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Kaan von AlbestKaan von AlbestRaimund: (Kàan z Albestů), Familie (seit 1829 „de Albest“)
Raimund: * --1802 Wien, † 1873-12-1717.12.1873 Linz. Militär, Geiger und Komponist. Der Sohn des aus Ungarn stammenden jüdischen Wollgroßhändlers und Gutsbesitzers Samuel K. (seit seiner Taufe am 9.12.1824 Heinrich Samuel), der im November 1826 in den ungarischen Adelsstand erhoben worden war, erhielt seine musikalische Ausbildung bei J. Mayseder. Erster öffentlicher Auftritt als Geiger im Rahmen einer Wohltätigkeitsveranstaltung am 4.2.1818 im Kärntnertortheater, später soll er auch in Italien als Geiger gewirkt haben. Obwohl K. schließlich eine Militärkarriere einschlug (zuletzt Rittmeister des 6. Husaren-Regiments König von Württemberg), trat er regelmäßig als Geiger (Dilettant) auf, vornehmlich bei Benefizveranstaltungen, die er zum Teil selbst organisierte. Darüber hinaus war K. auch kompositorisch tätig und schuf v. a. Salonmusik, Bravourstücke (letztere interpretierte er auch selbst) sowie Märsche. Anfang der 1850er Jahre hielt er sich regelmäßig in Schwaz in Tirol auf. Ab etwa Mitte der 1850er Jahre lebte er in Salzburg und veranstaltete regelmäßig Wohltätigkeitskonzerte, in denen er selbst mitwirkte. Seine letzten Lebensjahre verbrachte er in Linz, wo er noch im März 1871 im Rahmen eines Benefizkonzerts auftrat. Seit 18.2.1833 verheiratet mit Antonia Anna Pfretzschner (* 8.7.1819 Jenbach/T, † nach 1873 Ort?), der Schwester des Arztes, Politikers und Erfinders Norbert Pfretzschner (1817–1905). Der Ehe entstammten zumindest zwei Kinder, Bertha Maria (* 24.9.1835 Wien, † ?) und Raimund (* 22.1.1837 Wien, begr. 6.8.1905 Meran/T [Merano/]), zuletzt Oberbezirksarzt von Meran.
Werke
Offertorium; Salonmusik (Solitude f. V. u. Kl.); Variationen; Bravourstücke für V.; Lieder; Märsche (Deutschlands Vereinigungsmarsch 1859, Salzburger Schützenmarsch 1865 [s. Abb.], Salzburger Turnermarsch, Oesterreichischer Siegesmarsch 1864); Polkas (Josephinen-Polka, Tauben-Post, Irma).
Literatur
Wurzbach 10 (1863); F. S. Gassner, Universal-Lex. der Tonkunst. Neue Hand-Ausgabe in einem Bande 1849; E. Bernsdorf (Hg.), Neues Universal-Lex. der Tonkunst 1 (1856); G. Gaugusch, Wer einmal war. Das jüdische Großbürgertum Wiens 1800–1938. A–K, 2011; Militär-Ztg. 12.3.1859, 157, 16.4.1862, 248; Salzburger Ztg. 23.2.1864, [4], 14.8.1865, [3], 5.4.1866, [3], 21.6.1867, [3]; Salzburger Bote 20.10.1864, 2, 31.10.1864, 2; Linzer Volksbl. 12.3.1871, 2; (Linzer) Tages-Post 7.7.1872, 3; Innsbrucker Ztg. 28.6.1851, 604; Wr. Ztg. 14.11.1826, [1125]; Innsbrucker Nachrichten 7.8.1905, 6; Trauungsbuch der Pfarre Jenbach 1830–69, fol. 4; Sterbebuch (Duplikat) der Pfarre Linz–Heilige Familie 1873, o. S.; Taufbuch der Pfarre Jenbach 1785–1829, fol. 94; http://www.geni.com (9/2020); https://de.wikipedia.org (9/2020); eigene Recherchen (www.anno.onb.ac.at).


Dessen Neffe

Jindřich (eig. Heinrich): * 29.5.1852 Tarnopol (Ternopil’/UA), † 7.3.1926 Roudná, Böhmen/CZ. Komponist, Pianist und Pädagoge. Sohn von R.s jüngstem Bruder Alexander Johann (* 2.5.1814 Wien, † 8.10.1883 Smichow/Böhmen [Prag V]), ebenfalls Rittmeister. J. K. wuchs in Böhmen auf, 1860 übersiedelte die Familie nach Prag. Hier besuchte er das Gymnasium und erhielt seine musikalische Ausbildung am Proksch-Institut (Klavier und Komposition) sowie bei V. Blodek. 1873/74 absolvierte er die Prager Orgelschule als Schüler Fr. Skuherskýs. Nach einer kurzen Solistenkarriere, die er aufgrund eines körperlichen Gebrechens aufgeben musste, arbeitete er 1876–84 als Musiklehrer und Pianist der Familie Fürstenberg in Lány/CZ. Im März 1884 begleitete er seinen Freund A. Dvořák nach London. Danach kehrte er nach Prag zurück und etablierte sich als gefragter Klavierpädagoge und Komponist. Seine Kompositionen, v. a. für Klavier, erschienen seit etwa 1880 in Druck, u. a. bei Haslinger in Wien. Mit seinen Klavierbearbeitungen von Werken der tschechischen Nationalschule (Nationalstil) bzw. Moderne (u. a. A. Dvořák, B. Smetana, V. Blodek, Z. Fibich) trug er viel zu deren Verbreitung bei. 1889 wurde K. Klavierprofessor am Prager Konservatorium, seit 1901 unterrichtete er auch Kammermusik. 1907–18 war er dessen Direktor und leitete das Orchester des Konservatoriums. Zu seinen Schülern zählte E. Schulhoff, den er bereits als Siebenjährigen auf Empfehlung Dvořáks privat unterrichtete, sowie Karel Hoffmeister, sein Nachfolger am Konservatorium. K., der als sehr autoritär gefürchtet war, reformierte das Prager Konservatorium auf mehreren Ebenen (z. B. Erhöhung der Lehrergehälter, Vergrößerung der Räumlichkeiten, Schaffung einer Meisterklasse für Komposition unter V. Novák) und konnte die Position des Prager Konservatoriums als eine der führenden Lehranstalten Europas weiter ausbauen. Verheiratet mit der Sängerin Božena Leicht.


Ehrungen
Prädikat „verlagswürdig“ für seine Drei Stücke für Piano und Violoncell beim Hamburger Wettbewerb für Kompositionen für Vc. u. Kl. 1882; Ritterkreuz des Franz Joseph-Ordens 1908; Reg.-Rat 1911; päpstliches Ehrenkreuz „pro ecclesia et pontifice“ 1912.
Werke
2 Opern (Der Flüchtling, Gérminal), 2 Melodramen, 2 Ballette (Bajaja, Olim), Lieder, Klaviermusik (Klavierkonzert fis-Moll, op. 37, Tänze), Kammermusik, zahlreiche Klavierbearbeitungen, u. a. v. F. Smetanas symphonischer Dichtung Vltava 1881.
Literatur
M. Hejlová in Hudební rozhledy 9/20 (http://hudebnirozhledy.scena.cz, 9/2020); NGroveD 13 (2001); ÖBL 3 (1965); O. Šourek/P. Stefan, Dvořák. Leben und Werk 1935; Musikliterarische Bll. 1/6–7 (1904), 3f; Prager Tagbl. 25.6.1881, 6, 21.7.1882, 6, 1.12.1908, 4, 9.3.1926, 7; Prager Abendbl. 29.11.1907, 3, 21.12.1907, 3, 15.5.1911, [5], 29.5.1912, 3; Signale für die musikalische Welt 9.8.1916, 535; Berliner Musikztg. 2.5.1878, 142; Neues Wr. Abendbl. 21.6.1912, 5; NZfM 5 (1926), 307; eigene Recherchen (www.anno.onb.ac.at; https://hofmeister.rhul.ac.uk).


Dessen Tochter

Aurelia (Aurelie), verh. Bubná: * 1892 Prag?, † nach 1933 (Ort?). Pianistin. Erhielt ihre Ausbildung vom Vater. Erste öffentliche Auftritte ab etwa 1911 in einem von ihrem Vater geleiteten Klaviertrio mit Franz Schmitt (V.) und Karola Hanke (Vc.) in Prag und Leitmeritz; 1913 konzertierte das Trio in der österreichisch-ungarischen Botschaft in Paris. Ab 1915 trat sie auch mit dem Böhmischen Streichquartett auf, mit dem sie im Februar 1916 erstmals in Wien zu hören war. Am 27.2.1916 spielte sie mit der Tschechischen Philharmonie in Prag das Klavierkonzert in fis-Moll ihres Vaters. Im selben Jahr trat sie auch in zwei volkstümlichen Symphoniekonzerten des Wiener Tonkünstler-Orchesters im großen Wiener Musikvereinssaal auf. Im Dezember 1916 gastierte sie in mit dem Böhmischen Streichquartett in Graz. Ende Jänner 1917 präsentierte sie sich in Wien erstmals in einem eigenen Klavierabend im kleinen Konzerthaussaal, in dem sie auch Werke ihres Vaters interpretierte. Im Dezember 1933 spielte sie im Prager Rundfunk, danach verliert sich ihre Spur.


Literatur
Leitmeritzer Ztg. 27.3.1912, 5f; Fremden-Bl. 12.4.1913, 6, 25.11.1916, 11, 2.2.1917, 15; Prager Tagbl. 25.2.1916, 6, 24.12.1933, IV; Dt. Volksbl. 17.12.1916, 10; Reichspost 25.2.1917, 12; eigene Recherchen (www.anno.onb.ac.at).

Autor(en)
Monika Kornberger
Empfohlene Zitierweise
Monika Kornberger, Art. „Kaan von Albest (Kàan z Albestů), Familie (seit 1829 „de Albest“)‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 18/02/2021]