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Paumgartner, Paumgartner, Johann: Familie
Johann: * 1844-01-1010.1.1844 Micheldorf/OÖ, † 1896-05-2323.5.1896 Wien. Pianist, Komponist, Musikschriftsteller. Sohn eines Richters, 1861–65 Jusstudium an der Wiener Univ., bis 1880 als Jurist tätig. Nach einem erfolgreichen Klavierkonzert unter F. Mottl im November 1879 widmete sich P. ganz der Musik. Sologesang-Korrepetitor an der Wiener Hofoper, zahlreiche Privatschüler, ab 1884 anerkannter Musikreferent der Wiener Zeitung. P. war befreundet mit A. Bruckner und J. Brahms und ein Vorkämpfer für das Werk Rich. Wagners in Wien. Hervorragender Kammermusiker und Klavierbegleiter.
Werke
Symphonien; Quartette; Klavierstücke; Chöre; Lieder u. a.


Seine Frau Rosa (geb. Papier): * 18.9.1858 Baden bei Wien/NÖ, † 9.2.1932 Wien. Sängerin (Mezzosopran), Musikpädagogin und -schriftstellerin. Tochter eines Staatsbeamten, Ausbildung an der höheren Mädchenschule in Krems, Mitglied im dortigen Gesang- und Orchesterverein, ab 1878 Gesangsstudium bei M. Marchesi am Konservatorium der GdM bzw. privat, Partiturspiel bei J. P., den sie 1882 heiratete. 1880 erster öffentlicher Auftritt, am 15.3.1881 Amneris in G. Verdis Aida im Theater an der Wien, dieselbe Rolle am 21.4. auf Einladung W. Jahns als Gast mit großem Erfolg an der Hofoper, deren Mitglied P. daraufhin bis 1891 war. Liederabende und Gastspiele an vielen großen deutschen Opernhäusern, auch in Amsterdam, Prag und Budapest. P. war eine bedeutende Interpretin der Werke Rich. Wagners. Ein Kehlkopfkatarrh beendete 1891 ihre aktive Karriere als Sängerin. Ab 1893 war sie erfolgreich als Gesangslehrerin (ao. Prof.) am Konservatorium der GdM tätig, zu ihren bekanntesten Schülerinnen zählen A. Mildenburg, Felicie Hüni-Mihacsek, Sabine Kalter, B. Paalen, R. Pauly, L. Weidt und H. Wildbrunn. P. unterstütze 1897 G. Mahlers Berufung an die Wiener Hofoper.


Gedenkstätten
Papiergasse (Wien XXIII [Inzersdorf]).
Ehrungen
Kammersängerin 1889.
Schriften
mehrere Artikel über das Wiener Musikleben in der Neuen Freien Presse.
Literatur
K-R 1997 u. 2002; [Kat.] 100 Jahre Wr. Oper 1969, 81; ÖBL 7 (1978); B. Paumgartner, Erinnerungen 1969; Czeike 4 (1995).


Deren Sohn Bernhard: * 14.11.1887 Wien, † 27.7.1971 Salzburg. Dirigent, Musikforscher, -pädagoge, Komponist, Herausgeber. Schüler des Wiener Theresianums, Jusstudium an der Wiener Univ. (Promotion 1911), daneben besuchte er 1906–09 auch einige Vorlesungen aus Musikwissenschaft bei G. Adler, M. Dietz und H. Grädener. Außerdem Ausbildung in Musiktheorie und -geschichte, Komposition, Kontrapunkt und Dirigieren bei E. Mandyczewski und B. Walter, Klavier bei Rudolf Dienzl und Horn bei K. Stiegler sowie private musikwissenschaftliche Studien bei G. Adler. 1906 Assistent G. Mahlers beim 7. Salzburger Musikfest, 1911/12 Sologesangskorrepetitor an der Wiener Hofoper unter B. Walter, 1914–17 Dirigent des Wiener Tonkünstler-Orchesters (Wiener Symphoniker), vertrat E. Mandyczewski 1915/16 als Lehrer an der Wiener MAkad. (Partiturspiel, Gesangsliteratur), 1916–18 Leiter der Musikhistorischen Zentrale beim k. u. k. Kriegsministerium (systematische, monarchieweite Soldatenliedersammlung, u. a. gemeinsam mit Béla Bartók, Zoltán Kodály, K. Mautner, F. Petyrek, R. Zoder), 1917–38 und 1945–59 Direktor bzw. ab 1953 Präsident des Mozarteums in Salzburg, dessen Verstaatlichung er 1922 durchsetzte. Unter seiner Leitung wurde das Mozarteum 1922 Akademie und 1953 Hochschule. P. war u. a. gemeinsam mit M. Reinhardt an der Gründung der Salzburger Festspiele beteiligt und 1960–71 Präsident des Direktoriums. Während des Zweiten Weltkriegs erhielt er von der Wiener Univ. einen Forschungsauftrag in Florenz über italienische Musikgeschichte und die Anfänge der Oper. Ab 1949 war P. auch Prof. an der Wiener MAkad. und unterrichtete Musiktheorie und -geschichte, sein bekanntester Schüler war H. v. Karajan.

P. schrieb mit Einar Nilson 1920 die erste Bühnenmusik zu H. v. Hofmannsthals Jedermann und dirigierte 1921 das 1. Orchesterkonzert, die von ihm initiierte 1. Mozart-Serenade sowie das 1. geistliche Konzert der Festspiele. Er bemühte sich besonders um W. A. Mozarts Jugendopern, begründete 1930 die Sommerkurse am Mozarteum, 1949 die Mozart-Matineen und 1952 die Camerata Academia des Mozarteums, mit der er, wie schon seit 1922 mit dem Mozarteum-Orchester, auf zahlreichen Tourneen in Europa, den USA und Japan wie auch durch Plattenaufnahmen den „Salzburger Mozart-Stil“ bekannt machte. P. initiierte die Aufführung der von ihm ergänzten Messe in c-Moll von W. A. Mozart in der Stiftskirche St. Peter, die Rappresentazione von Emilio de’ Cavalieri in der Felsenreitschule bzw. in der Univ.skirche, die Renaissance des Hellbrunner Steintheaters, das Fest in Hellbrunn, die Musica aurea-Konzerte sowie das Musische Gymnasium.

In seinen umfangreichen Schriften und Vorträgen beschäftigte sich P. v. a. mit den Themen Mozart, Salzburg, Festspiele und Aufführungspraxis.


Gedenkstätten
B.-P.-Weg (Salzburg); B.-P.-Medaille der Internationalen Stiftung Mozarteum für die hervorragende Interpretation Mozartscher Werke.
Ehrungen
Prof. 1925; Hofrat 1937; Österr. Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst 1962; Ehrendoktorat 1967.
Werke
Bühnenwerke (Die Höhle von Salamanca 1923; Rossini in Neapel 1935; Sophonisbe 1943); Instrumentalmusik (Orchester-Suite nach alten Französischen Meistern 1927; Salzburger Divertimenti. Ballett-Divertimenti nach Musik von Mozart 1954); Chöre (Dt. Soldatenmesse 1917); Lieder (Im Freien. 6 Gesänge 1914); Bearbeitungen und Neueinrichtungen (J. Haydn: Dt. Tänze f. Orch. 1939; W. A. Mozart: La Clemenza di Tito 1949; W. A. Mozart: La finta semplice 1956; E. de’ Cavalieri: Rappresentazione di anima e di corpo 1970).
Schriften
(Hg.:) Das Soldatenvolkslied und seine Aufsammlung in der Musikhistorischen Zentrale des k. u. k. Kriegsministeriums 1918; Leopold Mozart: Versuch einer gründlichen Violinschule 1922; Mozart 1927, 101993; Salzburg 1935, 1966; Leopold Mozart: Briefe an seine Tochter 1936 (gem. m. O. E. Deutsch); F. Schubert. Eine Biographie 1943; John Mainwaring: G. F. Händel. Nach Johann Mattheson (1761) 1947; Dr. Ch. Burney’s musikalische Reise durch das alte Österreich (1772) 1948; J. S. Bach. Leben und Werk 1 (1950); Das instrumentale Ensemble von der Antike bis zur Gegenwart 1966; Die Aufgabe Salzburgs 1967; Das kleine Beethovenbuch 1968; Erinnerungen 1969, 2001. Zahlreiche gedruckte wie ungedruckte Aufsätze, Vorträge, Lexikonartikel, Fernseh- und Rundfunksendungen, Übersetzungen, Ausgaben alter und neuerer Musik.
Literatur
MGG 10 (1962); Salzburger KulturL 1987; NGroveD 19 (2001); E. Kornauth in ÖMZ 12 (1957); E. Preussner (Hg.), [Fs.] B. P. 1958; Beiträge v. R. Wagner u. E. Werba in ÖMZ 22/8 (1967); G. Croll (Hg.), B. P. Künstler und Forscher 1971; G. Walterskirchen, R. Angermüller und M. Pfisterer, Biographie und Bibliographie in www.bernhard-paumgartner.info (8/2004); Nachlass im B. P.-Archiv am Institut für Musikwissenschaft der Univ. Salzburg; Archiv Univ. Wien.

Autor(en)
Eva Maria Hois
Empfohlene Zitierweise
Eva Maria Hois, Art. „Paumgartner, Familie‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 18/10/2018]