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Arleth, Arleth, Emmerich Familie
Emmerich (sen.): * 1900-08-1414.8.1900 Wien, † 1965-11-1111.11.1965 Wien. Schauspieler, Sänger, Textdichter. Väterlicherseits einer protestantischen Friseurfamilie entstammend, verlor er seinen Vater Karl Wilhelm (* 14.1.1862 Wien, † 20.8.1906 Wien) bereits früh und übersiedelte mit der Mutter Franziska, geb. Kaschka (* 7.9.1865 Wien, † 2.8.1912 Wien) und den Geschwistern von Ottakring (Wien XVI) nach Hernals (Wien XVII). Hier wuchs er in unmittelbarer Nähe des damaligen Etablissements Klein (heute Metropol) auf, wo er in direktem Kontakt zu populären Volkssängern und -sängerinnen (u. a. L. Montag, E. Guschelbauer, H. Führer) kam und 1908 seinen ersten öffentlichen Auftritt mit G. Picks Fiakerlied hatte. Dazu kamen weihnachtliche Auftritte in Kindermärchen an der Seite des späteren Schauspielers und Regisseurs Rudi Merstallinger (1900–49). Nach dem Tod der Mutter wuchs A. beim älteren Bruder Karl Wilhelm (* 14.10.1890 Ottakring, † 1917 [Ort?]/RUS [Kriegsgefangenschaft]) auf und erlernte den Friseurberuf. Daneben pflegte er Kontakt zum Hernalser Jugendbund, lernte Geige, Kontrabass und Gitarre und unterhielt seine Freunde mit Liedern. 1915 trat er bei einer Wohltätigkeitsveranstaltung des Katholischen Volksbundes Hernals als Vortragender von Gedichten an die Öffentlichkeit. Ab 1917 Kriegsdienst und laut eigenen Angaben Auftritte in diversen Fronttheatern sowie bei Wohltätigkeitsveranstaltungen. Nach der Rückkehr fand A. Beschäftigung als Sänger in kleinen Rollen bei der Volkssängergesellschaft von Josef und Marie Ullmann, die im Etablissement Klein auftrat. Ab etwa 1919 bis zumindest 1933 trat er auch mit dem Komiker Ferdinand Steinbauer als Duo Arleth-Steinbauer auf, das sich dem Repertoire der Wiener Volkssänger verpflichtete. Kurz nach der Heirat 1922 mit Josefa, geb. Horek (* 24.9.1899 [Ort?], begr. 5.1.1998 Wien) erhielt A. eine Stelle bei einer Versicherung, verfolgte jedoch weiterhin auch seine Karriere als Sänger und Schauspieler. 1925–27 nahm er Unterricht an der Schauspielschule Otto (Gesang und Sprechtechnik) und erhielt Gesangsunterricht bei Egmont Plowitz. 1927 legte er die Artistenprüfung als Humorist ab, am Klavier begleitet von seinem Freund H. Weiner-Dillmann. Er spielte weiterhin in der Gesellschaft Ullmann, unternahm eine Tournee mit einer Mysterienspielvereinigung durch Deutschland und die Schweiz und ging danach als Vortragskünstler und Humorist ans Kabarett und Varieté. Auch hier widmete er sich als Interpret erfolgreich dem Wiener Genre, besonders dem Wienerlied. Zu seinen Freunden zählten mehrere Vertreter dieser Gattung, darunter K. Föderl, F. P. Fiebrich und R. Domanig-Roll. Ab 1928 war A. auch auf Radio Wien zu hören. 1929 gelang ihm der Sprung auf die Operetten- bzw. Revuebühne, in der Folge spielte er in Wien in der Komödie, im Stadttheater und im Schauspielhaus sowie 1939–41 an der Revuebühne Femina, wohin ihn sein Freund F. Imhoff vermittelt hatte und wo A. auch als Regisseur wirkte. Dazu kamen Gastspiele im In- (Klagenfurt, Linz) und Ausland (u. a. Berlin, München, Leipzig/D und Prag). Darüber hinaus fungierte er 1934–38 und ab 1945 als Präsident der Sektion Artisten in der Gewerkschaft für Kunst und freie Berufe (Interessenvertretungen). 1940–42 Kriegsdienst, zunächst im Mai/Juni als Soldat beim Frankreichfeldzug, ab November 1940 als Künstler bei Fronttourneen. Während seiner Urlaube trat A. weiterhin auf Wiens Bühnen auf, ab Ende 1942 spielte er hauptsächlich als Operettenkomiker am Raimundtheater. Nach Kriegsende 1945 spielte er in verschiedenen Kabaretts, u. a. im Simpl, mit dem er im Sommer 1946 auch Gastspiele in Salzburg und Linz absolvierte. Dazu kamen regelmäßige Auftritte bei Veranstaltungen der Gesellschaft zur Hebung und Förderung der Wiener Volkskunst. Ab 1947 Mitwirkung in mehreren Filmen (u. a. Wienerinnen 1952, Praterherzen 1953, Der Komödiant von Wien 1954). Am 20.11.1953 wurde im Großen Saal des Wiener Konzerthauses ein Ehrenabend für ihn anlässlich seines 35-jährigen Bühnenjubiläums veranstaltet. Den Festprolog (Ein Wienerischer Troubadour) verfasste und präsentierte A. Steinberg-Frank. Einen weiteren Ehrenabend widmete man ihm am 10.11.1960 anlässlich seines 60. Geburtstags. Darüber hinaus war A. seit 1945 auch wieder gewerkschaftlich als Kuratoriumsmitglied von Künstler helfen Künstlern und 1959 als Gründer und Präsident des Sozialwerks für österreichische Artisten tätig. In der Volkshochschule Ottakring präsentierte er 1951/52 und 1957–60 Wienerlieder und deren Protagonisten (Nachfolger: E. Track) so erfolgreich, dass er auch eine Hörfunkreihe zum selben Thema gestaltete, die insgesamt über 200 Folgen umfasste. Auch die Fernsehreihe O du süaße Weana Musi, die er 1959–63 präsentierte (Manuskript gem. m. Paul Stockmeier, musikalische Betreuung: K. Grell), blieb der Thematik treu. In den Sommermonaten stand A. Anfang der 1960er Jahre regelmäßig in Bad Ischl auf der Operettenbühne. Seinen letzten Auftritt hatte er am 9.11.1965 in Liesing (Wien XXIII). Auf dem Heimweg mit dem Auto erlitt er einen Schlaganfall, dem er zwei Tage später erlag. An A.s Begräbnis am Wiener Zentralfriedhof nahmen rund 2.000 Trauergäste teil.
Gedenkstätten
Ehrengrab Wr. Zentralfriedhof (s. Abb.); Gedenktafel Wohnhaus (Wien IX, enthüllt am 5.11.1967); A.gasse (Wien XIX, seit 1972).
Ehrungen
Ehrenmitglied des Katholisch-dt. Jugendbundes „Dr. Karl Lueger“ [vor 1933]; Widmungsträger von K. Föderls Ja, die Frau Stasi [T: A. Steinberg-Frank] 1946; Großes goldenes Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik 1960; Ehrenring der Büchergilde Gutenberg 1965; Hut vom lieben Augustin in Bronze von der Robert-Posch-Vereinigung 1966; Robert-Stolz-Medaille in Bronze von der Robert-Posch-Vereinigung; Ehrenpräsident des Vereins Das Wienerlied; Oskar Bauers Wienerlied D’ letzte Bitt! Laßt’s ma’s Weanaliad net sterb’n. Zum Gedenken an E. A. 1965.
Schriften
Mein Lebensziel in Tonfilm Theater Tanz 4/2 (1936), 13; Alfred Steinberg-Frank in Das Josefstädter Heimatmuseum 18 (1964).
Werke
Wienerliedtexte (In Neustift am Wald [M: H. Lang], Heut wolln wir lustig sein [M: S. Lehrner], Wozu brauch i a Römerglas [M: L. Kubanek]; gem. m. Herta Schlor Wann i amal wer’ nimmer sein [M: H. Lang], Vormittags bin i’ im Wirtshaus [M: R. Czapek/Hilde Schödl]); Schallplattenaufnahmen.
Literatur
E. Arleth (jun.), [Biographie über seinen Vater], msch. Ms. in https://musik-austria.at/ (6/2023); K. Loibl, Musikalische Künstler von gestern und vorgestern 35 (1990), msch. Ms. WStLB; Hauenstein 1979; E. Arleth (jun.) in Neue Illustrierte Wochenschau 16.8.1970; Kürschner 1956; Czeike 1 (1992); H. Kretschmer, Wr. Musikergedenkstätten21990; J. Sobieszek, Zum Lachen in den Keller 32012, 143ff; E. Weber in E. Fritz/H. Kretschmer (Hg.), Wien. Musikgesch. 1 (2006); Tonfilm Theater Tanz 4/2 (1936), 13; Das Kleine Volksbl. 29.12.1942, 5; Reichspost 10.12.1915, 19, 11.7.1919, 8, 13.9.1921, 6, 8.12.1926, 7; Neues Wr. Abendbl. 4.2.1933, 5; Kleine Volks-Ztg. 24.3.1928, 7, 17.6.1941, 7; Taufbuch der Evangelischen Pfarre Währing & Hernals (Lutherkirche) 1900, fol. 93; Sterbebuch der Evangelischen Pfarre Währing & Hernals (Lutherkirche) 1904–08, fol. 68 u. 1909–14, fol. 88; www.geschichtewiki.wien.gv.at (6/2023); http://archiv.vhs.at/ (6/2023); www.discogs.com (6/2023); www.imdb.com (6/2023); WStLB, Tagblattarchiv; eigene Recherchen (www.anno.onb.ac.at).


Sein Sohn

Emmerich (jun.): * 26.5.1924 Wien, † 22.5.2006 Wien. Pianist, Moderator. Erste Erfahrungen als Schauspieler bereits in der Volksschule. Ab 1935 besuchte er das Bundesrealgymnasium Diefenbachgasse (Wien XV). Seinen ersten Klavierunterricht erhielt er im Alter von acht Jahren und fungierte bereits ab 1938 als Korrepetitor seines Vaters. Während des Zweiten Weltkriegs traten die beiden im Varieté Leicht im Wiener Prater auf. Ab Juli 1942 Kriegsdienst als Funker. Nach seiner Rückkehr 1945 begann er ein Studium der Theaterwissenschaft an der Univ. Wien und erhielt Sprech- und Gesangsunterricht bei Hofschauspieler und Opernsänger Franz Höbling. Daneben fungierte er weiterhin als Klavierbegleiter seines Vaters. Seit Dezember 1945 trat er mitunter im Wiener Konzerthaus als Pianist, u. a. 1946 bei Konzerten auf Elektroton-Instrumenten sowie als Klavierbegleiter seines Vaters auf. Am 14.5.1947 Heirat, Sohn Emmerich kam am 7.1.1948 zur Welt. Wenig später kam es zur Scheidung, und sein Sohn wurde von seinen Eltern großgezogen. Nach einer kurzen Tätigkeit als kaufmännischer Angestellter in Meidling (Wien XII) wurde er im Herbst 1949 Barpianist und etwas später Angestellter einer Versicherung. Aus seiner zweiten Ehe mit Margarete ging im August 1956 Tochter Elisabeth hervor. Ab 1960 unterstützte er seinen Vater beim Verfassen von Manuskripten für dessen Sendungen. Ab Oktober 1963 sprach A. ein- bis zweimal monatlich live in der Rundfunkreihe Autofahrer unterwegs über Versicherungsfragen und erlangte erste Popularität. Seinen ersten Auftritt als Sänger hatte er in der Sendung Alle Neune. Nach dem unerwarteten Tod seines Vaters übernahm er dessen Rundfunksendungen zum Thema Wienerlied und plauderte bis 1967 in Autofahrer unterwegs über populäre Vertreter und Vertreterinnen des Wienerliedes. 1975 kam er erneut als freier Mitarbeiter zum Hörfunk, wo er bis November 1992 über 500 Sendungen gestaltete und moderierte. Darüber hinaus moderierte er 1987–94 auch die Konzerte des Mandolinenvereins Arion im Großen Saal des Konzerthauses.


Ehrungen
Goldenes Ehrenzeichen des Landes Wien 1974; Goldenes Wienerherz der Robert-Posch-Vereinigung 1994, Robert-Stolz-Medaille der Robert-Posch-Vereinigung; Goldener Wiener.
Schriften
Beiträge in der Neuen Illustrierten Wochenschau, u. a. über A. Steinbrecher und seinen Vater E. A.
Literatur
Ms. Autobiographie in https://musik-austria.at (6/2023); Hauenstein 1979; www.friedhoefewien.at (6/2023); WStLB, Tagblattarchiv.

Autor*innen
Monika Kornberger
Letzte inhaltliche Änderung
31.7.2023
Empfohlene Zitierweise
Monika Kornberger, Art. „Arleth, Familie“, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, begr. von Rudolf Flotzinger, hg. von Barbara Boisits (letzte inhaltliche Änderung: 31.7.2023, abgerufen am ), https://dx.doi.org/10.1553/0x0001f742
Dieser Text wird unter der Lizenz CC BY-NC-SA 3.0 AT zur Verfügung gestellt. Das Bild-, Film- und Tonmaterial unterliegt abweichenden Bestimmungen; Angaben zu den Urheberrechten finden sich direkt bei den jeweiligen Medien.

MEDIEN
Emmerich Arleth sen. (Tonkunst Theater Tanz 4/2 [1936]), 13
Emmerich Arleth sen. (Das Kleine Volksbl. 3.9.1938, 6)
Emmerich Arleth sen., begleitet von Emmerich Arleth jun. am Flügel, um 1950© https://musik-austria.at
Ehrengrab auf dem Wiener Zentralfriedhof (Wien XI)© 2021 Monika Kornberger
© 2021 Monika Kornberger

DOI
10.1553/0x0001f742
GND
Arleth, Familie: 134316517
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