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Buchbinder, Buchbinder, true Berndt (offiziell seit 21.5.1932; eig. Jakob Bernhard; später Frederic Ernest Berndt)
* 1886-08-2424.8.1886 Wien, † 1970-04-2727.4.1970 Chicago/Illinois, USA. Geiger, Kapellmeister, Saxophonist. Der Sohn des Budapester Agenten Arnold Bernhard besuchte eine Handelsakademie und war danach für einige Zeit als Bankbeamter tätig. 1908–11 Violinestudium am Konservatorium bzw. der Wiener MAkad. bei A. Rosé (1910 Reifeprüfung mit vorzüglichem Erfolg, 1910/11 Hospitant). Erster öffentlicher Auftritt im Rahmen eines Kammermusikkonzertes am 10.3.1910 im Bösendorfersaal. Meisterschule bei O. Ševčík und Kompositionsstudien bei R. Heuberger. 1911/12 Konzertmeister des Stadttheaters in Dortmund/D, danach von September 1912 bis August 1915 Konzertmeister des Hamburger Stadttheaters und des dortigen Symphonieorchesters. Ab 13.8.1915 verpflichtete er sich freiwillig auf Kriegsdauer zum IR Nr. 4 (ab 20.9. beim IR Nr. 83), wurde zunächst schon am 5.11.1915 für das Hamburger Stadttheater vom Dienst enthoben, wo er aber noch bis Saisonende 1916 tätig war. Ab 16.8.1916 bis 15.11.1918 aktiver Militärdienst, den er teilweise bei der Garnisonsmusik des IR Nr. 84 in Brünn und des Honvéd-IR in Pressburg absolvierte. Daneben Konzertmeister des Orchesters des Wiener Konzertvereins (Wiener Symphoniker), außerdem 1915–17 Auftritte als Solist bzw. Kammermusiker u. a. im Wiener Konzerthaus. Nach Kriegsende wechselte B. in die Unterhaltungsmusikbranche und gründete seine eigene Salonkapelle, mit der er u. a. im Café Atlantis, im Kristallcafé, im Café Sacher (alle Wien I) und bei verschiedenen Tanzveranstaltungen, etwa im Wiener Konzerthaus, auftrat. Ab Herbst 1921 Barmusiker in Duos zunächst mit O. Klose, später mit R. Erwin bzw. Hermann Steinitz (August 1922 Royal, Wien IX). Ab Mai 1923 bildete er mit Erwin (p) und Lajos Löwy alias Negro (dr) die Virtuosen-Jazz-Band im Royal. Ab August 1924 leitete er gemeinsam mit Erwin eine siebenköpfige Jazzkapelle, der spätestens im Jänner 1925 auch Ch. Gaudriot angehörte, mit der er im Pavillon (Wien I) auftrat, Plattenaufnahmen für Odeon folgten. Ab 3.4.1925 wirkte seine Kapelle bei B. Granichstaedtens Operette Der Orlow im Theater an der Wien mit. Von November 1925 bis Mai 1927 war B. mit seiner Kapelle im Hotel Baur au Lac in Zürich/CH engagiert, danach mit seinem Symphoniker-Jazzorchester im Berliner Eden-Hotel und in der Konditorei Wien in Breslau (Wrocław/PL). 1930/31 Engagement im Hotel Bristol (Wien I) sowie bis 1933 mit seiner Kapelle bzw. seinem Quartett mehrfach auf Radio Wien zu hören. Nach einem Engagement in Stuttgart/D und einem weiteren Aufenthalt in der Schweiz von August 1934 bis Jänner 1937 einer der Dirigenten der Notstandskapelle der RAVAG. Bis zum Einmarsch der Nationalsozialisten Engagement als Kapellmeister in der Schiefen Laterne (Wien I). B wurde am 20.6.1938 verhaftet und war bis 21.7.1938 im Notgefängnis in der Karajangasse (Wien XX) inhaftiert. Mitte September emigrierte er mit Ehefrau Eugenie (später Jennie), geb. Frankel (* 3.2.1885 Wien, † 27.11.1957 Chicago, Heirat 1913) und Tochter Annemarie (verh. Shapiro, * 28.4.1916 Hamburg/D, † 1.3.1983 Chicago), die im Sommersemester 1938 an der Wiener MAkad. inskribiert war (Meisterschule für Gesang bei H. Wildbrunn, Opernschule bei H. Duhan) über Rotterdam/NL in die USA ( Exil), wo sich die Familie in Chicago niederließ. Hier betrieb B. ein Musikstudio und trat spätestens 1940 mit seiner Frau am Klavier als Fred Berndt auf. Aufgrund zunehmender Gehörprobleme infolge seiner Inhaftierung musste er 1942 seine Tätigkeit als Kapellmeister aufgeben und konnte nur mehr als Musiklehrer arbeiten. 1943 wirkte er in einem Konzert österreichischer Emigranten in Chicago mit. 1944 erfolgte die Namensänderung in Frederic Ernest Berndt. Wegen seiner zunehmenden Ertaubung ab etwa Mitte der 1950er Jahre war er kaum mehr in der Lage zu unterrichten und lebte unter ärmlichen Verhältnissen. Nach dem Tod seiner Frau Eugenie Eheschließung mit Ida Ross am 5.8.1958 in Chicago.
Schriften
Die Bar als Musiksalon in Neues Wiener Journal 10.9.1921, 3; Der Jazz als Kunstform in Das Podium Februar 1926.
Werke
Stücke für V. u. Kl. (Příhoda Serenade 1923; Capricietto 1923; Harlekinade 1925; Intermezzo 1925); Schlager (Ja gäll, du kännscht mi nid [T: Teddy Krach], Lieben darfst du aber [T: T. Krach], Geh’n Sie doch mit mir in Compagnie [T: Beda], Du darfst mich heute küssen [T: Beda], In einer blauen Sommernacht [T: A. Steinberg-Frank]); Wienerlieder (Mei’ letzte Station ist beim Würstelmann [T: Josef Baar]); Potpourris.
Literatur
K. Nowakowski in Ch. Glanz/M. Permoser (Hg.), Anklaenge 2011/2012 (2012) 101f u. 119ff; K. Nowakowski in bockkeller 19/3 (2013); R. Thumser/Ch. Klösch, „From Vienna“. Exilkabarett in New York 1938 bis 1950, 2002, 108; Wien im Lied und Tanz 1/6 [1933], 19; Oesterreichs Illustrierte Ztg. 24.5.1931, 13; Die Stunde 15.1.1925, 6; Neues Wr. Journal 21.11.1916, 12, 23.11.1930, 4; NFP 25.2.1910, 11; Neues 8 Uhr-Bl. 28.4.1923, 5; https://cdnc.ucr.edu (6/2018); https://www.gjenvick.com (6/2018); https://familysearch.org/ark:/61903/1:1:Q2MF-8Y4R (7/2018); https://familysearch.org/ark:/61903/1:1:QVRN-7ML9 (7/2018); https://familysearch.org/ark:/61903/1:1:QV9V-5LDQ (7/2018); Geburtsbuch der IKG Wien K 1885–86, RZ 3419; ÖStA, AdR/06/BMfF./AHF.5016 (Aushilfefonds); ÖStA, KA/GBBL/Wien 1886, Bu–Bz, 46353/31; eigene Recherchen (www.anno.onb.ac.at; Bühnen-Jb.er; www.genteam.at); Mitt. Archiv MUniv. Wien (6/2018).

Autor(en)
Monika Kornberger
Empfohlene Zitierweise
Monika Kornberger, Art. „Buchbinder, Berndt (offiziell seit 21.5.1932; eig. Jakob Bernhard; später Frederic Ernest Berndt)‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 14/11/2018]