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Marburg an der Drau (deutsch für slowenisch Maribor)
Nach Laibach zweitgrößte Stadt von Slowenien. Die ersten Quellen über Musiktätigkeit in M. stammen aus dem frühen 13. Jh. Das Kulturzentrum war wie üblich die Pfarrkirche Johannes des Täufers. Für die letzten Dezennien des 16. Jh.s ist bekannt, dass viele Musiker aus diesem Gebiet ausgewandert sind, darunter auch der gebürtige M.er D. Lagkhner. Zwei bedeutende Archive mit Notenmaterial sind die des Bistums (aus dem 16. Jh.; Lavant) und der Stadtpfarrkirche (nach 1800). Im Letzteren finden sich auch einige Manuskripte des Komponisten Valentin Lechner (* ?, † ?), der zw. 1800/05 als Organist in der Pfarrkirche in M. wirkte. 1825 wurde in M. der Musikverein, der auch eine eigene MSch. besaß, gegründet, mit der regelmäßigen Tätigkeit begann er aber erst nach 1841. Seit 1823 bestand in M. auch ein Lese- und Casinoverein. 1846 wurde der Männergesangverein gegründet, der als einer der ältesten Chöre der Monarchie galt (Männergesang). Sein Ehrenmitglied wurde u. a. auch der Komponist und Dirigent Ru. Wagner. Der MGV übte über 90 Jahre seine Konzerttätigkeit aus. Alle Kulturmanifestationen in der 1. Hälfte des 19. Jh.s wurden von den deutschen Bürgern getragen.

Am 16.6.1846 konzertierte F. Liszt im Rittersaal des M.er Schlosses (Besitzer Graf Brandis). H. Wolf, der in M. 1875 sein erstes Werk, die unvollendete Klaviersonate op. 1 komponierte, besuchte zwei Jahre (1873–75) das M.er Gymnasium. Er betätigte sich auch als erster Geiger im Schulorchester, das bei den Schulmessen sowie festlichen Messen in der Domkirche (1981 Orgel [III/37] der Firma Walcker, s. Abb., ersetzte eine Orgel des M.er Orgelbauers Josef Brandl 1908/9 [II/30]) mitwirkte.

1881 gründeten deutsche Musiker und Musikliebhaber in M. den Philharmonischen Verein. Mit eigenem Orchester, Männerchor und gemischtem Chor organisierten sie einige Konzerte im Jahr. Der Verein hatte auch eine eigene MSch. Erster Direktor der Schule sowie des Vereins war Henrik Korel. Mitglieder des Vereins waren einige slowenische Musiker. Beide Institutionen bestanden bis 1918. Es sind noch zwei deutsche Chöre zu erwähnen, die in der 2. Hälfte des 19. Jh.s gegründet wurden: die Liedertafel (Gesangverein der Eisenbahner, 1865) und der Arbeitergesangverein Frohsinn (1892).

Die slowenische Musiktätigkeit begann mit der Gründung der Slovanska čitalnica (Slawischer Leseverein) im Jahr 1861. Erst später, 1919, wurde der vor dem Zweiten Weltkrieg bedeutendste Musikverein Glasbena Matica (GM) gegründet. Neben dem gemischten Chor und Orchester (die Musiker waren Musikliebhaber), hatte die GM eine eigene MSch. Im Rahmen der GM wirkten als Dirigenten, Kritiker und Pädagogen namhafte slowenische Komponisten: Emerik Beran (1868–1940), Vasilij Mirk (1884–1962), Marjan Kozina (1907–66), Karol Pahor (1896–1974) u. a. In M. schrieb der bedeutendste slowenische Komponist der 1. Hälfte des 20. Jh.s, S. Osterc, seine ersten Kompositionen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde 1946 der Konzertverein gegründet. Der erste Operndirektor und Dirigent A. Neffat gründete ein Symphonisches Orchester, das 1952–65 als Mariborska filharmonija (M.er Philharmonie) konzertierte. Neffats Nachfolger waren Demetrij Žebre, Ciril Cvetko und Jakov Cipci. Die Mariborska Filharmonija wurde erst wieder 1993 ins Leben gerufen.

In M. betätigen sich einige Chöre, die international bekannt sind, z. B. der Mädchenchor Carmina Slovenica (Chorleiterin Karmina Šilec). Von den slowenischen Komponisten, die als Dirigenten und Pädagogen in M.(nach dem Zweiten Weltkrieg) tätig waren, sind Demetrij Žebre, Heribert Svetel (1895–1962), Aleksander Lajovic, Marko Žigon und nach 1995 Tomaž Svete (* 1956) zu erwähnen. 1945 wurde in M. eine Mittelschule für Musik gegründet, die noch heute (2004) als Schule für Musik und Balletterziehung besteht. Schon vor der Gründung der Univ. (1975) bestand (seit 1964) an der zweijährigen Pädagogischen Akad. die Abteilung für Musikerziehung, die später (1987) als Abteilung für Musikpädagogik (mit 8 Semestern Studiendauer) an der neugegründeten Pädagogischen Fakultät (1985) umbenannt wurde.

Die systematische Theatertätigkeit in M. begann im Jahr 1785, als einige Theaterfreunde im Lantierischen Freihaus das erste ständige Theater gründeten. Nach der Kündigung durch dessen neuen Besitzer fand das Theater nach 1806 seine Unterkunft zuerst in der Burg, danach in der säkularisierten Kirche der Cölestinerinnen und nach 1811 in der aufgelassenen Kirche des Hl. Geistes beim Bürgerspital. Im Theater traten M.er Dilettanten und wandernde deutsche Theatergruppen auf, die das Theater für eine oder zwei Saisonen (von Allerheiligen bis Palmsonntag) mieteten. Das damalige Repertoire umfasste hauptsächlich Schwänke, Volksstücke, Lustspiele, Possen mit Gesang usw. Erst die Theatergruppe Carl Meyers führte 1840–42 bedeutendere (musik-)dramatische Werke auf. In der 1. Hälfte des 19. Jh.s spielten eine wichtige Rolle die M.er Dilettanten (1793 gründeten sie auch einen eigenen Verein), die unter Mitwirkung des Musikvereins eigene Vorstellungen und Konzerte gaben. 1843 führte man erstmals eine ganze Oper auf, Norma von Vincenzo Bellini. Weiters gaben sie auch die Anregung für den Bau eines neuen Theaters (s. Abb.), das 1852 mit der Oper Martha von F. v. Flotow (aufgeführt von der Grazer Theatergruppe Franz Thomés) feierlich eröffnet wurde. Auch in der Zeit nach 1852 wurde das M.er Stadttheater von deutschen Theatergruppen in Pacht genommen und seit 1864 vom Theater- und Casinoverein verwaltet. Zu den Theaterdirektoren mit der längsten Amtsperiode zählte J. Lutz (1852–59). In dieser Zeit traten in M. einige später berühmt gewordene deutsche Schauspieler auf: Franz Deutschinger, Josef Matras und Johanna Blasel.

1850–1900 gab es im M.er Theater keine mehrjährig beschäftigten Orchestermitglieder. Sie wurden wie das übrige künstlerische Personal vom jeweiligen Direktor engagiert. 1867/68–1913/14 waren am Theater 18–20 Orchestermusiker. Neben dem Kapellmeister wird ab 1860/61 auch ein Orchesterdirektor angeführt. In der Saison 1909/10 zählte z. B. das Theaterensemble 3 Regisseure, 2 Dirigenten, 1 Musikdirektor, 20 Schauspieler und Sänger, 28 Schauspielerinnen und Sängerinnen und 18 Orchestermusiker.

In der Saison 1917/18 wirkte M. Schönherr als Kapellmeister in M. Sein Vater, M. Schönherr sen., war 40 Jahre Kapellmeister der k. k. Südbahnwerkstättenkapelle in M. gewesen. Zu den bedeutenderen Künstlerpersönlichkeiten, die im M.er Stadttheater wirkten, zählte auch R. Stolz. Er kam als 18-Jähriger nach M. und betätigte sich im Theater als Korrepetitor und 2. Kapellmeister, trat aber auch in kleineren Rollen auf. R. Stolz komponierte in M. die Bühnenmusik zu einigen Possen, die man wahrscheinlich zu seinen ersten Kompositionen zählen kann. Im M.er Theater waren auch einige Schauspieler wie Ludwig Anzengruber (Pseud. Gruber, 1863/64) und Josef Kainz (1875/76) engagiert, die später zu den bedeutendsten Schauspielern des deutschen Theaters zählten. Den Höhepunkt erreichte das Theater in M. 1878 mit dem Gastspiel des Wiener Hoftheaters. Es wurden aber auch die größten Werke der klassischen Literatur aufgeführt. Im Bereich des Musiktheaters überwogen dagegen französische (J. Offenbach, Charles Lecocq, Hervé, Edmond Audran), deutschsprachige (F. v. Suppè, C. J. Millöcker, C. Zeller, J. Strauß Sohn, R. Genée, C. M. Ziehrer, L. Fall, F. Lehár, E. Eysler, E. Kálmán, R. Heuberger, Adolf L’Arronge) und englische (Arthur Sullivan, Sidney Jones) Operetten. Seltener gab es Opernaufführungen (G. Verdi, P. Mascagni, C. M. v. Weber, J. Offenbach, G. Rossini, Georges Bizet, Charles Gounod, W. Kienzl). Das Programm im M.er Theater war zu dieser Zeit bescheiden und provinziell.

Bis 1919 war das Theater in M. in deutschem Besitz, Slowenen konnten hier nicht auftreten. Nach dem Zerfall der Monarchie übergab die neue slowenische Gemeindeverwaltung das Theatergebäude dem neugegründeten slowenischen Stadttheater, Nacionalno gledališče v Mariboru (Nationaltheater in M.). Mit ständigen Opernaufführungen begann man in M. erst nach dem Engagement des Dirigenten und künstlerischen Leiters der Oper, Andro Mitrović (1922–25 und 1926/27). Erstmals wurden in dieser Zeit in M. Standardwerke der italienischen, deutschen, französischen und slawischen, aber auch slowenischen Opernliteratur aufgeführt. Unter den Letzteren bevorzugte Mitrović Werke des slowenischen Komponisten Viktor Parma, der in M. vier Jahre (1920–24) als Ehrenkapellmeister engagiert war. Nach 1928 (bis 1941) wurden wegen der finanziellen Krise meist nur drei Opern pro Saison aufgeführt, meist standen aber Operetten auf dem Programm.

Während des Zweiten Weltkriegs (1941/44) war das Theater in M. unter deutscher Verwaltung wieder deutschsprachig. Das Progamm füllten meistens Opernstandardwerke (größtenteils aus dem 19. Jh.), Operetten und Ballette. 1945 wurde das Theater in M. als Slovensko narodno gledališče M. (Slowenisches Nationaltheater M.Abb.) wieder erneuert. Neben Opern wurden auch Ballette aufgeführt (als künstlerische Leiter waren die Choreographen Marta Remškar, Peter Golovin, Maks Kirbos, Jitka Ivelja, Iko Otrin, Edi Dežman und Liljana Keča engagiert). Der Dirigent A. Neffat wurde zum ersten Operndirektor ernnant, gefolgt von Demetrij Žebre, Ciril Cvetko, Jakov Cipci, Vladimir Kobler, Boris Švara, Henrik Neubauer und Stane Jurgec. Von den namhaften Sängern, die längere Zeit in M. engagiert waren, sind u. a. Emil Baronik, Svetlana Čursina, Vaelntin Enčev, Miro Gregorin, Marica Lubej, Ondina Otta-Klasinc, Mileva Pertot, Jernej Plahuta, Majda Švagan, Ada Thuma, J. Lotrič, Natalija Vorobjova-Biorro zu erwähnen. Seit 1955 stehen neben den Standardwerken auch moderne slowenische und fremde Opern im Repertoire. Nach 1949 wurden 13 slowenische Opern bzw. Projekte sowie 14 Ballette uraufgeführt. In M. wurden aber auch einige Werke der Opernweltliteratur im ehemaligen Jugoslawien erstmals zur Aufführung gebracht, z. B. die Opern Drunten im Tal von K. Weill (1969), Der Corregidor von H. Wolf (1990), Die weiße Rose von Udo Zimmermann (1991) und die UA der mythischen Legende Mystery von Georg Stampfer (1995).

Seit 1987 werden in M. auch wieder Operetten und seit 1994 erstmals auch Musicals aufgeführt. Zahlreiche Besucher kommen zu den Opern- und Ballettvorstellungen nach M. auch aus dem Ausland, v. a. aus Österreich (Graz).


Literatur
M. Špendal, Glasbene predstave na odru mariborskega gledališča 1975; Enc. Slov. 12 (1998); M. Špendal, M. skozi stoletja 1991; M. Špendal, Iz Mariborske glasbene zgodovine 2000; A. Stoinschegg, Chronik des MGV.es in Maribor 1846–1936, 1936; Festbll. zum 10. steirischen Sängerbundesfeste in Marburg 1908; Notizbuch H. Wolfs „Daten aus meinem Leben“, Musikslg. ÖNB.; https://de.wikipedia.org/wiki/Josef_Brandl (6/2016).

Autor(en)
Manica Špendal
Empfohlene Zitierweise
Manica Špendal, Art. „Marburg an der Drau (deutsch für slowenisch Maribor)‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 06/05/2001]

ABBILDUNGEN
Kathedrale St. Johannes der Täufer (Domkirche)
Kathedrale St. Johannes der Täufer (Domkirche)
Domorgel, installiert 1981
Domorgel, installiert 1981
Slowenisches Nationaltheater Marburg (Slovensko narodno gledališče Maribor), erbaut 1852
Slowenisches Nationaltheater Marburg (Slovensko narodno gledališče Maribor), erbaut 1852


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