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Schalmei
Holzblasinstrument mit doppeltem Rohrblatt; besitzt eine konische Innenbohrung, eine Pirouette, auf deren oberem Rand die gewölbten Lippen zur Entlastung der Muskulatur abgestützt werden, sieben vorderständige Grifflöcher, aber kein Daumenloch und eine sehr lange, fast die Hälfte des gesamten Instruments ausmachende Stürze, die neben dem Tonloch für den tiefsten Ton weitere Schalllöcher aufweist, um zu verhindern, dass der unterste Ton zusätzlich vertieft wird.

Die Instrumente wurden sehr früh bereits in verschiedenen Stimmlagen gebaut. In manchen Quellen wird der Terminus Sch. auf sämtliche Größen des Instruments bezogen, in anderen werden die tiefer gestimmten Instrumente als Pommer (früher pumhart, bomhart, Bombart o. ä.) bezeichnet. Bei tieferen Instrumenten ist das 7. Griffloch nicht mehr mit dem kleinen Finger erreichbar, deshalb wurden Pommern mit einer oder mehreren Klappen ausgestattet, die von einer aufgestülpten, tonnenförmigen sog. Fontanelle verdeckt sind.

Ab dem 12. Jh. sind im europäischen Raum ikonographische und literarische Belege zur Verwendung dieser Instrumente in der Musik der Spielleute (Spielmann) bekannt. Auch auf österreichischem Boden finden sich sehr frühe Hinweise auf Sch.en und Pommern. So schreibt z. B. Ulrich von Liechtenstein im Frauendienst (vor 1250): „Holefloyte sumber dôz / pusûnen und schalmeyen schal / moht niemen da gehoern wal.“ Das zweistimmige Lied Das Nachthorn des Mönch von Salzburg in der Mondsee-Wiener Liederhandschrift (A-Wn 2856) aus der Zeit um 1400 trägt in der Unterstimme den Vermerk„Das Ist der pumhart dazu“. Gemeint ist hier ein Instrument in Alt/Tenorlage. Die textierte Oberstimme könnte nach der Anweisung „ist gut zu blasen“ auf einer Sch. ausgeführt werden. Die Holzschnittdarstellung der „Burgundisch pfeyffer“, bestehend aus je fünf Posaunisten und Bomhart-(Sch.-)Bläsern, im Triumphzug K. Maximilians I. von Hans Burgkmair d. Ä. (um 1516) belegt sehr anschaulich, dass Sch.en und Pommern ebenso im höfischen Bereich eingesetzt wurden. Nach 1500 häufen sich ikonographische und archivalische Belege zur Verwendung von Sch. und Pommer als Ensembleinstrumente in Österreich. Gemeinsam mit der Zugtrompete oder später auch der Posaune bilden sie die Kernbesetzung der „Alta Capella“ – ein schönes Beispiel dafür ist die Abbildung der Grazer Stadtpfeifer im Schützenbuch des Leonhard Flexl (A-Wn 10116) von 1568 – oder spielen in instrumental bzw. vokal-instrumental besetzten Ensembles oft in Kombination mit Zinken, Posaunen und Dulzianen (Fagott). So enthalten die Stimmbücher der sechsstimmigen Motette Domine Deus rex magne des Grazer Hofkapellmeisters A. Padovano aus dem Jahre 1579 der Proske-Bibliothek in Regensburg/D (Ms. 775b) den Vermerk „3 Pumert [Pommer], 2 Zingen, ain Pusaun“. Welch bedeutende Rolle Sch.en noch gegen Ende des 16. Jh.s im höfischen Bereich spielten, beweisen diverse Eintragungen in den Kapellinventaren von Graz (1577) – „Schallmeyen groß vnd khlain. 9 stuckh“ – bzw. Schloss Ambras (1596) – „Sch.en, 10 Stuckh, als 3 grosse päsz, 2 päsz, 3 tenor, 2 discant. Darzue ain tenor und ain discant, so gar alt“.

Entwicklungsgeschichtlich zwischen Pommer und der im letzten Drittel des 17. Jh.s im Umkreis des französischen Hofes vermutlich von den Musiker- und Instrumentenbauerfamilien Hotetterre und Philidor durch Umformung des späten Sch.en-Typs entwickelten barocken Oboe anzusiedeln ist die sog. Deutsche Sch., welche wie der Pommer ebenfalls mit Hilfe einer Pirouette angeblasen wird, eine Fontanelle (beim Diskantinstrument allerdings ohne darunter liegende Klappe) aufweist, aber wesentlich schlanker als dieser gebohrt ist. Deutsche Sch.en wurden in der Nachfolge der Pommern ab ca. 1680, wie zahlreiche Abbildungen zeigen, in Diskant- und Alt/Tenorlage zusammen mit Dulzianen vorwiegend im militärischen Bereich eingesetzt. In manchen geistlichen und weltlichen Kompositionen meist pastoralen Charakters werden Deutsche Sch.en unter der Bezeichnung Piffari eingesetzt, u. a. bei J. H. Schmelzer und Pavel Vejvanovský. Eine eindeutige Abgrenzung zur gegen Ende des 17. Jh.s in Österreich bekannt werdenden französischen Oboe ist in schriftlichen Quellen allerdings nicht immer möglich, weil sowohl Sch.en als auch Oboen oft einheitlich als hautbois bezeichnet werden. So sind höchstwahrscheinlich mit den beiden Hautbois in der Partitur von H. I. F. Bibers Missa Salisburgensis von 1682 Deutsche Sch.en gemeint. Auch die beiden als Obue bahse bezeichneten Instrumente, die 1736 C. H. v. Biber für eine seiner Salzburger Kirchensonaten vorschreibt, könnten noch im Chorton stehende Deutsche Sch.en in G sein.

Eine Reihe von Sch.en, Pommern und Deutschen Sch.en verwahren heute die Sammlungen von Salzburg (Museum Carolino Augusteum), Linz (Oberösterreichisches Landesmuseum) und Wien (Sammlung Alter Musikinstrumente des KHM).


Literatur
J. Schlosser, Die Slg. alter Musikinstrumente 1920 (ND 1984); Federhofer 1967; K. Birsak, Die Holzblasinstrumente im Salzburger Museum Carolino Augusteum 1973, 19–65; G. Joppig, Oboe & Fagott. Ihre Gesch., ihre Nebeninstrumente und ihre Musik 1981; Ph. T. Young, Die Holzblasinstrumente im Oberösterr. Landesmuseum 1994; MGG 2 (1995) [Doppelrohrblattinstrumente, Tl. A]; F. P. Bär, Holzblasinstrumente im 16. und 17. Jh. 2002.

Autor(en)
Klaus Hubmann
Empfohlene Zitierweise
Klaus Hubmann, Art. „Schalmei‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 06/05/2001]