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Sophiensäle (Sofiensäle)
Multifunktionales Veranstaltungsgebäude in Wien (III, Marxergasse 17). Der Besitzer des Baugrundes, Franz Morawetz (* 1789 Raudnitz/Böhmen [Roudnice/CZ], † 12.3.1868 Wien), ließ nach dem kommerziellen Scheitern des Vorgängerbaus, einer „Tuscherei“, an dessen Stelle ein technisch innovatives „russisches Dampfbad“ erbauen, das am 14.1.1838 eröffnet wurde und sehr bald reüssierte. Benannt wurde das Gebäude nach Erzhg.in Sophie, die das Kurwesen unterstützte (Kur und Sommerfrische). 1844 gründete Morawetz eine Aktiengesellschaft, um den 1845/46 nach den Plänen der Architekten E. van der Nüll und August Sicard v. Sicardsburg vorgenommenen Umbau, der v. a. in der Konstruktion eines Hallenschwimmbades bestand, zu finanzieren. Aufgrund ökonomischer Überlegungen verzichtete die AG auf einen Ganzjahresbetrieb und ermöglichtete so die 1846 einsetzende Nutzung der großen Halle im Winter als Tanz-, Ball- und Konzertsaal. Diese Funktion wurde schnell bestimmend, sodass sich der Name S. anstatt der früheren Bezeichnung „Sophienbad“ einbürgerte; der Badebetrieb wurde jedoch noch bis 1906 weitergeführt. In den S.n fanden zahlreiche UA.en von Werken J. Offenbachs (Abendblätter), J. Strauß’ Vater (Najaderen-Quadrille) und Sohn (u. a. Accelerationen, Aktionen, Morgenblätter, Paroxysmen, Thermen, Wiener Bonbons) und C. M. Ziehrers statt, der Wiener Männergesang-Verein , der Wiener Schubertbund wie der Gesangverein der österreichischen Eisenbahnbeamten veranstalteten hier ihre Narrenabende und Faschingsfeste.

Nach dem Zweiten Weltkrieg eröffneten die Wiener Symphoniker unter R. Moralt am 13.11.1948 die generalsanierten S., die wieder als Schauplatz von EA.en (wie F. Raymonds Operette Maske in Blau) und UA.en (z. B. 1998 Peony Pavilion von Tan Dun und 1999 Bählamms Fest von O. Neuwirth) bzw. als Ort zahlreicher Platteneinspielungen H. v. Karajans, K. Böhms und G. Soltis mit den Wiener Philharmonikern dienten. Auch der Wiener Kathreintanz (ab 1950) sowie Aufführungen des Tanzfestivals ImPulsTanz (1998–2000) wurden hier abgehalten. In den 1990er Jahren waren die S. ein Begriff als Schauplatz gut besuchter Clubbings.

Neben musikbezogenen Veranstaltungen nutzten unterschiedlichste Organisatoren die Räumlichkeiten, etwa für sportliche Veranstaltungen (wie der Wiener Turnverein), Gottesdienste, Ausstellungen, Messen oder auch Parteitage. Seit 1986 lagen Pläne für eine Umgestaltung der S. in ein Kongresshotel vor, die aber aufgrund diverser Proteste und Berufungsverfahren nicht realisiert wurden. Ein Großbrand vernichtete am 16.8.2001 schließlich das Dach der S. und ließ das Gebäude in dem ruinösen Zustand zurück, in dem es sich heute (2005) befindet.


Literatur
J. M. Vogel, Das Sophienbad des Franz Morawetz in Wien 1845; Arbeiter Ztg. 16.11.1946; Czeike 5 (1997); Ch. Römer, Die S. Eine Wr. Institution 2004; Mitt. Sekretariat ImPulsTanz.

Autor(en)
Stefan Schmidl
Empfohlene Zitierweise
Stefan Schmidl, Art. „Sophiensäle (Sofiensäle)‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 22/03/2005]