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Schipek, Schipek, Franz: Familie
Franz: * --ca. 1807 Konarowitz/Böhmen (Konárovice/CZ) † --ca. 1860 (Ort?). Flügelhornist. Der Sohn eines böhmischen Schneidermeisters heiratete nach dem Tod seiner ersten Frau Anna, geb. Kaunitzky (Eheschließung am 20.8.1834 in Chotusitz/Böhmen [Chotusice/CZ]), am 2.3.1840 in St. Ulrich (Wien VII) die Handarbeiterin Josepha Kozaczek (* 11.2.1815 Bobrau/Mähren [Bobrová/CZ]). Trauzeugen waren A. Furch und der Musiker Johann Kuchatschek. Zunächst Mitglied von Furchs Wiener Flügelhornisten, ab spätestens 1843 Leiter eines eigenen Ensembles, des Flügel-Hornisten-Corps bzw. Wiener Flügelhornisten-Corps. Später trat er mit seinen Kindern Franz und Katharina in Lokalen in und außerhalb Wiens auf. Bis 1859 in Wien nachweisbar, wo er zuletzt als Musik-Direktor in Gaudenzdorf/NÖ (heute Wien XII) lebte.
Literatur
Der Adler 18.12.1840, 7; Wr. Ztg. 30.3.1839, 468, 24.9.1839, 1342, 30.5.1843, 383, 14.10.1843, 2116, 22.3.1845, 626; Neuigkeiten 18.11.1854, [3], 21.11.1854, 4; Linzer Ztg. 13.4.1846, 236; Trauungsbuch der Pfarre St. Ulrich (Wien VII) 1838–43, RZ 46/R 50; eigene Recherchen (div. tschechische und Wiener Matrikenbücher).


Seine Kinder

Katharina Josepha: * 22.4.1836 Altlerchenfeld (Wien VIII), † nach März 1875 (Ort?). Volkssängerin. Stammte aus der ersten Ehe ihres Vaters mit Anna Kaunitzky. Ging als Mitglied der Familie Sch. auf Konzertreisen. Im September 1852 begleitete sie ihren Bruder Franz bei Auftritten in Brünn auf der Physharmonika. 1859 lebte sie in Wien VI als Sängerin und heiratete am 28.2.1859 den Apprenteur und Volkssänger Wenzel Andreas Göhler (* 6.9.1831 Wien, † 12.12.1868 Wien), in dessen Gesellschaft sie danach in verschiedenen Etablissements in Wien und Graz auftrat. Nach dem Tod ihres Ehemanns trat sie weiter als Volkssängerin auf und gründete später eine Damen-Sing- und Spiel-Gesellschaft (Damenkapelle), mit der sie 1875 auch in Graz (angekündigt als „Harmonium-Virtuosin und Soubrette“) auftrat. Danach verliert sich ihre Spur.


Literatur
[Brünner] Tagesbote 14.9.1852, 4; Neues Fremden-Bl. 16.7.1866, [11]; [Grazer] Tagespost 8.8.1868, [8], 27.3.1875 [7]; Taufbuch der Pfarre Altlerchenfeld (Wien VII) 1835–37, fol. 101; eigene Recherchen (www.anno.onb.ac.at).


Franz Johann (auch Ferdinand): * 18.12.1842 Schottenfeld (Wien VII), † 4.6.1881 Bukarest. Geiger, Komponist. Sein Taufpate war der Musiker Wenzel Polak. Erhielt schon früh Geigenunterricht und trat ab spätestens 1852 mit seinem Vater und seiner Schwester Katharina als Künstlerfamilie Sch. auf. In der Folge konzertierte er in verschiedenen Städten der Monarchie (Graz, Marburg, Laibach, Ungarisch Brod [Uherský Brod/CZ], Olmütz), wobei er häufiger in Gaststätten als in Konzertsälen auftrat. 1855–57 Ausbildung am Konservatorium der GdM bei J. Hellmesberger (Violine), Franz Ramesch (Klavier) und S. Sechter (Harmonie- und Kompositionslehre). In Wien debütierte Sch. am 26.12.1858 im Rahmen einer Matinee im Wiener Musikverein, fand hier aber nur wenig Anklang. 1859, 1862, 1864 und 1865 sind weitere Konzertreisen belegbar, 1862 trat er mit einer oder beiden Schwestern als Geschwister Sch. auf. 1872 spielte Sch. die zweite Violine in der Damenkapelle seiner Schwester Marie, 1878 trat er als Virtuose im Rahmen eines ihrer Konzerte in Linz auf, vielleicht begleitete er auch sonst die Kapelle auf ihren Konzertreisen. 1873–75 ist er als Tonkünstler unter dem Namen Ferdinand Sch. in Lehmann’s Adresskalender verzeichnet, später ließ er sich in Bukarest nieder. Hier machte er sich einen Namen als Violinvirtuose und Komponist und fand für einige seiner Kompositionen (unter den Namen Ferdinand und Franz Sch.) auch Verleger.


Ehrungen
Prämium 1856 und Gesellschaftsmedaille des Konservatoriums der GdM 1857.
Werke
Tänze für Klavier; Lieder.
Literatur
C. F. Pohl, Die Gesellschaft der Musikfreunde des österr. Kaiserstaates und ihr Conservatorium 1871; L. Schneider (Hg.), Dt. Bühnen-Almanach 1860, 262; F. Popa in Nineteenth-Century Music Review 14 (2017); Morgen-Post 28.12.1858, 2; Der Humorist 28.12.1858, 3; Bll. für Musik, Theater und Kunst 28.12.1858, 239; [Brünner] Tagesbote 14.9.1852, [4], 12.6.1862, [3]; Die Neue Zeit 22.8.1858, 2; Fremden-Bl. 24.12.1858, [8]; [Grazer] Tagespost 19.9.1857, [2]; [Linzer] Tages-Post 24.12.1878, 3; Laibacher Ztg. 21.10.1857, 969, 5.11.1857, 1020; Die öffentliche Meinung 17.8.1872, 5; Mährischer Correspondent 13.4.1865, 5; Silesia 18.2.1865, 70; Amtsbl. der Lemberger Ztg. 10.9.1859, 1106; Taufbuch der Pfarre Schottenfeld 1842, fol. 265; eigene Recherchen (u. a. Jahresberichte des Konservatoriums der GdM; Lehmann’s Adressbücher).


Marie (eig. Maria Antonia Josefa): * 14.9.1844 Schottenfeld, † nach 1895 (Ort?). Geigerin, Dirigentin. Vermutlich erster öffentlicher Auftritt als Sängerin im Rahmen eines Konzertes ihres Bruders Franz am 26.12.1858 im Wiener Musikverein. 1860–62 studierte sie Gesang am Konservatorium der GdM (aus Krankheitsgründen nur bis März), wobei ihr jedoch wenig Talent bescheinigt wurde. Als ihr Vormund fungierte im ersten Studienjahr ihr Schwager W. Göhler, mit dem sie auch auftrat, etwa Ende 1862/Anfang 1863 und im Sommer 1864 in Graz. Ein angebliches Engagement am Stadttheater von Hermannstadt in Siebenbürgen (Sibiu/RO) konnte nicht nachgewiesen werden. Im Frühjahr 1863 sang sie in Hein’s Singspiel-Halle, einem transportablen Theater, das in Wien Station machte, und trat im Rahmen dieser Vorstellungen auch als Geigerin auf. Ab Februar 1865 wirkte Sch. als Solistin in Konzerten der Kapelle von Johann Kaspar mit, im Mai wurde sie fixes Mitglied. Sie leitete die Kapelle mehrmals selbst, erstmals vermutlich am 19.2.1865 anlässlich eines Maskenballs. Im Herbst 1865 erhielt Sch. die Konzession zur Gründung eines Damen-Quartetts und suchte via Inserat Musikerinnen für eine zweite Violine, Klavier oder Harmonium, Flöte oder Cello. Am 18.11.1865 debütierte die Erste Wiener Damen-Concert-Musik (später Erstes Wiener Damen-Quartett) in Schwender’s Colosseum (Wien XV) in der Besetzung zwei Violinen, Flöte und Klavier. „Die Damen vermieden mit feinem Takte das Gebiet der Klassizität und hielten sich meist im Fahrwasser der gewöhnlichen Tanzstücke“ (Neues Fremden-Blatt 20.11.1865). Am 12. 4.1866 erweiterte K. Weinlich für kurze Zeit als „Trommelschlägerin“ das Quartett zu einem Quintett. Darüber hinaus trat Sch. eine Zeit lang noch in verschiedenen Wiener Etablissements in unterschiedlichen Besetzungen auf. Am 17.4.1871 erster Auftritt mit ihrer Damen-Kapelle in der Neuen Dreherschen Bierhalle (Wien III), das Wiener Damen-Quartett bestand jedoch nach wie vor, ebenso ein unter ihrer Leitung stehendes Damen-Terzett mit Leopoldine Ambros und Betti Hieß (ab Juni 1868 nachweisbar). Am 1.11.1873 fand in den Blumen-Sälen der Gartenbaugesellschaft (Wien I) das „Debut der neuorganisirten I. Wiener Damen-Kapelle, unter der Direktion des Frl. Marie Sch.“ (Fremden-Bl. 1.11.1873, 8) statt. Das Programm der Kapelle umfasste mittlerweile neben Tanzmusik auch Ouvertüren zu Opern und Operetten sowie Potpourris. Ab März 1874 unternahm Sch. mit ihrer Kapelle regelmäßig Konzertreisen durch ganz Europa, die sie u. a. nach Frankreich, England, Belgien und in die Niederlande führten. Die Besetzung der Kapelle wechselte immer wieder. Im November 1873 in Wien sowie 1876 in Leitmeritz und Tetschen (Děčín/CZ) bestand die Kapelle aus elf Damen, das Orchester setzte sich aus drei ersten Violinen, zwei zweiten Violinen, Cello, Kontrabass, Klavier, Harmonium, Flöte, Triangel, Trommel und Pauken zusammen. In Linz trat Sch. Ende 1878 mit Mathilde Heischelmann (Klavier und Harmonium), Auguste Kosubeck (Cello), Marie Richter (Klavier und Harmonium), Eugenie Hainisch (Kontrabass) und Marie Hainisch (Schlagwerk) auf. Im Folgekonzert zu Ostern 1879 spielten nur fünf Damen. 1885/86 konzertierte die Kapelle als Viennese Lady Orchestra mehrere Monate lang in London, das Orchester soll aus 45 Damen und 10 „jungen Konservatoristen für Blas-Instrumente“ (Neuigkeits Welt-Bl. 26.6.1885) bestanden haben, auf einem Plakat sind sogar 60 Mitglieder angeführt. Hier hörte sie auch George Bernard Shaw, damals Musikkritiker, und zeigte sich sehr beeindruckt. Zuletzt gastierte Sch. mit ihrer Kapelle im Herbst 1895 in London, danach verliert sich ihre Spur.


Ehrungen
Widmungsträgerin von Carl Malembergs Viennese Dance für Klavier.
Werke
Tanzmusik (Rudolfsheimer Walzer, Faschingsgedanken-Polka).
Literatur
M. Myers in P. Moisala/B. Diamond (Hg.), Music and Gender 2000, 203; Fremden-Blatt 8.3.1863, 12; 19.2.1865, 13; 12.3.1865, 13; 17.3.1865, 10; 24.6.1865, 11; 30.5.1865, 13; 13.9.1865, 21; 18.11.1865, 12, 12.4.1866, 13, 27.6.1868, [17], 17.6.1871, 12, 15.9.1871, 13, 11.12.1871, 6, 20.11.1873, 8, 6.3.1875, 15; Neues Fremden-Blatt 12.10.1865, 5, 20.11.1865, 4; Prager Abendbl. 27.12.1872, 3; Prager Tagbl. 16.7.1888, 6; Konstitutionelle Volks-Ztg. 20.5.1865, [7]; Leitmeritzer Ztg. 18.3.1876, 4; [Linzer] Tages-Post 24.12.1878, 3, 17.4.1879, 3; [Grazer] Tagespost 1.1.1863, 11, 28.8.1864, [12]; Neuigkeits Welt-Bl. 26.6.1885, 5; Allgemeine Kunst-Chronik (Beilage Allgemeine Theater-Chronik) 19.12.1885, 3; http://www.sophie-drinker-institut.de (5/2018); http://www.bl.uk/ (5/2018); Taufbuch der Pfarre Schottenfeld 1844, fol. 214; Trauungsbuch der Pfarre St. Ulrich (Wien VII) 1838–1843, [1840] Nr. 56/R 50; Matrikenblatt der GdM; eigene Recherchen (www.anno.onb.ac.at).

Autor(en)
Monika Kornberger
Empfohlene Zitierweise
Monika Kornberger, Art. „Schipek, Familie‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 21/08/2018]