Krauss, Familie
Clemens: * 31.3.1893 Wien, † 16.5.1954 Mexico-City. Dirigent. Aufgewachsen bei seinen Großeltern K., wurde er 1901 Mitglied der Wiener Sängerknaben und studierte 1905–12 am Konservatorium der GdM (v. a. bei R. Heuberger und H. Grädener). Bereits ab 1913 wirkte er als Opernkapellmeister, zunächst in Brünn, Riga und Nürnberg/D. 1916–21 war er Theaterkapellmeister in Stettin (Szczecin/PL) und erlebte Konzerte der Berliner Philharmoniker, deren Dirigent A. Nikisch er als seinen „eigentlichen Lehrmeister“ bezeichnete, später wurde er auch von F. Schalk und R. Strauss beeinflusst. In Graz war K. 1921/22 Opernchef und Leiter der Symphoniekonzerte. 1922 wurde er von F. Schalk an die Wiener Staatsoper engagiert, war gleichzeitig Prof. an der MAkad. und 1923–27 Leiter der Wiener Tonkünstler-Konzerte ( Wiener Symphoniker ). 1924 ging er als Intendant und Generalmusikdirektor nach Frankfurt a. M./D., daneben Gastauftritte in Buenos Aires, Philadelphia/USA und Leningrad (St. Petersburg/RUS). Vom 1.9.1929 bis 10.12.1934 war er Direktor der Wiener Staatsoper (dirigierte u. a. 1930 die Wiener EA von Alban Bergs Wozzeck; die für 1934 angesetzte UA der im Auftrag K.’ komponierten Oper Karl V. von E. Krenek wurde durch Intrigen nationalsozialistischer Kreise verhindert), 1930–33 Leiter der Philharmonischen Konzerte, gastierte mit den Wiener Philharmonikern u. a. in Paris, Venedig, Rom, im Vatikan, dirigierte in Dresden/D und bei den Salzburger Festspielen (Debüt 1926, 1939 und 1942 auch deren Leiter sowie Leiter der MHsch. Mozarteum; K.’ Schüler u. a. O. Suitner). 1935–37 Operndirektor in Berlin, 1937–44 Generalintendant und -musikdirektor in München, weitere Gastspielreisen, u. a. auch nach Wien. Er dirigierte hier 1941 das erste „eigentliche“ Neujahrskonzert, die weiteren bis 1945 und nach knapp zweijährigem Dirigierverbot (das Nicht-Parteimitglied wurde als „Nutznießer des Dritten Reiches“ eingestuft) wieder 1948–54. Ab 1947 war er wieder als Operndirigent in Wien tätig, 1949 bei den Bregenzer, ab 1952 auch wieder bei den Salzburger, 1953 bei den Bayreuther Festspielen und unternahm zahlreiche Tourneen in fast alle Erdteile. K. war eng mit R. Strauss befreundet und wurde besonders als Interpret von dessen Werken weltberühmt. Auch als Wagner-, Mozart- und Verdi-Dirigent wurde er geschätzt, mit G. Puccini war er in persönlichem Kontakt. Er dirigierte die UA.en folgender Strauss-Opern: 1933 Arabella, 1938 Der Friedenstag, 1942 Capriccio (Libretto von K.), 1952 Die Liebe der Danae (1944 schon deren öffentliche Generalprobe) sowie die Neufassungen von Die ägyptische Helena (1933) und von Arabella (1939). Häufig trat er – auch bei Konzerten – zusammen mit seiner Frau V. Ursuleac auf. C. K., während einer Konzertreise verstorben, wurde am 12.7.1954 in Ehrwald/T beigesetzt, wo er seit 1950 gewohnt hatte. In der Musiksammlung der ÖNB wurde ein C. K. Archiv eingerichtet. Ein Sohn aus einer früheren Ehe, Oliver Hector K. (* 1926), wurde Schauspieler.
G: Büste (Wr. Staatsoper); C.-K.-Park (bis 1959–66 Wien XXII, seit 1966 Wien XVII); Gedenktafel am Geburtshaus Belvederegasse 7 (Wien IV).
P: Ehrenring der Stadt Wien 1932; Ehrenmitglied der Wr. Philharmoniker 1952; Ehrenmitglied der MUniv. Wien.
W: Libretto Capriccio (M: R. Strauss) 1942.
Lit: G. Brosche (Hg.), C. K. 1993; G. Brosche (Hg.), R. Strauss – C. K. Briefwechsel 1997; G. K. Kende, Höchste Leistung aus begeistertem Herzen. C. K. als Direktor der Wr. Staatsoper 1971; O. Strasser in Die Presse 17.10.1988; Hellsberg 1992; NGroveD 13 (2001); Salzburger KulturL 1987 u. 2001; MGG 7 (1958); Riemann 1959 u. 1972; [Kat.] 100 Jahre Wr. Oper 1969, 137–142; Czeike 3 (1994); StMl 1962–66; Österr. Musiker im Exil 1990; Musik im Exil 1993; http://members.aol.com/clemenskrauss/KRAUSS_1.htm (7/2003, Selbstbiographie); http://members.aol.com/clemenskrauss/KRAUSS_2.html (7/2003, Zeittafel; beide Seiten von O. H. Krauss).


Seine Mutter Clementine K. (* 24.4.1877 Wien, † 18.4.1938 Prag), war Solotänzerin an der Wiener Hofoper, später Schauspielerin, Sängerin (v. a. Rich. Wagner-Partien) und Spielleiterin; sein Vater war der Gutsbesitzer und bekannte Rennreiter Hector Baltazzi (* 21.9.1851 Therarphia bei Konstantinopel [Istanbul], † 2.1.1916 Wien), langjähriger Begleiter von Kaiserin Elisabeth und dem Prince of Wales, ein Onkel von Baronesse Marie Vetsera. Clementines Tante
Marie Gabrielle K.: * 24.3.1842 Wien, † 6.1.1906 Paris. Sängerin (Sopran). Schülerin von M. Marchesi in Wien, debütierte 1858 in einem Konzert der Gesellschaft der Musikfreunde. 1859–67 sang sie an der Wiener Hofoper, 1867–70 am Théâtre Italien in Paris, 1875–87 an der von ihr miteröffneten neuen Grand Opéra, gastierte aber auch in Italien und Russland. Berühmt waren u. a. ihre Interpretationen von Partien aus Opern G. Meyerbeers, wobei ihre intensive dramatische Rollengestaltung gepaart mit vollendeter Koloraturtechnik hervorgehoben wurde. Nach 1888 trat sie nur noch in Konzerten auf und wirkte als Gesangslehrerin in Paris.
Lit: NGroveD 13 (2001); K-R 1997 u. 2002; ÖBL 4 (1969); Riemann 1959.


UH  
[ Zuletzt aktualisiert: 2013/07/17 08:51:00 ]

        [ LOGIN... ]

        Eine Neuanmeldung kann unter Menüpunkt "Registrieren" durchgeführt werden.


Home ] [ Musikforschung ] [ Elektronisches Publizieren ]
Akademie ] [ Redaktion ] [ Verlag ]

Quelle: Österreichisches Musiklexikon, Kommission für Musikforschung
Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften
© 2002–2013 Alle Rechte vorbehalten ISBN: 978-3-7001-3077-2