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St. Veit an der Glan
Bezirkshauptstadt nördlich der Kärntner Landeshauptstadt Klagenfurt. Der Sage nach geht die Gründung der Stadt auf das Jahr 901 zurück. Dem Kärntner Hzg. Rathold soll im Traum der Heilige Vitus erschienen sein und ihn ermutigt haben, gegen die einfallenden Ungarn zu kämpfen. Nach siegreichem Kampf veranlasste der Herzog an der Stelle, wo der Mühlbach in die Glan mündet, den Bau einer Kirche zu Ehren des heiligen Veit. 1131 wurde „ville Sancti Viti“ erstmals urkundlich erwähnt. Ob St. V. jemals in bambergischem Besitz war, wie oftmals zu lesen, ist umstritten bzw. nicht eindeutig geklärt. Fakt ist, dass 1176, nach urkundlicher Überlieferung, der bambergische Besitz um St. V. verschwindend gering wurde. Dem Spanheimer Hzg. Hermann v. Kärnten wurden die Vogteirechte übertragen. Er war der erste Herzog, der in St. V. residierte. Auf ihn geht der Bau der Stadtpfarrkirche, einer romanischen Pfeilerbasilika (1162 urkundlich erwähnt), zurück. In einer Urkunde von 1199 wird St. V. erstmalig als „forum“ bezeichnet. Eine Glanzzeit für die Stadt brachte die Regierungszeit des Hzg.s Bernhard II. v. Spanheim (1202–56). St. V. wurde unter seiner Regentschaft zur Landeshauptstadt. Der Herzog gab prunkvolle Feste und war Förderer fahrender Künstler und Sänger. Auch der größte Lyriker seiner Zeit – Walther von der Vogelweide (er widmete dem Herzog zwei Sprüche) – war gern gesehener Gast am Hofe. Der Minnesänger Ulrich von Liechtenstein soll 1227 auf seiner „Venusfahrt“ nach St. V. gelangt sein und als Frau verkleidet den Ritter und Minnesänger Zachäus von Himmelberg vom Pferd gestoßen haben. Ob der Minnesänger Heinrich von dem Türlin tatsächlich aus St. V. stammt, wie oft zu lesen ist, ist nicht eindeutig geklärt.

1224 wurde St. V. erstmals als „civitas“ bezeichnet. Nach dem Aussterben der Spanheimer (1269) wurde 1286 Meinhard II. v. Görz-Tirol Herzog von Kärnten. 1335 fiel Kärnten an die Habsburger und verlor damit seine Bedeutung als Residenz. Am 25.6.1362 wurde der Stadt durch Hzg. Rudolf IV. das Privileg eines Wiesenmarktes verliehen. Es handelt sich hierbei um eines der größten und ältesten Volksfeste Österreichs, das seit seiner Entstehung jährlich, ohne Unterbrechung, am letzten Sonntag im September eine Woche lang abgehalten wird.

1443 rief Kaiser Friedrich III. eine Stiftung zwecks Abhaltung gesungener Ämter ins Leben. Der Schullehrer und seine Schüler hatten daran mitzuwirken. Der älteste Beleg für eine Orgel in der Pfarrkirche St. V. geht auf das Jahr 1637 zurück. Es handelt sich dabei um einen Vertrag zwischen dem Bürgermeister und dem Orgelbauer P. Rottenburger, wonach dieser die Orgel um einen Ton herabstimmen und einige Veränderungen an der Disposition vornehmen sollte. 1703 wurde eine neue Orgel errichtet und dürfte bis 1929 in Verwendung gewesen sein. Die danach errichtete Orgel der Firma Dreher & Flamm wurde bereits 1976 aufgrund schlechter Intonation wieder abgebrochen. Die heutige Orgel (III/25) wurde 1977 von der Firma Rudolf Novak gebaut. Das historische Gehäuse dürfte noch von der Orgel von 1703 stammen. Andreas Clauß/Klaus (* ca. 1714 [Ort?], † 24.1.1796 St. V.), Stadtpfarrchorregent zu St. V., komponierte die Musik zu Fabius Porcius Musica. Die Liebe des wahren Glaubens, ein Werk, das 1756 anlässlich des Geburtstages des Alphons Gabriel Fürst Porcia entstand. 1835–44 war J. Gschwandl Organist in St. V. Ein Schreiben an das Gurker Ordinariat vom 20.10.1868 berichtet über den Tod des Organisten Alois Nekham und bittet um die Genehmigung des Ankaufes der Musikalien aus dessen Nachlass, welche vom Chorregenten, Organisten und Lehrer Mathias Lobmaier († 1883) benötigt werden. Stadtpfarrorganist Hans Noggler komponierte ein Oratorium mit einem Text von Alois Dovnig, um dessen Aufführungsrecht, das vom Klagenfurter Domkapellmeister vergeben wurde, in einem Ansuchen vom 29.4.1934 gebeten wird. Seit 1986 ist Heinz Ellersdorfer Organist der Stadtpfarre St. V. Die Klosterkirche „Unserer lieben Frau“ wurde 1323–26 von Konrad v. Aufenstein als Kirche für das Klarissinenkloster errichtet. Die Orgel (II/12) ist ein Meisterwerk des St. V.er Orgelbauers F. Knoller, der sie um 1731 erbaut haben soll. Sie stellt eine architektonische Besonderheit unter den Barockorgeln Kärntens dar.

Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich St. V. nach Worten von H. Ellersdorfer zur „Hauptstadt des Kärntnerliedes“. 1947 wurde das St. V.er Kulturamt gegründet, das sich über die Jahre zu einem wichtigen Kulturträger und -vermittler entwickelte. Die erste Großveranstaltung war das 1. Kärntner Volksliedsingen am 26./27.7.1947. Sieben weitere in St. V. veranstaltete Volksliedsingen sollten in den Jahren 1948, 1955, 1962, 1966, 1970, 1984 und 1987 folgen. G. Mittergradnegger bemerkte beim 6. Volksliedsingen (1970): St. V. sei eine Stadt, „die wie keine zweite in Kärnten dazu geeignet ist, Zentrum des Kärntnerlied-Singens in unserem Lande zu sein.“ (Klangwelten, 281). N. Artner trug einen großen Anteil an der Umsetzung neuer Ideen beim Volksliedsingen in St. V. Das von Artner im Rahmen des Volksliedsingens geleitete Offene Singen umfasste tausende begeisterte Menschen aus ganz Kärnten. Ein solches Singen war auch ein Höhepunkt des 6. Kärntner Volksliedsingens (1970).

Die St. V.er Kulturtage fanden erstmals 1950, anfänglich unter dem Namen Tagung zeitgenössischer österreichischer Autoren und Komponisten, statt und wurden bis 1968 insgesamt sechs Mal abgehalten. Begründer war H. Lienhard. Namhafte Literaten, Bildhauer, Maler, Musiker und Komponisten waren bei den Kulturtagen vertreten. Werke u.a. von N. Artner, A. Heiller, H. Eder, R. Keldorfer, A. Uhl, O. Strobl, N. Fheodoroff und J. N. David wurden (erst-)aufgeführt. Nicht zuletzt durch die UA der Sinfonia preclassica J. N. Davids erlangten die St. V.er Kulturtage internationale Bedeutung. Der Klagenfurter Madrigalchor unter G. Mittergradnegger nahm wiederholt an den Kulturtagen teil und brachte zeitgenössische Chormusik zu Gehör. Als die St. V.er Kulturtage im Herbst 1954 zum dritten Mal stattfanden, waren sie längst zum österreichischen Begriff geworden.

Der St. V.er-Kreis war die freundschaftliche Zusammenarbeit dreier Künstlerpersönlichkeiten: der Komponisten J. Mulle und G. Mittergradnegger sowie des Textdichters G. Glawischnig. Sie schufen nach dem Zweiten Weltkrieg das so genannte „Neue Kärntnerlied“, das eine Fortführung bzw. Erneuerung im Sinne des Kärntner Volksliedes darstellt. Es ist dem Empfinden und den Stilmerkmalen des ursprünglichen Kärntnerliedes nachempfunden. Heute sind ihre Lieder bereits Volksgut geworden. Bereits während des Krieges wurden die Lieder von Mulle und Glawischnig gesungen. Die Lieder Hamgeahn und Mei Hamat is a Schåtzale (1943) spendeten den Menschen Trost, wurden aber zugleich auch als kriegsschädigend eingestuft. Bekannte Lieder des St. V.er-Kreises sind u. a. De Liab is a Trama (Mulle/Glawischnig) und Is schon still uman See (Mittergradnegger/Glawischnig). Im Kärntner Lehrerquintett fand der St. V.er-Kreis die Formation, die die Lieder des St. V.er-Kreises als erstes gesungen und ins Volk getragen hat. Das 4. Kärntner Volksliedsingen (1962) stand im Zeichen der Lieder des St. V.er-Kreises. Erwähnenswert ist auch die enge Verbundenheit des St. V.er-Kreises zu N. Artner. Sein Urteil über die neu entstandenen Lieder war maßgeblich. D. Themel, der mit diversen Blues- und Rockbands (u. a. Bluesbreakers, Gang) überregionale Anerkennung fand, verhalf den Liedern des St. V.er-Kreises durch seine Bearbeitung auch bei Hörern, die am Kärntnerlied ansonsten keinen Gefallen fanden, zu großer Popularität. In St. V. lebte und wirkte auch der Liedschöpfer, Sänger und Chorleiter A. Schmid.

In St. V. sind etliche Gesangsvereinigungen beheimatet. Der Chor 1863 ist der älteste Chor des Bezirks St. V. Er wurde 1863 als MGV St. V./Glan gegründet. 1926 konnte ein Frauenchor angeschlossen werden. 1953 erhielt der MGV die Walter von der Vogelweide-Medaille, die höchste Auszeichnung, die der Österreichische Sängerbund vergeben kann. 1963 wurde der MGV um einen gemischten Chor erweitert. ChorleiterInnen: A. Nekham (1863), Valentin Koban (1863), Josef Jesch (1863), Anton Bleismayr (1864–70), V. Koban (1870), Ferdinand Schneeberger (1870–73), V. Koban (1873–75), F. Schneeberger (1875–98), L. Hofer(1898–1901), Eugen Jesch (1901–03), L. Hofer (1903–05), E. Jesch (1905–07), L. Hofer (1907–32), H. Noggler und Franz Zych (Frauenchor, 1926–38), F. Zych (1938–45), Franz Treffer (1945–50), F. Zych (1950–53), Hubert Knafl (1953–55), Erich Madritsch (1955–59), Jakob Wildhaber (1959–89), Heinrich Leeb (Männerchor, 1980–83), Armin Wildhaber (1989–95), Gerhard Marschnig (1995–98), Helga Wildhaber (1998–2002), Ines Rießer (2002–07), A. Wildhaber (2007–11), H. Wildhaber (seit 2012). Der Kammerchor Norbert Artner wurde 1946 als Kammerchor St. V./Glan von N. Artner gegründet. Die von Artner initiierten Gurker Domkonzerte fanden im Jahre 1968 erstmalig statt und werden seither vom Kammerchor nahezu ohne Unterbrechung jährlich durchgeführt. ChorleiterInnen: N. Artner (1946–71), Werner Gruber (1971–81), Sieglind Posch-Dimai (1981–85), Wolfgang Benedikt (1985–90), Klaus Kuchling (1990–96), Herwig Wiener-Püschel (seit 1996).

Eine so genannte „Musikbanda“ wurde 1865 von böhmischen Einwanderern, den Gebrüdern Schwätz und Jiruschek, gegründet. Die Leitung bis zum Jahre 1914 lag in den Händen von Adolf Jiruschek, Sohn des Mitbegründers. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde 1919 die Probenarbeit wieder aufgenommen. 1921/22 erhielt der Verein den Namen Deutsch Österreichische Eisenbahn Kapelle St. V. a. d. Glan. Zahlreiche Namensänderungen folgten. Von 1938 bis zum Kriegsende 1945 lauteten die Namen SA-Musik und Bundesbahn Polizeimusik (mit Sitz in Villach). Seit 1948 nennt sich der Verein Eisenbahner Musikverein Stadtkapelle St. V. an der Glan. Kapellmeister: Konrad Kussian (1919–30), Wirkner, Schuster (1931–37), Theo Albrecht v. Sperling, Johann Rupprecht (1938–51), Karl Zlaner (1952/53), K. Kussian (1954–62), Sepp Werner (1963), K. Zlaner (1964–69), Alois Krall (1970–72), Wilhelm Eder (1973–77), Alfred Zitter (1978–83), Johann Baumgartner (1984), Marlene Petschacher (1985–88), Arthur Lanzer (1989–90), Hiroshi Nawa (1991/92), Edwin Hribar (1993–2003), Josef Ofner (2003–06), Peter Leber (2006/07), Martin Schrall (2008–12), Martin Kanduth (seit 2012).

In St. V. . finden jährlich zahlreiche kulturelle Veranstaltungen statt, u. a. Sommerliche Rathausabende und Jahreszeitensingen. Im Jahr 2000 wurden vom Verein Burgkultur die 1. Burgkulturtage in der Herzogburg veranstaltet. Zahlreiche Veranstaltungen von Musik über Literatur bis zur bildenden und darstellenden Kunst wurden seither ausgetragen. Seit 2003 findet in St. V. die Trigonale – das Festival der Alten Musik – statt.

Die MSch. in St. V. trägt den Namen N. Artners. In St. V. gibt es weiters seit 2006 ein Modern Music College, eine private MSch. für Popularmusik, die von Feddy Zitter jun. ins Leben gerufen wurde. schlag.punkt.kärnten wurde 1996 gegründet, Leiter ist Peter Wolfbauer. Diese Institution umfasst drei verschiedene Bereiche: Das Kärntner Trommlerkorps in seinen Uniformen der k. u. k. Trabantenleibgarde ist ein Begriff über die Landesgrenzen hinaus. Das SchlagWerkEnsemble vereint die ganze Bandbreite der Schlagwerk- und Percussionmusik. Die Konzerte dieses Ensembles umfassen Originalwerke und Bearbeitungen zahlreicher Künstler, Stile und Epochen. Die Future@Drums – DrumAcademy beschäftigt sich mit der Ausbildung und dem Musizieren in Gruppen.


Literatur
[Fs.] 150 Jahre „Chor 1863“ St. V. an der Glan 2013; W. Deuer et al., Kärntner Landesgesch. von den Anfängen bis 1918, 2008; Beiträge von H. Ellersdorfer, W. Wadl und K. Grafschafter in St. V. an der Glan 1997; Beiträge von E. Egger, G. Mittergradnegger, A. Weber und H. Huber in K. Dinklage (Hg.), Heimatbuch des Bezirkes St. V. an der Glan 1956; C. Fräss-Ehrfeld, Gesch. Kärntens 1 (1994); Th. Gruber, Norbert Artner. Mensch und Musiker 2004; E. Jung-Mittergradnegger/R. Jung, Klangwelten. Günther Mittergradnegger – Lebensmosaik 2013; F. Widmann, St. V. an der Glan 2007; Wurzbach 5 (1859); www.artnerchor.at (7/2015); www.burgkultur.at (7/2015); www.kath-kirche-kaernten.at (7/2015); www.ktn.gv.at (7/2015); www.modern-music-college.at (7/2015); www.orgelland.at/content/st-veit-der-glanknoller-ii-12 (7/2015); www.orgelland.at/content/st-veit-der-glannovak-iii-25 (7/2015); www.stadtkapelle-sv.at (7/2015); www.trigonale.com (7/2015); www.trommlerkorps.at (7/2015); http://volkskultur-kaernten.at (7/2015); weitere Internetrecherche; Archiv der Diözese Gurk (APA Stadtpfarre St. Veit/Glan/XIII/1/Organisten-Messner-Dotation; APA Stadtpfarre St. Veit/Glan/XIII/3/Kirchenmusik; Sterberegister der k. k. Stadtpfarre St. Veit ab anno 1784 usque ad 1800 excl).

Autor(en)
Maria Streit
Empfohlene Zitierweise
Maria Streit, Art. „St. Veit an der Glan‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 11/08/2015]