal/St, und Franz Karl Haas aufgenommen. Mit dem Tod des Regens chori und Schulmeisters Häntsch 1745 betraute der Stadtrat mit der Leitung der Kirchenmusik den Türmermeister (deren Stand wurde, im Unterschied zu Graz und Bruck/Mur, in L. vermutlich erst um die Mitte des 18. Jh.s. eingeführt) J. Seybalt, dem es 1777 nach dem Rücktritt des Organisten Jakob Kainz gelang, die Gesamtleitung der Stadt- und Kirchenmusik zu erhalten. Auf J. Seybalt folgte 1779 sein Sohn Anton, dem ein schlechter Zustand der Musik vorgeworfen wurde. 1819 verpachtete er die Stelle an den aus Graz kommenden Franz Posch († 1831), übernahm sie von diesem aber bereits wieder 1825. Sein Neffe Friedrich wurde provisorischer Leiter, die Stelle erhielt 1834 Franz Kronberger (1810–46), während sich F. Seybalt mit der Organistenstelle begnügen musste. Obwohl er noch als Stadttürmer bezeichnet wird (die Bezeichnung ist bis zum Ende des 19. Jh.s in L. gebräuchlich), ist in seinem Anstellungsdekret nichts mehr von den einstigen Aufgaben eines Türmers zu finden. Ihm gelang die Aufstellung einer vollständigen, uniformierten Harmonie- und Blasmusik, Städtische Musik genannt (Blasorchester). Nach ihm wurden 1847 Johann Zoder und 1852 A. Absenger (auch Chormeister des L.er Männergesangvereins und Leiter einer Blaskapelle) zu Türmermeistern und Regentes chori bestellt. Mit der Lösung des Dienstverhältnisses von Letzterem 1883 ist auch der Titel eines Türmermeisters erloschen sowie die Personalunion zwischen Stadtmusikdirektor und Regens chori.

1884 wurde der Musikverein L. (mit eigenem Vereinsorchester) gegründet, nachdem sich der von 1844 wieder aufgelöst hatte. Im selben Jahr wurde auch eine Städtische MSch. (lange Zeit vorher gab es schon solche auf privater Basis, wie etwa die von Absenger) gegründet, deren Leitung man dem Stadtmusikdirektor Eduard Steiner (* 1859) übertrug, der gleichzeitig artistischer Direktor des Musikvereins (daneben auch Chormeister der Liedertafel 1881–88 und Leiter der Seegrabner-Bergkapelle 1887–90) war. 1891 folgte ihm in beiden Funktionen Karl Maria Wallner (* 1861). Unter seiner Leitung ist besonders die Aufführung von R. Schumanns Der Rose Pilgerfahrt gemeinsam mit dem L.er MGV und dem damals bestehenden Damensingklub hervorzuheben. Gelegentlich wurde das Liebhaberorchester durch Berufsmusiker verstärkt. 1892 folgte Julius Kaspar (bis 1903) nach, unter dem 1894 L. v. Beethovens 8. Symphonie aufgeführt wurde. 1899 wurde die Städtische MSch. aufgelassen, jedoch von Kaspar und Josef Mössl (späterer Stadtkapellmeister und Klavierhändler) noch einige Zeit als Privatschule weitergeführt. 1911 gründete der Musikverein eine Vereins-MSch., deren Leitung teilweise bei den „Musikdirektoren“ lag. Der erste war 1911–14 Karl Paul Seifert (* 1881).

V. a. unter dem Musikdirektor A. Pachernegg (1914–27) rückte L. als Musikstadt in den Mittelpunkt. Unter seiner Leitung wurden 1921 und 1923 die zwei „Obersteirische[n] Musikwoche[n]“ (H. v. Schmeidel dirigierte u. a. die Wiener Philharmoniker) abgehalten. Unter den Lehrern an der Schule des Musikvereins wären u. a. zu nennen: die Konzertmeister Josef Schöberl (1918–22; * 1895) und Hans Zimmer (1922–39), die Sologesanglehrerin Hilde Hagen (1921–33) oder der Komponist O. Siegl (1920/21) sowie 1921–24 und 1928/29 H. Liebminger. Unter der Direktion von Hugo Miksch (1885–1956) 1927–45, der nebenbei die Leitung des MGV und L.er Frauenchors innehatte, kamen 70 Konzerte, darunter 19 große Orchesterwerke wie J. Brahms' Ein Deutsches Requiem, W. A. Mozarts Requiem oder das Oratorium Christus von F. Liszt zur Aufführung.

1939 wurde dem Musikverein und seiner Schule die Selbständigkeit genommen. Der Verein wurde Zweigstelle des Musikvereins für Steiermark (1949 wieder verselbständigt), die Schule als Städtische MSch.en L. unter die Obhut der Stadtverwaltung gestellt. Unter der Direktion von Otto Eisenburger (1948) wurde in Zusammenarbeit mit Egon Nesitka das Städtische Symphonieorchester neu aufgebaut. Nesitka begann den Plan zu verwirklichen, innerhalb eines „Vier-Städte-Theaters“ (L., Bruck/Mur, Knittelfeld, Judenburg) Opern mit eigenen Kräften zu inszenieren. (So waren u. a. Madame Butterfly oder Tosca große Erfolge.) Unter R. Doppelbauer (bis 1964) kam es 1948 zur Gründung des L.er Madrigalchors, und im selben Jahr wurde dem großen Symphonieorchester ein Kammerorchester an die Seite gestellt. Dazu kamen noch ein Lehrer-Streichquartett und ein Ensemble für alte Instrumente. Neben den üblichen Konzertprogrammen mit Brahms, Schubert oder den Wiener Klassikern, begann er mit der Interpretation von Zeitgenossen. So wurden Werke u. a. von J. Marx, Maurice Ravel, Paul Hindemith, E. Marckhl, O. Siegl und E. Kornauth aufgeführt. Besonders förderte er das Werk heimischer Komponisten (1949 Kompositionsabend mit Werken von A. Pacher, Nesitka, Max F. Gürth [1883–1957], Eduard Moeldner und Franz Morautschnigg). Den Höhepunkt bildete 1960 ein Orchester-Chorkonzert, in dem Hindemith als Ehrenmitglied des Musikvereins eigene Werke dirigierte (Solist war Herbert Harum [1909–80], Klarinette; Lehrer an der MSch.). Karl Frischenschlagers (* 1917; bis 1983) Bemühen ging dahin, im Rahmen des Musikvereins mit heimischen Kräften auch solistisch das Konzertprogramm zu bestreiten und den Musikschullehrern und dem Schülerorchester öffentliche Aufführungen zu ermöglichen, unter der Direktion von Hans Peter Jillich (1942–93) seien besonders die Aufführungen von Benjamin Brittens Simple Symphony, Brahms’ Vier ernste Gesänge oder die UA von A. Wallners Klavierkonzert No.1 in modo classico mit Gerlinde Schneider als Solistin erwähnt.

Seit 1993 leitet (2003) Hannes Moscher (* 1952) die MSch., die seit 1999/2000 zur Musik- und Kunstschule (mit der Fachrichtung „Musiktheater“) umgewandelt wurde. Ein Schwerpunkt liegt im Ensemble-Musizieren und so formierten sich das Stadtorchester L. (die Leitung liegt immer in Händen des jeweiligen Musikdirektors), das Jugendorchester (seit 2001/02, künstlerischer Leiter Heinrich Moser), das Jazzensemble (seit 1995; derzeitiger Leiter Bernhard Bodler) und der Chor der MSch., das Collegium Vocale (gegr. 1995 von Helmut Traxler). Dem Musikverein liegt besonders die Förderung junger heimischer Künstler im Bereich der klassischen Musik am Herzen. Als Robert Bergmann 1965 Vereinsvorstand wurde (er folgte auf Willi Kadletz), verwirklichte er die Auflage eines Konzertabonnements durch das Kulturreferat, womit die Stadtgemeinde Eigenveranstalter wurde.

Während des Ersten Weltkrieges lebte S. Rosegger vorübergehend als Militärarzt in L. und manche seiner Werke wurden hier auch aufgeführt. 1915/16 war A. v. Webern in L. stationiert, wo er Gelegenheit hatte, Kammermusik zu spielen. Eigene Werke wurden dabei jedoch nicht aufgeführt. An weiteren prominenten Gästen, die in L. auftraten, seien genannt: als Violinvirtuosen Wascha Poppoff, der 11-jährige W. Schneiderhan, V. Příhoda und Ella Kasteliz, die Cellistin S. Benesch, an Klaviervirtuosen P. Wittgenstein, Erich Rabensteiner, P. Mildner, F. Wührer und F. Gulda , die Sängerin H. Töpper sowie W. Kienzl als Begleiter von J. Stransky und Anton Tausche.

Seit der Mitte des 19. Jh.s haben sich fast in allen größeren Orten des steirischen Oberlandes Männergesangvereine gebildet. Der älteste von diesen ist der L.er Männergesangverein. Bei seiner Gründung 1850 war F. Rill Chormeister (1960 kam es zur Neugründung als L.er Liedertafel; derzeitiger Chormeister ist Ottokar Palier [* 1940]). Ihm folgten u. a. die Akademische Liedertafel von Montanstudenten 1862–66, erster Chormeister Karl Baltz v. Baltzberg, 1877 Wiedergründung als Akademischer Gesangverein L. und ab 1887 Deutscher akademischer Gesangverein, 1901 freiwillig aufgelöst), 1881 der Arbeiter-Männergesangverein Stahlklang in Donawitz (er führte bereits zwei Jahre nach seiner Gründung Schulungen in Form von Werbewochen durch, bei denen den aktiven Mitgliedern intensive Stimmbildung, musikalische Grundbegriffe und regelmäßige Proben zugesichert waren) und seit 1889 der Donawitzer Männergesangverein (bis 1924 Eisenblüte genannt). 1898 wurde der Arbeitergesangverein Morgenröte gegründet, der 1954 in einen gemischten Chor umgewandelt wurde. Er bildete 1973 durch Zusammenschluss mit dem Arbeitergesangverein Einigkeit den Stadtchor (derzeitiger Chorleiter ist Ludwig Müller [* 1936]). Im Gegensatz zu den schon früh vereinsmäßig organisierten Männerchören gab es kaum Frauenchöre. Als einer der frühesten Vereine dieser Art präsentierte sich 1903 ein bestehendeDamensingclub als Damen-Sing-Verein in L., der sich die „Pflege und künstlerische Ausbildung des Gesanges“ zur Aufgabe gestellt hat und zu diesem Zwecke „Übungen, Konzerte und Liedertafeln“ veranstaltete. 1914 wurde er unter Pachernegg reaktiviert und 1921 vom L.er Frauenchor abgelöst. 1917 gründete Max Gürth (seit 1912 Organist und Regens chori an St. Xaver) einen eigenen Kirchenmusikverein, und nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Kirchenchöre St. Xaver (unter Hans Fink), Waasen (unter E. Möldner; dann neu aktiviert als Singgemeinschaft Waasen) und Lerchenfeld (unter Nesitka) ins Leben gerufen.

Nach dem Musikverein L. war jener der Seegrabner Bergmusikkapelle (seit 1856) der nächste. Auf älterer Bergmusiktradition (Bergmannslied) fußend (z. B. wurden 1728 Maria Theresia und ihr Gefolge durch die Knappen und ihre „Bergmusik“ empfangen), gibt es wenige Anhaltspunkte über die Chorleiter. Erst 1865 wird Josef Theisl als Musikmeister erwähnt. Ab 1922 tritt die Bergkapelle Seegraben als Musikverein Glück Auf – Bergkapelle Seegraben in Erscheinung (Kapellmeister seit 2002 ist Christian Riegler). 1886 folgte der Musikverein Donawitz (Gründungskapellmeister Roman Siegl, 1845–1909) mit der Donawitzer Werkskapelle, die sich 1938 vom Musikverein löste (dieser wurde 1948 annuliert) und in den Werksverband eingegliedert wurde. Als erfolgreicher Komponist innerhalb der Kapelle ist Nesitka zu nennen. 1945–76 leitete Werner Pucher ein Tanzorchester (als Teil der Werkskapelle), das in der Besetzung amerikanischen Big-Bands ähnlich war. Neben der Werkskapelle VÖEST-Alpine Werk Donawitz seien noch der Musikverein der Werkskapelle Hinterberg, der Eisenbahner oder von Göß zu nennen. 1962 wurde von Rudolf Streicher ein Kammermusikensemble an der Montanistischen Hsch., aus dem das Orchester der Montanuniv. L. hervorging, gegründet, und 1968 formierte er den L. Hochschulchor. Von jüngsten Ensemblegründungen wären das Blockflötenquartett Femmes Flautales (gegr. 2000) zu nennen, dessen Repertoire Werke aus fünf Jh.en, von der Renaissance bis zur Moderne umfasst. In L. ist ein hochwertiges Kulturangebot zu einem Markenzeichen geworden. Neben den internationalen ethnologischen Ausstellungen sind es besonders die musikalischen Aufführungen der Internationalen Sommerphilharmonie L. sowie die Operetten- und Opernproduktionen des Stadttheaters, die Besucher weit über die Landesgrenzen hinaus ansprechen.

1897 gab es die erste Kinovorführung durch einen wandernden Schausteller und 1908 erbaute Georg Lindner das L.er Bioskop-Theater auf dem Josefé (bis 1912; 1915 als Lindner-Kino in der Waasenvorstadt eröffnet). 1928 wurde erstmals ein Tonfilm vorgeführt.


Literatur
G. Jontes in F. Goldmann/ R. F. Hausmann, Österr. Städtebuch 6 (1990); [Kat.] Musik i. d. St. 1980; StMl 1962–66; W. Kadletz (Hg.), Musik in L. 1964; M. Wieland, 100 Jahre Musikverein L. 1984; R. Doppelbauer in W. Titz (Hg.), Das Steirische Musikschulwerk 1967; R. Reimann, Der DAGV L. Ein Beitrag zur Studentengesch. der Montanuniv. L. 1996; W. Strenger, Das L.er Stadttheater 1861 bis 1921. Der Weg zum Stadttheater, Dipl.arb. Graz 1992; R. List, Gesch. des Stadttheaters L. 1790–1965, 1966; H. Federhofer in KmJb 35 (1951); H. Federhofer in Bll. für Heimatkunde 23 (1949); H. Federhofer in Mf 4 (1951); G. Jontes in L.er Strauß 7 (1979), 8 (1980) u. 9 (1981); G. Pferschy in Der L.er Strauß 1 (1973); H. Strumbl, Musikverein – Werkskapelle Donawitz, Dipl.arb. Graz 1986; A. Friedrichkeit, Bergkapelle Leoben-Seegraben, Dipl.arb. Graz 1985; J. Freudenthaler, Eisen auf immerdar. Gesch. der Stadt und des Bezirkes L. in Kulturbildern 31954; Bergmannslieder (Texte und Abhandlungen) in L.er Grüne Hefte 5, 33, 97, 117, 141, 149, 150.

Autor(en)
Ingrid Schubert
Empfohlene Zitierweise
Ingrid Schubert, Art. „Leoben‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 16/12/2002]

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Graduale aus dem Dominikanerkloster St. Florian Leoben  (A-Wn Mus.Hs. 15947, um 1480/90)© ÖNB
Graduale aus dem Dominikanerkloster St. Florian Leoben (A-Wn Mus.Hs. 15947, um 1480/90)


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