Schiedermayr (Schiedermayer, Schiedermair), Familie
Johann Baptist: * 23.6.1779 Münster/Bayern, † 6.1.1840 Linz. Komponist. Der Sohn des Schullehrers und Musikers Johann Georg Sch. (ca. 1746–1811) wurde 1788 Sängerknabe im Prämonstratenserstift Windberg/D, wo sein älterer Bruder Georg (?–?) Organist war, kam 1791 ins Benediktinerstift Oberaltaich/D und 1793 nach Straubing/D, wo er bereits zu komponieren begann. Von dort ging er als Bassist und Organist nach St. Nikola vor Passau. Aufgrund der Säkularisierung in Bayern wandte sich Sch. 1804 nach Linz, wo er unter F. X. Glöggl bei der Kirchen-, Theater- und Bürgermusik mitwirkte. 1810 wurde er zugleich Dom- und Stadtpfarrorganist. Ab 1812 war er auch als 1. Kapellmeister am Landestheater und als Dirigent der Redoutenbälle tätig. 1839 trat er Glöggls Nachfolge als (provisorischer) Dom- und Stadtpfarr-Kpm. an. 1823–37 unterrichtete er an der Gesangschule der Linzer Gesellschaft der Musikfreunde. Seine kirchenmusikalischen Werke, v. a. die Landmessen, wurden bis zum Cäcilianismus allgemein geschätzt.
P: Ehrenmitglied der Ges. der Musikfreunde in Linz 1837.
W: Kirchenmusik (Messen, Requien, Gradualien, Offertorien, Präludien [s. Tbsp.] usw.); Kantaten; Singspiele; Kammermusik, Tanzmusik; Orgelstücke.
Schr: Theoretisch-praktische Chorallehre 1828 (s. Abb.).
Lit: F. Zamazal in O. Wessely (Hg.), [Kgr.-Ber.] Bruckner. Linz 1990, 1993; ÖBL 10 (1994); MGG 11 (1963); BrucknerH 1996; Wurzbach 29 (1875) [mit WV]; Kellner 1956; Kosch 3 (1992); DBEM 2003; Wessely 1953; Weissenbäck 1937; F-A 1936; MGÖ 2 (1995).


Sein Bruder Franz Xaver: * 25.12.1782 Cham/Bayern, † 1833 Straubing/Bayern. Lehrer, Komponist. War in Straubing als Lehrer tätig.
W: Neue Orgel- und Klavierstücke [ca. 1825].


Sein Sohn Karl: * 3.11.1818 Linz, † 29.10.1895 Kirchdorf an der Krems/OÖ. Arzt, Botaniker und Chormeister. Besuchte das Stiftsgymnasium Kremsmünster und studierte 1837–43 Medizin an der Univ. Wien. Er war bis 1890 als Arzt in Linz, Kirchdorf und Steyr/OÖ tätig (zuletzt Landessanitätsreferent für Oberösterreich) und auch als Botaniker angesehen. Er war Gründungsmitglied der Liedertafel Frohsinn (1845), ab 1852 erster Chormeister der von ihm ins Leben gerufenen Liedertafel Kirchdorf. Daneben komponierte er auch.
P: Ehrenbürger von Micheldorf/OÖ u. Kirchdorf.
Lit: ÖBL 10 (1994); Wurzbach 29 (1875); Kellner 1956; F. Scheder, Anton Bruckner Chronologie 1996.


Weitere Söhne:
Johann Baptist jun. (* 6.6.1807 Linz, † 16.4.1878 Linz) war Geistlicher (ab 1874 Dompropst) in Linz und Mitglied des Linzer Musikvereins. Er verfasste einen Nekrolog auf seinen Vater.
Lit: ÖBL 10 (1994); F. Scheder, Anton Bruckner Chronologie 1996.


Josef (1821–74), Advokat, hatte wahrscheinlich mit Karolina Barghesi ein uneheliches Kind, Bertha Barghesi (Bargezzi, verh. Weißgärber, 1855–1923), die gerüchteweise als Tochter A. Bruckners kursierte. Sie wurde von Karl Sch. adoptiert und heiratete 1874 den Lehrer und Chormeister Alois Weißgärber (1845–1914), mit dem sie fünf Kinder hatte, u. a. Max Weißgärber (* 21.10.1884 Ottensheim bei Linz/OÖ, † 30.11.1951 Wien), Primgeiger der Wiener Philharmoniker und des Weißgärber-Quartetts.
Lit: F. Feichtinger in Oberösterr. Heimatbll. 43 (1989) H. 3; Beiträge v. B. Weißgärber-Fröhlich u. R. Bronnen in Bruckner Jb. 1984/85/86 (1988).


ARa  
[ Zuletzt aktualisiert: 2010/11/22 10:12:58 ]

        [ LOGIN... ]

        Eine Neuanmeldung kann unter Menüpunkt "Registrieren" durchgeführt werden.


Home ] [ Musikforschung ] [ Elektronisches Publizieren ]
Akademie ] [ Redaktion ] [ Verlag ]

Quelle: Österreichisches Musiklexikon, Kommission für Musikforschung
Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften
© 2002–2011 Alle Rechte vorbehalten ISBN: 978-3-7001-3077-2

Musik ist Byte
Medien




Johann Baptist Schiedermayr, Präludium in C-Dur, op. 76
© 2003  Studio Weinberg, 4292 Kefermarkt


Publikationen zur Musikforschung im Verlag