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Busoni, Busoni, true Ferruccio Dante Michelangelo Benvenuto
* 1866-04-011.4.1866 Empoli bei Florenz/I, 1924-07-2727.7.1924 Berlin. Pianist, Komponist, Dirigent und Musikschriftsteller. Zunächst in Triest ausgebildet vom Vater Ferdinando B. (1834–1909), 1875/76 am Konservatorium der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien , wo er bereits als Pianist in zahlreichen Konzerten Aufsehen erregte, wichtige Förderer (auch finanziell) fand und u. a. auch E. Hanslick, K. Goldmark und F. Liszt traf. 1876/77 (jeweils im Sommer) erhielt B. in Gmunden Unterricht von J. E. Habert (Kontrapunkt, allgemeine Musiklehre). Übersiedelte 1878 nach Graz, wo 1880/81 W. Mayer-Rémy sein wichtigster Lehrer wurde. Bis 1881 hatte B. bereits ca. 180 Werke komponiert. Anschließend kehrte er nach Triest zurück und unternahm zahlreiche Konzertreisen. Seit Herbst 1883 wieder in Wien, war er nicht nur als Pianist, sondern auch als Musikkritiker (unter dem Anagramm: Bruno Fioresucci) tätig und versuchte trotz Hanslicks Empfehlung erfolglos, die Wiener Philharmoniker für eine Aufführung seiner Symphonischen Suite op. 25 zu gewinnen. Er lernte J. Brahms kennen, der ihn nachhaltig beeinflusste, von dem B. auch einige Werke in sein Repertoire aufnahm und dem er zwei Klavier-Kompositionen widmete. 1885 war B. kurze Zeit in Leipzig und Berlin, anschließend in Frohnleiten/St, wo erste Entwürfe seiner unvollendeten Oper Sigune entstanden, dann wieder in Wien. Ende 1886 ließ er sich in Leipzig nieder, knüpfte Kontakte zu Verlegern und wichtigen Kollegen (u. a. Freundschaft mit G. Mahler) und festigte seinen Ruhm als Pianist. 1888 wurde B. Klavierlehrer (u. a. von J. Sibelius) in Helsingfors (Helsinki), gewann 1890 in St. Petersburg den Rubinstein-Kompositions-Wettbewerb, ging im selben Jahr als Klavierlehrer nach Moskau, 1891 nach Boston, ließ sich 1892 in New York nieder und widmete sich dort fast ausschließlich seiner Virtuosenlaufbahn. In dieser Zeit revidierte er, veranlasst durch Liszts Klavier-Kompositionen, seine Spieltechnik. Seit 1894 in Berlin lebend, unterrichtete er zahlreiche Schüler, unternahm ausgedehnte Konzertreisen, gab Meisterkurse in Weimar/D, komponierte wieder intensiver und veröffentlichte literarische Aufsätze. 1902 gründete er die Berliner Orchesterabende, bei denen (bis 1909) auch damals noch unbekannte Komponisten wie A. Schönberg und Béla Bartók vorgestellt wurden. 1907/08 übernahm B. als Nachfolger E. v. Sauers eine Klavier-Meisterklasse am Wiener Konservatorium. Er beteiligte sich an der Liszt-Gesamtausgabe und einer Ausgabe von J. S. Bachs Klavierwerken (B.-Ausgabe). 1907 erschien erstmals sein Entwurf einer neuen Ästhetik der Tonkunst, dessen 2. Auflage (1916) H. Pfitzners Polemik Futuristengefahr provozieren sollte. Experimente mit Drittel- und Sechsteltönen führten auch zu Entwürfen entsprechender Instrumente. In seinen Kompositionen überschritt er in dieser Zeit die Grenzen der Tonalität, auch beeinflusst von Schönberg, mit dem er engeren Kontakt hatte (Briefwechsel zwischen A. Schönberg und F. B. 1903–19, 1927). 1909 erschien B.s Versuch einer organischen Klavier-Notenschrift. Die dann folgende intensive Beschäftigung mit J. S. Bachs Kontrapunktik führte B. in seinen Kompositionen zu einer strikten polyphonen Stimmführung, wobei Melodik und Harmonik größtmögliche Entfaltungsfreiheit erhielten, teilweise unter Verzicht von Taktstrichen. Alle neuen musikalischen Errungenschaften wurden dann seit 1916 in B.s „opus omnium“, der unvollendeten Oper Doktor Faust, verarbeitet. 1913 wurde B. Leiter des Liceo musicale in Bologna, unternahm auch wieder eine Amerika-Tournee und ließ sich, bedingt durch den Ersten Weltkrieg, 1915–20 in Zürich nieder. Hier übernahm er oft von V. Andreae die Leitung des Tonhalle-Orchesters und war kompositorisch und als Herausgeber sehr produktiv. Nach Berlin als Leiter einer Kompositions-Meisterklasse an der Preußischen Akademie der Künste zurückgekehrt (Schüler: u. a. D. Mitropoulos, K. Weill), unternahm er trotz sich verschlechternder Gesundheit wieder Konzertreisen und arbeitete bis zu seinem Tod weiter am Doktor Faust. – Als Pianist war B. eine epochale Erscheinung, als Komponist und Ästhetiker Wegbereiter der Neuen Musik, in seinen vielseitigen Tätigkeiten „eine Künstlerfigur europäischen Zuschnitts“.
Ehrungen
u. a. Mitglied Reale Accademia filarmonica Bologna 1881; Dr. h.c. Zürich 1919.
Schriften
Entwurf einer neuen Ästhetik der Tonkunst 1907, 21916; Von der Einheit der Musik 1922 (Aufsatz-Slg. mit WV); veröffentlichte Briefwechsel u. a. mit A. Schönberg, G. Mahler, Otto Klemperer, V. Andreae.
Werke
Opern (Doktor Faust, Die Brautwahl, Turandot, Arlecchino); Orchester-Suiten; Ouvertüren; Konzerte (Kl.-, V.-, Klar.- und Fl.); Kammermusik; Klavierkompositionen; Lieder; bearbeitete Werke von J. S. Bach, W. A. Mozart u. a.
Literatur
H. H. Stuckenschmidt, F. B. Zeittafel eines Europäers 1967; MGG 3 (2000); NGroveD 4 (2001); MGÖ 3 (1995); Riemann 1959 u. 1972; StMl 1962–66.

Autor(en)
Uwe Harten
Empfohlene Zitierweise
Uwe Harten, Art. „Busoni, Ferruccio Dante Michelangelo Benvenuto‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 06/06/2001]