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Wolkan, Wolkan, true Rudolf
* 1860 -07-2121.7.1860 Prelautsch/Böhmen (Prelouc/CZ), 1927 -05-1616.5.1927 Wien. Bibliothekar, Literaturhistoriker. Nach dem Studium der Germanistik in Prag, altorientalischer Sprachen in Wien (Dr. phil. 1885) und einigen Jahren als Supplent in Prag und Reichenberg ging W. 1889 nach Czernowitz (Čérnivci/UA), fand Beschäftigung an der dortigen Univ.s-Bibliothek und wirkte hier nach seiner Habilitation 1896 als Privatgelehrter. Ab 1902 war W. Skriptor, später Kustos, von 1920 bis zu seiner Emeritierung 1923 Vizedirektor der Wiener Univ.s-Bibliothek. Für W., der sich neben seiner Bibliothekarstätigkeit in Wien des Titels eines ao. Univ.-Prof.s erfreuen durfte, bildeten Humanismus und Reformation den Schwerpunkt seiner literatur- und religionsgeschichtlichen Arbeiten, deren Themen seine böhmische Herkunft erkennen lassen. Bemerkenswert ist W.s Interesse am geistlichen wie am weltlichen Lied. Neben ausdrücklichen Liedersammlungen spielen Lieder auch in seinen Arbeiten zur Literaturgeschichte Böhmens und zur Geschichte religiöser Gruppierungen eine wesentliche Rolle. In Böhmens Antheil an der deutschen Literatur des 16. Jh.s legte W. eine Bibliographie böhmischer Liedblatt- und Gesangbuchdrucke vor sowie eine Auswahl von Texten, die hauptsächlich Kirchenlieder enthält. Stellte die Bibliographie eine Ergänzung der bereits in der zeitgenössischen hymnologischen Literatur beschriebenen Drucke dar, war W. mit seiner Textauswahl daran gelegen, möglichst unbekannte Zeugnisse böhmischer Literatur bekannt zu machen. So sind hier erstmals alle Lieder des bei Wackernagel (Das deutsche Kirchenlied 1864–77) nur auszugsweise wiedergegebenen Gesangbuchs von Christoph Schweher Christliche Gebet vnd Gesäng auff die heilige zeit vnd Fayertage vber das gantze Jar (1581) abgedruckt. Ursprünglich als Bestandteil der erwähnten böhmischen Literaturgeschichte geplant, nahm die Abhandlung über die Lieder der Böhmischen Brüder so viel Raum ein, dass sie 1891 als Extraband erschien. Die Lieder der Wiedertäufer, systematisiert nach dogmatischen Unterschieden der unter diesem Begriff zusammengefassten religiösen Denominationen des 16. Jh.s, waren W. Anlass, sich mit den Hutterern zu beschäftigen. In Vorbereitung seines Bandes Die Hutterer. Österreichische Wiedertäufer und Kommunisten in Amerika, in dem er ein Kapitel dem Liedgut dieser Religionsgemeinschaft widmete, pflegte W. mit amerikanischen Hutterern einen regen Austausch geistlicher Lieder, infolge dessen 1914 das Gesangbuch Die Lieder der Hutterischen Brüder in Pennsylvania erschien. W. starb 1927 als Präsident des Österreichischen Volksliedunternehmens (Volksliedwerk). Ein Jahr zuvor erschien der letzte Band seiner Sammlung Wiener Volkslieder aus fünf Jh.en.
Schriften
Beiträge zur Gesch. der Reformation in Böhmen 1886; Böhmens Antheil an der dt. Lit. des 16. Jh.s, 3 Bd.e 1890–94 (ND 2006); Das dt. Kirchenlied der Böhmischen Brüder im 16. Jh. 1891 (ND 1968); Dt. Lieder auf den Winterkönig 1898; Zu den Türkenliedern des XVI. Jh.s , in: [Fs.] VIII. allgemeiner deutscher Neuphilologentag in Wien 1898; Die Lieder der Wiedertäufer 1903; (Hg.), Der Briefwechsel des Eneas Silvius Piccolomini 1909–18; Die Hutterer. Österr. Wiedertäufer u. Kommunisten in Amerika 1918; Wr. Volkslieder aus fünf Jh.en 1920–26.
Literatur
W. Pongratz et al., Gesch. der Univ.s-Bibliothek Wien 1977, 117ff, 124, 127; ÖL 1995; Dt. biographisches Archiv (DBA), Mikrofiche (MF) 1392; DBA, MF, N. F. 1428.

Autor(en)
Barbara Lange
Empfohlene Zitierweise
Barbara Lange, Art. „Wolkan, Rudolf‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 04/01/2006]