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Adel
Gesellschaftliche Gruppe mit bedeutender Funktion als Kulturträger. Die Rolle des A.s als Kunst- und Kulturträger lässt sich in Österreich bis in das Mittelalter (Turniere, Minnegesang) zurückführen, wobei das politisch-gesellschaftliche Kräftemessen zwischen A. und Herrscher zu einem wichtigen Motiv für die kulturelle Betätigung des A.s v. a. in der Frühneuzeit bis zum Ende des Barock wurde (Entstehung des adeligen/höfischen Mäzenatentums). Diese Art des „Kulturkampfes“ wird besonders in Krisenzeiten deutlich, z. B. in der Zeit der Reformation in Ober- bzw. Niederösterreich, als der landständische protestantische A. (z. B. die Jörger) seine Machtansprüche auch durch kulturelle Akzente verdeutlichte (Gegenreformation, Verarmung bzw. Aussterben vieler A.sfamilien haben die Quellen reduziert). Nach erfolgreicher Gegenreformation und Durchsetzung absolutistischer Herrschaft durch die Habsburger war das Herrscherhaus – in erster Linie der Kaiserhof, aber auch die übrigen Habsburgerhöfe – von der Mitte des 17. bis zur Mitte des 18. Jh.s bestimmend für Musikgeschmack und -pflege in den habsburgischen Ländern und ihren Einflussbereichen; der A. orientierte sich eng am Vorbild des Hofes. Kunst und v. a. Musik waren einerseits seit Beginn der Neuzeit ein wichtiger Faktor in der Fürstenerziehung (Dilettanten, Mäzene), andererseits wesentlich in der Vermittlung der panegyrisch überhöhten normativen Amtsethik, durch die ein absolutistischer Herrscher definiert wurde. Charakteristisch für Österreich ist, dass die sog. „Musikkaiser“ (Ferdinand III., Leopold I., Joseph I. und Karl VI.) nicht Architektur und Kunst, sondern Musik als Träger panegyrischer Konzepte verwendeten (Nachahmung durch den A., Questenberg, Schwarzenberg). Schon in der 1. Hälfte des 18. Jh.s begann der Adel sukzessive mit dem Aufbau einer eigenen Musikkultur nach Vorbild des Wiener Hofes, sodass der in kurzer Zeit (ca. 1740–65) vollzogene Rückzug des Hofes aus der Rolle des Impulsgebers und Trägers der Musikkultur von den großen Familien (Esterházy, Liechtenstein, Schwarzenberg, Lobkowitz, Hohenlohe-Schillingsfürst u. a.) aufgefangen wurde, die eigene Ensembles (Adelskapellen), teilweise sogar Opernhäuser unterhielten und durch adelige Gesellschaften bzw. das Subskriptionssystem ein (öffentliches) Konzertleben in Österreich initialisierten. Die Zeit zwischen 1720 und 1820 stellt den Höhepunkt adeliger Musikkultur in Österreich dar. Mittlerer und niederer A. (v. a. Beamte) folgten dem Beispiel des Hochadels, wobei diese Bestrebungen in der Folge mit denen des aufstrebenden (Bildungs-)Bürgertums (Bürgerliche Musikkultur) zusammentrafen (Gesellschaft der Musikfreunde). Die politische Situation nach dem Ende des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation 1806 (Ende des reichsunmittelbaren A.s) begünstigte diese Angleichung. Das Musikleben der 2. Hälfte des 19. Jh.s und des Fin de siècle wird gleichermaßen von altem A., neuem „Geldadel“ und Bürgertum getragen. Mit der Abschaffung der privilegierten Stellung des A.s und den tiefgreifenden politischen Veränderungen 1918 musste sich der A. weitgehend aus dem öffentlichen Musikleben zurückziehen, ist jedoch bis heute in den Vorständen der großen Musikhäuser zu finden (z. B. Wiener Konzerthaus).
Literatur
MGÖ 1–3 (1995); H. Ch. Ehalt, Ausdrucksformen absolutistischer Herrschaft 1980; [Kat.] Adel im Wandel Rosenburg 1990, 1990; H. Carl in M. Csáky/W. Pass (Hg.), Europa im Zeitalter Mozarts 1995; H. Stekl, Österreichs Aristokratie im Vormärz 1973.

Autor(en)
Elisabeth Th. Hilscher
Empfohlene Zitierweise
Elisabeth Th. Hilscher, Art. „Adel‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 25/05/2001]